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Specials Eventspecials Comic-Salon Erlangen 2018

80 Jahre Spirou – Zeit für eine „deutsche“ Ausgabe!
Spirou ist eine der bekanntesten und berühmtesten Figuren der frankobelgischen Comics und muss hier sicher nicht mehr vorgestellt werden. Das aktuelle Autorenteam der Serie sind Yoann und Fabien Vehlmann, und Yoann war dieses Jahr zu Gast auf dem Comicsalon. Für ihn ist es eine ganz besondere Ehre, Spirou zu zeichnen. Die Zusammenarbeit mit Vehlmann funktioniert sehr gut und reibungslos, erzählte er. Der Verlag Dupuis übt allerdings eine starke Kontrolle über die Serie aus, da Spirou so eine wichtige Figur ist. Yoann schickt für jedes Album erst das Storyboard zur Freigabe an den Verlag, dann das grobe Pencelling, dann das Inking, und jedes Mal muss er seine Arbeit von Dupuis freigeben lassen. Diese vielen Schritte erschienen ihm zunächst lustig, arten aber in viel Arbeit aus, wie er sagt. Nun, nach einigen fertigen Alben, verläuft die Zusammenarbeit allerdings schon reibungsloser.

Bei Dupuis kam irgendwann die Überlegung auf, wie es mit Spirou weitergehen soll, und bei der Überlegung, wo Spirou bislang noch kein Abenteuer erlebt hat, kam man auf Deutschland. Da der Carlsen Verlag ein Partner von Dupuis ist, wurde er kontaktiert. Der deutsche Redakteur fand die Idee gut unter der Voraussetzung, dass ein deutscher Künstler beteiligt sein würde, und sprach den hier auch sehr bekannten Comiczeichner Flix an, ob er Interesse an dem Projekt hätte. Flix hat sofort zugesagt, obwohl noch gar nicht klar war, was seine Aufgabe in dem Projekt sein würde, aber mittlerweile ist klar, dass Flix selbst diese Ausgabe geschrieben und gezeichnet hat. Sie wird am 31. Juli dieses Jahres erscheinen und Flix ist selbst auch sehr glücklich, diese einmalige Gelegenheit angeboten bekommen zu haben - immerhin ist er der erste Nicht-Frankophone, der eine Spirou-Geschichte zeichnen darf! Allerdings musste auch er im Prozess der Erstellung des Comics diverse Freigabeprozesse durchlaufen.

Flix durfte auch einen kurzen Ausblick auf die Story geben: Spirou und Fantasio besuchen mal wieder Graf Rummelsdorf. Dieser hat eine Einladung nach Ostberlin erhalten, wo er die Gelegenheit hätte, einen seltenen Pilz zu begutachten. Während der Graf der Einladung nicht folgen möchte, ist Fantasio interessiert und möchte gern nach Ostberlin. Er will versuchen, den Grafen von der Reise zu überzeugen, aber als sie wieder zu ihm wollen, scheint der Graf entführt worden zu sein! Die erste Spur führt nach Ostberlin…

Flix gibt uns außerdem einen Einblick in den Prozess, wie er einen Comic macht. In diesem Band versuchte er, sehr viele Anspielungen auf die deutsche Geschichte einzubauen, aber generell liegt ihm eine gute Story besonders am Herzen. Er möchte Comics machen für Leute die keine Comics lesen, also solche Comics, die jeder lesen kann. Wenn er eine Geschichte schreibt, geht es ihm zunächst um die Story an sich. Sobald diese steht, fängt er an Easter Eggs einzubauen. Wenn man sie erkennt, hat man mehr Spaß am Comic, aber er funktioniert auch so genau so gut. Er ließ viele historische und ostdeutsche Elemente in den Comics einfließen, aber auch einige persönliche (so sind Skulpturen seiner Mutter im Comic zu sehen). In erster Linie sieht er sich als Geschichtenerzähler, „die Geschichte ist Geschichte und der Rest ist Ausschmückung“. Er möchte nicht nur für den harten Kern Comics machen, die sonst niemand versteht.

