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Experimentierfelder für junge Autoren

Jung, willig, begabt sucht… Möglichkeiten für junge Comickünstler! Welche Chancen und Herausforderungen gibt es für junge Talente auf dem hiesigen Comicmarkt? Lars von Törne versucht im Gespräch mit Hendrik Dorgathen (Kunsthochschule Kassel), Rita Fürstenau (Rotopol), Sascha Hommer (u.a. Comic-Zeichner und Herausgeber) und Annette Köhn (Jaja Verlag), Möglichkeiten für junge Comickünstler aufzuzeigen um Erfahrungen zu sammeln und eigene Werke zu veröffentlichen. Viele Verlage orientieren sich zunehmend in Richtung Buchhandel, konzentrieren sich dabei auf finanziell erfolgversprechende Formate wie etwa Graphic Novels, und erschweren es dadurch Nachwuchskünstlern und kleineren Projekten, veröffentlicht zu werden.

Reprodukt hat darum ein Experiment gestartet, bei dem Sascha Hommer einer der Betreuer dieser Plattform für junge Talente ist. Sie wurde ohne wirtschaftliche Erwartungen geschaffen und hat ein ambivalentes Logo: Das Wort Reprodukt ist durchgebrochen, kann aber auch mit der Bedeutung „um die Ecke“ oder wie ein aufgeklapptes Buch gedeutet werden. Von Törne richtete sich mit der Frage an Sascha Hommer, der selbst auch schon viele Projekte betreut, herausgegeben und selbst gezeichnet hat: Warum musste einen neue Plattform geschaffen werden? Aus Sicht des Verlages (und der Comicschaffenden) ist das Buchhandelsformat, z.B. Graphic Novels die vor allem besonders dick und umfangreich sind, sehr schwierig um Anfänger zu bedienen.  Direkt nach der Uni gleich vier Jahre für so ein Buch dranzugeben ist für viele Künstler gar nicht machbar.

Ein Verlag ist ja auch immer irgendwie in Veränderung. Viele Comiczeichner sind bislang gar nicht auf die Idee gekommen, sich bei Reprodukt zu bewerben, weil sie das Gefühl hatten, dass es vom Format gar nicht zu ihnen passt. Um dem entgegen zu steuern, und den Marktdruck zu mildern, wurde diese neue Reihe geschaffen. Sie soll dem Verlag also nicht zum Geldverdienen dienen, sondern jungen Talenten als Plattform und um sich auszuprobieren. Die dort angesiedelten Veröffentlichungen haben einen Umfang von 28-64 Seiten. Es gibt bei Reproduct aber parallel noch andere Reihen/Ideen/kürzere Geschichten.

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Haus der jungen Talente
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Anette Köhn vom Jaja Verlag sieht sich nicht als Reprodukts Konkurrentin, obwohl der Jaja Verlag auch viele tatsächlich kleine Bücher/Comics rausbringt. Sie findet, dass so kleine Ausgaben den Comic voran bringen, weil die Büchlein auch günstiger sind, sich mehr Leute sie leisten und damit die Comics weiter verbreiten. Im Jaja Verlag gibt es auch viele Abschlussarbeiten und Neulinge. Das hat sich so ergeben, weil bei der Verlagsgründung viele auf sie zugekommen sind mit ihren alten Arbeiten, die auch noch nicht zum Geldverdienen gedacht waren. Insgesamt hat der Verlag ca. 20 Abschlussarbeiten im Programm. Anette Köhn vertritt die These dass man nicht perfekt zeichnen muss, es kommt nicht auf Naturalismus an, sondern darauf „mit wenigen Strichen viel rüber zu bringen“. Und wenn ihr der Strich gefällt, liest sie auch die Geschichte. Der Zeichenstil ist ihr viel wichtiger als die Story. Der Comic „Tobisch“ zum Beispiel ist total aufwendig gemacht.

