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Stereotype über andere Kulturen in Comics
"In Comics wimmelt es seit jeher von Stereotypen", so die schriftliche Anmoderation dieses Vortrags des Wahlberliners Matthias Harbeck, und das ist uns natürlich vollkommen klar und bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung. Es ist aber ein spannendes Thema, und deshalb gebe ich hier gerne ein paar Kernpunkte des unterhaltsamen Vortrags wieder:

Stereotype dienen erstmal der Abgrenzung von anderen bzw. von sich selbst und werden unterteilt in Heterotype (Stereotype von den anderen) und Autotype (von sich selbst). Ganz stark verbreitet sind Stereotype von anderen Kulturen in Kriegspropaganda, um Feindbilder zu bedienen oder zu forcieren. Zur Zeit des 2. Weltkrieges werden sie auch verstärkt in Comics zur Dämonisierung oder Bestialisierung von Antagonisten genutzt. In amerikanischen Comics kam zum Beispiel die Figur des bösen Deutschen vor: Während er zur Zeit des 1. Weltkrieges immer mit Pickelhaube dargestellt wurde, hat er zur Zeit des 2. Weltkrieges meist eine Glatze und ein Monokel. In Franquins "QRN sur Bretzelburg" von 1966 taucht das Stereotyp des "mad scientist" auf, der gleichzeitig einige Merkmale von "deutschen" Stereotypen in sich vereint. Sie werden also auch humoristisch genutzt:

Bei Asterix bei den Goten werden auch Stereotype angewandt, die zwar ein bisschen herabsetzend wirken, aber kein Gegnerbild provozieren. Einen Paradigmenwechsel hat in der Hinsicht der Comic "Air #1" von Wilson&Pekker vollbracht, in dem der (Quoten-)Deutsche kein Terrorist, kein Gegner, sondern einfach nur ein Betrunkener ist. Trotzdem können Stereotype beim kleinsten Anlass sofort reaktiviert werden, man denke nur an "Hitler-Merkel" oder Merkel als Terminator.

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Andere Stereotype im Comic tauchen zum Beispiel bei Tim und Struppi auf, im dafür viel kritisierten Band "Tim im Kongo" von 1930. Hergé zeigt die Kongolesen dort als deutlich weniger zivil als Tim und die anderen Weißen; Tim wird von halbnackten, speerschüttelnden Kriegern wie ein ausländischer Staatsgast empfangen, Tim zeigt ihnen, wie man die kaputte Bahn reparieren kann (allerdings als einziger ohne mitzuhelfen), und nach seiner Abreise werden er und Struppi von den Kongolesen wie Götter verehrt. Dieses Stereotyp von der "afrikanischen Wildheit" hält sich hartnäckig. Im Superman von 2009 kommt es ebenso vor wie in Captain America / Black Panther: Flags of our fathers, in der eine uns technisch überlegene afrikanische Zivilisation gezeigt wird, die trotzdem noch halbnackt und fellbehangen umherläuft. Und auch in Miss Fury #1 wird mit Afrika in erster Linie eine Mystik und Wildheit verbunden, die man in Amerika nicht suchen würde.

">Überhaupt, kritisiert Matthias Harbeck zum Abschluss, ist unsere eigene Afrika-Wahrnehmung nur "eine Sauce", da wir normalerweise prinzipiell gar keine Differenzierung zwischen den afrikanischen Staaten machen und alles, was aus irgendeinem Teil von Afrika kommt, sofort "afrikanisiert" wird. Parallel regen wir uns alle auf, wenn das Bild von Deutschland im Ausland hauptsächlich mit Lederhosen in Verbindung gebracht wird.

Ein ganz interessanter Gedanke zum selbst zuende denken: Stereotype und Schubladendenken, so weiß die Wissenschaft, sollen dem Menschen das Leben eigentlich erleichtern. Schnellere Entscheidungen treffen, Ereignisse kategorisieren, all das klappt mithilfe von Stereotypen deutlich schneller und spart Energie ein, die man sonst für die grauen Zellen verheizen müsste. Heutzutage, argumentiert Harbeck, sind sie für das soziale Zusammenleben eher schlecht, da, global betrachtet, sogar die komplette Weltwirtschaft unter den jeweiligen Stereotypen leidet. Vielleicht ganz ähnlich unserer steinzeitlichen Fähigkeit, jedes leckere Lebensmittel unmittelbar in Hüftspeck umzuwandeln. Merke: Es ist Zeit, sich weiterzuentwickeln und den Hüftspeck an die grauen Zellen zu verfüttern.

Alle paar Jahrtausende macht die Evolution einen Sprung nach vorne…



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 03.06.2016 - 08:21
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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