Wie sieht es eigentlich mit dem Stil aus? Gibt es da auch Vorgaben von Verlagsseite? Die Mission für Yoann war, einen eigenen Stil hereinzubringen, allerdings wollten die Editoren dass er sich am klassischen Stil orientiert. Da Yoann sowieso ein Franquin-Fan ist, war es für ihn natürlich, sich an dessen Stil zu orientieren. Spirou ist ein sehr menschlicher Charakter, findet Yoann. Diesen Charakter, sowie den Humor der Serie, wollten sie beibehalten, weil sie das Herz der Serie ausmachen. Der Stil der Zeichnungen sei dann nur noch „kosmetisch“.

Das „deutsche“ Album von Flix ist nicht Teil der klassischen Hauptserie, sondern ein Einzelabenteuer, in der er auch seinen eigenen Stil zeigen konnte. Flix ist froh darüber, arbeiten zu können wie er es sich vorgestellt hat. Zum Thema Seitenlayouts und Panelaufteilung sagt er, dass er die Leser mit auf eine Reise nehmen will, wie sie sie noch nie hatten, und er findet es spannend wenn man die Leser beispielsweise anders über die Seite führt, als man es normalerweise erwarten würde. Das muss natürlich zur Handlung passen, und idealerweise muss es so gut funktionieren dass man gar nicht merkt, wenn man gegen die normale Richtung liest. Der später folgende Aha-Moment erfreut die Leser, und Flix glaubt, dass die Leser in der Hinsicht viel klüger sind als man manchmal denkt. Wenn er merkt, dass er wilde Action nicht vernünftig dargestellt kriegt, macht er es eben grafisch!

Eine Frage, die in den letzten Jahrzenten die Leser von Spirou und Fantasio beschäftigt hat, wurde im Gespräch auch geklärt, nämlich: Was ist eigentlich mit dem beliebten Dschungeltier und Hauptcharakter Marsupilami passiert, warum war es so lange plötzlich nicht mehr Teil der Serie? Hier sei nur so viel zusammengefasst: Franquin, der Erfinder des Marsupilamis, hatte irgendwann dessen Rechte verkauft, so dass Dupuis es nicht mehr benutzen durfte. Erst seit kurzem sind die Rechte zwar nicht wieder bei Dupuis, aber sie dürfen es zumindest wieder benutzen – vorausgesetzt, es erhält einen hohen Stellenwert in der Geschichte.

Yoann hat seine eigene Version vom Marsupilami gemacht. Bei ihm ist es ein Tier aus dem Dschungel und kein „Teddy“. Er wollte sich eher vom Alien als von Disney inspirieren lassen. Als das Marsupilami von Spirou und Fantasio wiedergefunden wird, ist es wütend weil es sich von ihnen verlassen fühlt. Es gibt also kein knuddeliges Wiedersehen.

Für Flix wäre es eine Riesenfreude, das Marsupilami zu zeichnen. Aber er fand, dass es dann zu sehr im Vordergrund stehen würde, und er fand es auch nicht einfach, es glaubhaft in die Story einzubauen. Es hätte nicht in die reale Bedrohung der Stasi gepasst, es wäre der „falsche Ton“ – darum ist er nun am Ende froh, dass es nicht in der Story auftaucht, obwohl er es natürlich geliebt hätte, es zu zeichnen.

Wird Spirou in Zukunft anders konzipiert sein? Es gibt nun so viele unterschiedliche Ausgaben und auch Versionen von Spirou, dass die Leser langsam nicht mehr wissen, wer der „echte“ Spirou ist. Bei Dupuis gibt es 6 Editoren und jeder davon will seinen „eigenen“ Spirou machen. Für Yoann und Vehlmann begann es zum Problem zu werden, dass separate Spiroualben plötzlich im gleichen Zusammenhang spielten wie eine ihrer eigenen geplanten Storys. Sie hatten aber einmal einen „Superheldenspirou“ für das Magazin erfunden (für ein paar Seiten), und dieser war sehr beliebt. Für die jungen Leser war es super, und sie wurden gebeten, mehr davon zu machen.

Aus dem Grund werden Yoann und Vehlmann vorerst eine Pause mit den normalen Alben machen und ein paar Ausgaben für die Superheldenvariante machen. Auch Dupuis ist sehr erfreut und lässt ihnen dabei sehr freie Hand. Es handelt sich um „SuperGroom“!

Ehrlich gesagt, für mich sieht die SuperGroom-Figur aus wie eine Verschmelzung von Spirou und Deadpool – aber gelesen habe ich es noch nicht. Jede Menge neue Eindrücke, die uns hier noch erwarten!



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 08.06.2018 - 13:57
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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