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Specials Eventspecials Comic-Salon Erlangen 2018

Von Reportern, Raketen und rauchenden Colts – wenig Bekanntes zu frühen Strips in deutschsprachiger Presse
Einen wenig bekannten Fakt über deutsche Comics hat Heiner Jahnke in einer Präsentation beleuchtet: Deutsche Comics gab es schon früh in diversen Zeitschriften, und waren damals deutlich breiter in der Presse vertreten als heutzutage! Hier gibt es eine kleine und ungeordnete Übersicht, übrigens den 2. Teil – der erste Teil der Präsentation lief bereits auf dem Comicsalon 2012.

Ein frühes Beispiel von deutschen Comicstrips in der Presse aus den 50er Jahren ist zum Beispiel „Oskar der freundliche Polizist“. Vor allem in den 70ern sind Comics auch in Illustrierten wie etwa der Fernsehwoche vertreten, als Beispiel zeigte Jahnke „Bargeld, Betten und Brillanten“ aus der Nick Knatterton-Serie und erläuterte gleichzeitig, dass viele Strips nicht zur weiteren Verbreitung nachgedruckt wurden, so dass es heute ausgesprochen schwierig sein kann, an diese frühen Exemplare zu kommen – vor allem, da Illustrierte oder Fernsehzeitschriften in der Regel ja nicht archiviert wurden.

Comics erschienen auch in sogenannten Herrenmagazinen, wie etwa in der „Capriccio“, in der der Strip „Susi“ abgedruckt wurde (die regelmäßig aus begründeten oder unbegründeten Anlässen ihre Kleidung verloren hat). „Ciscos Abenteuer“ liefen im „Feigenblatt“ oder in „Paprika. Humor starkt gewürzt“. Auch in der Zeitschrift „Schwarzer Pirat“ wurden ähnliche Strips gedruckt.

Fotocomics waren vor allem in den 70ern sehr verbreitet, zum Beispiel in der Zeitschrift „Goldenes Blatt“, in der die Serie „Feuerzeichen um Isabelle“ lief. Auch zu bekannten Fernsehserien wie Raumschiff Enterprise wurden Fotocomics gedruckt, etwa in der Fernseh-Illustrierten „Gong“.

Comics wurden dann zunehmend ein Thema in Romanheften, z.B. „KING der Grenzreiter“, der in Kelter Wildwestromanen abgedruckt wurde, oder „Cheyenne Kid“ in Westernstar. Teilweise wurden diese Hefte ab der Zeit sogar schon auf dem Cover als Comicheft beworben, zum Beispiel bei „Crime. Das gute Kriminalmagazin“. Was für Wildwest funktioniert hat, konnte genauso bei Science Fiction Romanheften funktionieren, so lief zum Beispiel der Comic „Flash Gordon“ unter anderem Titel als „Marc Powers“. Im „Utopia Zukunftsroman“ findet sich bereits ein „Fix und Foxi“ Strip.

Auch in den unterschiedlichen Versuchen der Etablierung eines Kinder-Fernsehmagazins fanden sich Comics, zum Beispiel in „Tele-max“, und ebenso in der Rätselzeitschrift „Rate mal“, hier nämlich „Karlchens Kladde“, oder auch der Comic „Tom und Tinchen“ im „Kniffel“.

Selbst in aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlichen Plätzen für Comics fanden sich Strips, zum Beispiel in der Garten-Zeitung von dieflora, „Aus dem Alltag eines Gartencenters“, in der MiniMAL miniPOST als „mini comic“ oder sogar „Lupo“ im Wienerwaldmagazin von 1971. Weg von der Presse, aber trotzdem außerhalb des eigentlichen Verbreitungsgebiets, finden sich sogar Comicstrips auf dem Deckel von Malblöcken sowie im Innendeckel, zum Beispiel ein Daniel Düsentrieb-Werbecomic für Schulfüller – aus eigener Erfahrung kann ich belegen, dass das auch in den 80ern noch der Fall war ;-)

Am Ende wurde noch einmal kurz zurück auf den eingangs erwähnten Teil 1 verwiesen: Für kurze Zeit ist früher sogar „Little Nemo“ als deutscher Strip erschienen. Auch die frühen Anfänge von Micky Mouse hat Spuren in der deutschsprachigen Presse hinterlassen, allerdings zunächst komplett ohne Text, da die Sprechblasen einfach weggelassen wurden. Später erkennt man zwar schon Sprechblasen in den Strips, aus denen trotzdem der Text gelöscht worden war, und erst im Lauf der Zeit ist der Text dann übernommen und übersetzt worden. Damals war Micky Mouse allerdings noch deutlich actionreicher und anarchischer als später. Seine zunehmende Bekanntheit zeigt sich dann auch darin, dass Micky Mouse auch zum Beispiel für Schülerzeitungen adaptiert und nachgezeichnet wurde.

In Zeitungen der 50er-70er gab es teilweise auch eine komplette Zeitungsseite mit einem Comic oder mehreren Strips. 1954 gab es sogar Comics über die deutsche Fußballmannschaft. Weitere Comicstrips zu der Zeit liefen etwa im Tz Fernsehmagazin mit „Prinz Eisenherz“, die im Nachgang auch als Sammelmappen erschienen. Im Abendblatt gab es einen Comic über „Onkel Scrooge“, heute eher als Onkel Dagobert bekannt. Im „Onkel Kelle“, dem Kindermagazin für Versicherte der Deutschen Bahn (?), wurden auch kindliche Comics abgedruckt.

Zum Abschluss noch ein kurzer Verweis auf das eher unbekannte Genre des Sachcomics: Zum Beispiel wurden Strips abgedruckt in denen ein Weltstar Tipps zum besseren Tennisspielen gibt.

Bilder zu diesen ganzen Beispielen findet ihr in der Präsentation im Video!



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 03.06.2018 - 07:03
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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