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Journalisten als Superhelden. Eine kurze Übersicht.
Was wollen alle Superhelden einmal werden, wenn sie groß sind? Ganz klar, Reporter! In der (Super-)Heldenszene scheint es schon fast zum guten Ton zu gehören, als Journalist zu arbeiten. Kurze Schlaglichter darauf zu werfen, woran das liegt, wie weit das Phänomen tatsächlich verbreitet ist und wann es damit losging, war Inhalt des lockeren Vortrags mit dem selbstproklamierten Journalisten ohne Superkräfte, Heiner Heinzelmann.

Beispiele für heldenhafte Reporter fallen dem Publikum auf Anhieb gleich einige ein: Clark Kent (Superman) natürlich, Peter Parker (Spiderman), Fantasio, Tim (und Struppi), aber auch Baby Schimmerlos (von Kir Royal), Karla Kolumna (von Benjamin Blümchen), sowie sogar „echte“ zu Helden gewordene Journalisten wie Bob Woodward und Carl Bernstein (Watergate-Aufdecker). Aber wie wurde der Journalist zum Held?

Journalisten bzw. Reporter treten in Printmedien zur Wende des 18./19. Jahrhunderts auf den Plan, aber den frühen Journalisten wurde grundsätzlich misstraut. Man sah sie noch nicht als Vertreter der Öffentlichkeit und Streiter für die Offenlegung von Information und Wahrheiten, sondern vor allem als Ausbeuter, die nur auf Schlagzeilen aus sind und damit ihr Geld machen. Sozial waren sie schlecht angesehen. Das änderte sich erst im Lauf des 19. Jahrhunderts.

Die erste Reporter-Heldin der Comicgeschichte war – nicht Lois Lane, sondern ab 1927 Jane Arden, die Archetypin der Aufklärungsjournalistin. Sie wurde von einer lustigen Figur zur Kriminaljournalistin, die sogar manchmal in realen Fällen recherchierte. Dann kamen Tim (und Struppi). Wenn man es allerdings genau nimmt, ist Tim eigentlich nur ein Abenteurer, der nie wirklich als Journalist arbeitet. Der Reporter scheint ein Traumberuf zu sein, in dem man vor allem viel herumkommt und Abenteuer erlebt.

Superman hingegen ist nicht, sondern wird erst zum Reporter. Warum? Weil er derjenige ist, der zufällig immer dann passend vor Ort ist um über das Auftauchen von Superman zu berichten. Ganz ähnlich ist später die Spinne Peter Parker an seinen Job als Fotoreporter gekommen! Außerdem ist es normal, dass die Presse vor Ort ist wenn etwas passiert, so fällt es als Superheld leichter, die eigene Geheimidentität zu wahren. Fantasio tritt wieder eine Weile später auf die Bildfläche. Im Gegensatz zu Tim führt er tatsächlich auch journalistische Arbeiten aus.

Der Vollständigkeit halber muss man allerdings auch darauf hinweisen, dass nicht alle Reporter, die in Comics auftreten, die Heldenrolle einnehmen, sondern oft auch als Parodien fungieren. Beispiele hierfür sind im Asterixband „Der Paryrus des Cäsar“ zu finden, in dem ein Kolporteur auftritt. Auch die komplette Familie Duck versucht sich seinerzeit als Reporter. Und in der Lucky Luke Folge „Daily Star“ wird ein realer Konflikt zweier Zeitungsmogule behandelt.

Abschließend erfolgte im Vortrag noch ein kleiner Exkurs ins hochaktuelle Thema des Comicjournalismus. Da wir diesen aber an anderer Stelle deutlich ausführlicher behandeln, spare ich mir die kurze Wiedergabe und verweise auf den Filmmitschnitt bzw. unsere anderen Artikel. Und füge stattdessen eine spontan aus dem Ärmel geschüttelte und wunderbar passende Weisheit zum Sonntag, zum Journalismus und zum Comic schlechthin an. Bereit?

Wer das Wort nicht ehrt, ist der Sprechblase nicht wert.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 03.06.2018 - 07:12
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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