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Comic-Journalismus digital
Und wieder ein Beitrag zum „Graphic Journalism“. Dieses Jahr hat man den Eindruck, dies sei das neue große Ding. Panels, Diskussionen, Ausstellung – überall trifft man wieder auf das Thema. In diesem Gespräch sollte die Online-Variante genauer betrachtet werden. 4 Comiczeichner / -journalisten aus aller Welt (nagut, sagen wir Westeuropa) und ein Fernseh-Journalist erzählen von ihrer Arbeit (auf Englisch), nämlich:

Patrick Chappatte (CH, Graphic Reporter, Comic-Journalist, Editorial Cartoonist), Emil Friis Ernst (DK, Animation Director, Comiczeichner), Eva Hilhorst (NL, Comic-Journalistin), Bo Soremsky (DE, Comiczeichner), Uwe Lothar Müller (DE, stellv. Redaktionsleiter Arté Reportage, Radio), Mod: Lilian Pithan

Eva Hilhorst hat „Drawing the Times“ (drawingthetimes.com) gegründet, eine Online-Plattform für Grafischen Journalismus. Prinzipiell, findet sie, funktionieren gedruckte Comics zwar am besten, aber wenn man von vornherein weiß, dass der Comic online erscheinen soll, kann man das Layout gut anpassen. Probleme gibt es dann, wenn man auf Mobilgeräten immer nur ein Panel sehen kann – aber grafischer Online-Journalismus ist ja auch nicht unbedingt auf Panel angewiesen.

Emil Friis Ernst veröffentlicht bei „The Nib“ (www.thenib.com) animierte Panels und Scrollcomics. Digitale Medien haben ein neues Comicformat geschaffen, das er als Regisseur von animierten Filmen auch gut für seine Comics zu nutzen weiß.

Patrick Chappatte ist bekannt für seine digitale Reportage „Windows on Death Row“ (http://www.windowsondeathrow.com), die er online bei der New York Times veröffentlicht hat. Auch dieser Comic wurde direkt für digitale Medien konzipiert. Chappatte begann bereits 1995 mit Grafischem Journalismus und erzählt, dass es auch mühsam sein kann, digitale Comics und Animationen zu veröffentlichen. Für seinen Comic musste die komplette Website neu aufgesetzt werden wegen technischer Voraussetzungen und um eine gute Ansicht sowohl auf Bildschirmen als auch für mobile Geräte zu realisieren. Durch die ständige Weiterentwicklung der Technik und Browser kann man viele seiner älteren Online-Veröffentlichungen heute nicht mehr abspielen, weil die Flash-Versionen zu alt sind. Hier sind natürlich gedruckte Medien klar im Vorteil. Der Vorteil des Internets ist dagegen der theoretisch unbegrenzte Platz, im Gegensatz zu gedruckten Medien wie Zeitungen.

Bo Soremsky hat sowohl online als auch im Fernsehen seine Comics und Animationen veröffentlicht. Er ist der Autor von “Der Kachelmann Prozess” (www.bosoremsky.de/kachelmann.html), einer interaktiven Grafik zum Anklicken. Für den Sender Arte war er Teil des Filmteams für die Reportage „Madagaskar: Verfluchtes Tal der Saphire“ (https://info.arte.tv/de/madagaskar-verfluchtes-tal-der-saphire). Er wollte in seinen Animationen zeigen, was die Kamera nicht einfangen konnte: Erzählungen von Unfällen oder Szenen, die nicht gefilmt werden durften. Für Arte war es ein langer Prozess, festzulegen, wie die Story der Reportage rübergebracht werden soll und welche Teile animiert werden sollen.

Uwe Lothar Müller arbeitet bei Arte. Dort werden schon seit 15 Jahren Cartoons im Programm gezeigt, was vor allem daran liegt, dass die Franzosen Comics sehr mögen. Die Idee des Grafischen Journalismus ist dort allerdings auch noch relativ neu, aber sie kommt sehr gut an, und langsam fängt man an, die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten zu erschließen.

Das eigentlich zentralste Thema bei jeder Diskussion über Comic-Journalismus spielte natürlich auch hier wieder eine Rolle, und zwar das der Objektivität der Zeichner. Viele Leute sind der Ansicht, dass Comic-Journalismus ehrlicher ist, da ganz offensichtlich ein subjektiv gefärbter Eindruck vermittelt wird. Andererseits kann man natürlich auch nicht davon ausgehen, dass weniger Objektivität automatisch für mehr Ehrlichkeit steht, ganz zu schweigen für journalistische Grundprinzipien, die viele Zeichner niemals vermittelt bekommen haben… hier kommt die Gruppe zu dem Schluss, dass vor allem Ethik, Quellenangaben sowie die Darstellung der Gegenseite die Schlüsselprinzipien sind, die auch Comicjournalisten unbedingt beachten müssen.

Ein letzter Punkt noch: Was kommt in der Zukunft, wohin entwickelt sich der Online-Comic? Die Zeichner zählen auf: Smart Games werden zunehmend auf den Markt kommen. Die „analoge“ Zeichnung wird nicht an Wert verlieren, da sie so persönlich wie eine Handschrift ist. Außerdem ist es teils viel gelenkschonender, auf Papier zu zeichnen. Und: Multimedia-Veröffentlichungen in nicht-linearem Stil werden zunehmen. Der Fernsehredakteur bremst aus: Es wird jede Menge spannender Neuerungen geben, von denen die meisten nicht umgesetzt werden, da es (zumindest fürs Fernsehen) technisch zu schwierig wird.

Naja. Ich persönlich sehe das „normale“ Fernsehen sowieso längst im Niedergang begriffen und bin sicher, dass über kurz oder lang der Hauptteil des Fernsehens ins Internet wandern wird. Und dort sind die Möglichkeiten, vor allem mit fortschreitender technischer Entwicklung, auf lange Sicht ziemlich unbegrenzt. Ich freu mich drauf.

Disclaimer: Die Autorin dieses Textes verfügt über keine zertifizierte journalistische Ausbildung. Der Text kann Spuren von subjektive Sichtweisen beinhalten. Trotzdem wird subjektive Ehrlichkeit zugesichert. (Rechtsweg ausgeschlossen)

Für die Objektivität der verlinkten Comics kann keine Garantie übernommen werden.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 08.06.2018 - 13:58
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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