Rotopolpress haben Rita Fürstenau, Lisa Röper und Michael Meier noch während ihres Illustrationsstudiums gegründet, mit dem Fokus auf Illustration, Comic, Kunst und Kinderbuch. Sie hatten das Gefühl, dass es niemanden gab der ihre Arbeiten angenommen hätte, also haben sie den Verlag gegründet um sich selbst eine Plattform fürs graphische Erzählen zu schaffen. Dabei ist der Verlag das Kernstück des Unternehmens, und weiterhin gibt es noch Ausstellungen und Workshops etc… Ihre Veröffentlichungen im Buchmarkt unterzubringen ist allerdings schon eine ziemliche Anstrengung. Es gibt ein paar Läden die ähnliche Interessen haben, aber der klassische Buchhandel findet das zu speziell, zu „zwischen den Stühlen“ angesiedelt. Sie sind aber viel auf Festivals unterwegs und arbeiten mit Händlern mit Design-Interesse. Der Verlag wurde vor über 9 Jahren gegründet, und in der Zwischenzeit sind viel mehr Sachen dazu gekommen und es hat sich mehr Vielfalt entwickelt.

Hendrik Dorgathen macht Comics wie z.B. „Spacedog“ und ist seit 2003 Dozent. Er findet nicht, dass Nachwuchskünstler es schwerer haben als vorher, sie haben es nur aus anderen Gründen schwer. Er wünscht sich mehr Verlage die sich dem Thema widmen, mit Verlegern, die die Bezeichnung Verleger auch verdienen (und auch gegen wirtschaftliche Gründe entscheiden). Aber es geht eben langsamer als die Szene sich das gedacht hatte. Hendrik Dorgathen bringt auch die Zeitschrift Triebwerk heraus. Viele der Geschichten entstehen unabhängig von den Seminaren, viele Kurzgeschichten… Er empfiehlt Studenten, sich erstmal ein Exposé ihres Comics zu machen und zu gucken wo ihr Potenzial liegt, bevor sie sich zur Prüfung anmelden. Die Aufnahmeprüfung für das Studium sieht er wie eine Art Schwangerschaftstest. Denjenigen die „schwanger“ sind, hilft die Uni, das Kind auf die Welt zu bringen. Das sind in der Regel auch diejenigen, die schon irgendwie wissen, was sie eigentlich wollen.

Sascha Hommer hat immer schon kuratorisch gearbeitet, noch bevor er eigene Comics gemacht hat. Er wünscht sich viele Bewerbungen für Reprodukts neue Reihe, und möchte gerne einfach darauf angesprochen werden. Er möchte dass Vielfalt entsteht und dass sich, wie damals der Graphic Novel plötzlich viele angesprochen hat, neue Formate entwickeln.

Schließlich ging man noch kurz auf die Online-Thematik ein. Gucken die Verlage danach was online läuft, oder wollen sie nichts damit zu tun haben? Der Jaja Verlag liebt Papier und Bücher, glaubt aber, dass es gut ist, sich online eine Fanbase aufzubauen und sich bekannter zu machen. Rita Fürstenau hat nichts in Verbindung mit online-Comics in Arbeit, denn das gedruckte Buch steht bei Rotopol im Vordergrund, aber sie hält es für eine gute Möglichkeit um gedruckte Arbeiten zu ergänzen oder zu kombinieren. Hendrik Dorgathen macht an der Hochschule Kassel nicht viel online, sagt aber, dass die meisten der Studenten ohnehin schon alle Blogs haben. Er guckt da eher nach wie der Stand der Dinge mit einem Projekt ist und vergleicht Blogs mit dem Telefon früher, als es Leute gab, die noch kein Telefon hatten. An der Hochschule selbst wird nichts in der Richtung vermittelt. Er selbst hat erst seit diesem Jahr ein Blog, Facebook hingegen ist ihm ein Graus. Übrigens, ist man sich einig, sei die Annahme falsch, dass alles was schon online ist, sich nicht mehr verkaufen lässt. Im Englischen Raum sei das schon bekannt…

Tja. Sind wir jetzt schlauer als vorher? Ein bisschen vielleicht. Immerhin gut zu wissen, dass es noch Verlage und Verleger gibt, die Comics der Kunst wegen verlegenswert finden.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 03.06.2016 - 08:09
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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