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Eine Einführung in die türkische Comic-Landschaft
Es gibt tatsächlich eine Geschichte des türkischen Comics zu entdecken. Es gibt türkische Comics? Ja, durchaus! Und zwar im Prinzip seit ungefähr der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Trennung zwischen Religion und Staat fand in der Türkei ca. 1830 statt. Vor allem Frankreich beeinflusste den türkischen Comic stark, die Französische Revolution sowie die satirischen Zeitschriften. Als in Frankreich nach dem Fall der 2. Republik überraschend die Konservativen gewannen, weil die Schulen noch in den Händen der Kirche waren, hat man dort ab 1875 versucht, Intellektuelle und andere Leute über Zeichnungen zu erreichen, da zu der Zeit viele nicht schreiben konnten. Bereits 1877 gab es in Frankreich drei satirische Zeitschriften mit Hunderttausenden verkauften Exemplaren.

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Einfuehrung in die tuerkische Comic-Landschaft
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Einfuehrung in die tuerkische Comic-Landschaft

Zur gleichen Zeit gründeten Nisan G. Berberyan und Theodore Kasap die erste türkische satirische Zeitung, Diyojen ("Diogenes"). Beide haben zuvor auch in Frankreich gelebt. Vieles der französischen Kultur war in Istanbul so bekannt, dass es die dortige Zeitschriftenkultur stark beeinflusst hat. Diyojen wurde dann im immer autoritäreren Umfeld verboten, Kasap wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und ging danach ins Exil nach Frankreich. Das gleiche Schicksal ereilte auch andere satirische Zeitschriften in der Türkei. Die Zensur hat alles Satirische bis 1908 verhindert, bis die "Jungen Türken" an die Macht gekommen sind. Seitdem gibt es die Karikatur in der Türkei wieder. Hier sollen nun kurz ein paar wichtige Zeichner und ihre Werke vorgestellt werden:

Von 1922-77 gab es die Zeitschrift "Akbaba". Es ging um gesellschaftlichen Themen, weg von Geschichte und Osmanischem Reich. Es waren unter anderem sehr leicht bekleidete Frauen auf den Titelbildern.

Die Zeitschrift "Dogan Kardes" wurde von einer Bank verlegt und erschien ab 1945.

Turhan Selcuk war ein Zeichner, der intelligente Zeichnungen machte und eine wichtige Figur erschuf, nämlich Abduljambas: Der starke Mann, mit großem Schnurrbart und Fez, der besonders starke Ohrfeigen verteilte. Außerdem konnte er durch die Zeit reisen und wurde vor allem in den 50-60ern viel gelesen.

Suat Yalaz, geboren 1932, erschuf die Figur "Karaoglan", in Frankreich "Kebir" genannt, und war sehr bekannt, auch in Frankreich. Karaoglan kämpft sich durch den gesamten osmanischen Einflussbereich. Ganz ähnlich ist die Figur "Tarkan", dessen Comics auch ins Deutsche übersetzt wurden.

Oguz Aral ist ein Zeichner von Girgir, einer sehr wichtigen Comiczeitschrift in der Türkei (bedeutet übersetzt Spaß). Sie ist weniger politisch als Akbaba, ein Bewunderer von MAD, (1952 in USA gegründet, war nicht direkt Comic sondern mehr politische Kommentare). Girgir verkaufte bis zu 500.000 Exemplare pro Woche und spielte immer wieder mit der Zensur. Beispielsweise ging es in den Comics um Kriege mit Marsianern, die eigentlich für die Kurden standen. Diese Geschichten feierten große Erfolge, weil es eigentlich um politische Themen ging.

Bülent Arabacioglu, geboren 1950, hat bei Girgir gearbeitet und die Figur Ridvan erschaffen.

Galip Tekin, geboren 1958, ist einer der wichtigsten Girgir-Zeichner und sowohl der türkischen als auch europäischen Maltradition verpflichtet.

Suat Gönülay, geboren 1965, und Tuncay Akgün, geboren 1962, spielten auch eine wichtige Rolle.

Aus Girgir haben sich später einige andere Zeitschriften entwickelt, wie etwa Limon, Leman, und L Manyak. Sie alle zielen auf politische Ereignisse ab, vor allem auf die Politik in Istanbul. Auch Erdogan taucht auf den Titelbildern auf: Z.B. wird er gezeigt wie er versucht den Twittervogel wegzupusten, oder wie er mit seinem Sohn wegen dessen finanziellen Verstrickungen telefoniert…

Tuncay Akgün, geboren 1962, war Zeichner bei Harakiri, eines Vorfahren von Charlie Hebdo, aber die Zeitung wurde nach der 3. Ausgabe wegen Obszönität verboten.

Ramize Erer, geboren 1963, hat eine Zeitschrift nur für Frauen herausgegeben.

Kemal Aratan, geboren 1965, hat zusammen mit Tuncay Akgün eine Ausstellung zum osmanischen Reich hier in Erlangen.

MK Perker, geboren 1972, ist nach dem Verbot der Zeitschrift Harakiri in die USA ausgewandert und zeichnet dort für den New Yorker und Rolling Stones.

Eine weitere wichtige türkische Comic-Zeitschrift ist "Uykusuz", sie ist weniger literarisch und politsch als Leman. Der Name bedeutet "schlaflos", damit man wach gegenüber den Sachen bleibt die sich politisch in der Türkei abspielen.

Weitere wichtige türkischen Comiczeichner sind Ersin Karabulut, geboren 1981, Memo Tembelcizer, geboren 1972, Yilmaz Aslantürk, geboren 1972, der die Figur Otisabi erfunden hat, Bahadir Baruter, geboren 1972, der eine Bewährungsstrafe von 11 Monaten bekommen hat, weil er Erdogan mehrfach so gezeichnet hat, dass dessen Klamotten ein Zeichen für Homosexualität gebildet haben, Cem Ösüturu, der ein türkisches Walking Dead gezeichnet hat, sowie Yalin Alpay und Devrim Kunter.

Einige dieser Zeichner sind auf dem Comicsalon auf der sehr sehenswerten Ausstellung "Istanbulles" vertreten.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 09.06.2016 - 00:21
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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