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Alles so schön bunt hier: Die koreanische Comic-Szene

Die koreanische Comic-Szene ist hierzulande ja eher weniger bekannt. Aus genau dem Grund hat die Komacon, die ‚Korea Manhwa Contents Agency‘, zweimonatige Stipendien ausgelobt: Damit haben sie ausländische Comiczeichner nach Korea eingeladen, um die koreanische Comickultur danach in die große weite Welt hinauszutragen. Inga Steinmetz, („Alpha Girl“, Tokyopop) hat es mit ihrer Bewerbung geschafft, dazuzugehören. Man musste beschreiben, welches Projekt man in Korea bearbeiten will, und ihr Projekt war, Kurzcomics darüber zu machen, wie ihr Maskottchen Korea erlebt. Daraus ist im Nachhinein ein kleiner Comic entstanden, in den Inga Steinmetz allerdings nicht alles eingebaut hat, was sie in Korea erlebt hat. Die Politik spielt in ihrem Comic zum Beispiel keine Rolle. Und wo wir grad dabei sind: Alles in diesem Artikel bezieht sich ausschließlich auf Südkorea.

Weil es hier aber nicht um Politik, sondern um Comics geht, hat Inga Steinmetz uns einen kleinen Überblick über die koreanische Comicszene gegeben und welche Möglichkeiten dort gegeben sind, wenn man Comiczeichner werden will.

Als Kind ist man in Korea ziemlich gefordert. Die meisten wohnen in recht anonym anmutenden Wohntürmen, spielen ein Instrument, und alle haben hohe Ansprüche an die Schulnoten. Auch wenn man Comiczeichner werden will, muss man in der Schule perfekt sein. Die Kinder sind sehr lange recht behütet und wohnen lange bei den Eltern. Durchaus auch noch mit 30 Jahren, einige bis sie heiraten. Das liegt aber am großen Familienzusammenhalt und ist absolut normal dort.

In koreanischen Buchhandlungen gibt es generell mehr Comics als hierzulande, und es gibt ganz auf Comics spezialisierte Buchhandlungen. Auch in einigen Künstlervierteln sieht man viele an Wände gemalte Comics. In Korea werden auch viele japanische Comics veröffentlicht (übrigens sind nur japanische Comics Mangas, die koreanischen nicht, und das hören die Koreaner auch nicht gerne). Es gibt auch viele Veröffentlichungen aus Frankreich, während aus Amerika allerdings nicht so viele vertreten sind.

Außerdem gibt es das Korean Manwha Museum. Es steht in Bucheon, einem Stadtteil von Seoul. Es ist auffallend kindgerecht gehalten und beherbergt neben einer sehr großen Comicbibliothek wechselnde Ausstellungen sowie eine feste zum Thema „100 Jahre Koreanischer Comic“. Auch die Koreaner haben sich mit Zeitungsstrips an das Thema herangetastet, aber ob sie tatsächlich schon 100 Jahre Comicgeschichte vorweisen können, war sich Inga Steinmetz nicht so sicher.

Comics hatten in Korea eine Zeitlang ein sehr schlechtes Ansehen, sie wurden als eines der sechs großen Übel in der koreanischen Kultur bezeichnet. Später wurden Comics rehabilitiert, so dass sie mittlerweile wieder salonfähig sind.

Koreanische Zeichner haben sich stark von japanischen Mangas beeinflussen lassen, die Charaktere sind auch blass und haben große Augen. Ein auffälliger Cut zur Realität; vielleicht aus Gründen der Realitätsflucht. Ein weiteres Merkmal koreanischer Comics ist der Hand zur Personifizierung. Im Comic „The Dieter“ (etwa „Der Diäter“) werden z.B. Fettzellen und Muskeln sehr vermenschlicht dargestellt. Auch kommen in den Comics viele personifizierte Tiercharaktere vor.

In Korea werden viele Comics erst im Internet veröffentlicht. Sobald sie eine bestimmte Menge an Klicks und Likes angesammelt haben, werden Verlage aufmerksam und sprechen die Zeichner an. Comacon versucht an der Stelle einzugreifen und die Künstler über ihre Rechte zu informieren, damit sie sich nicht mit halbgaren Verträgen über den Tisch ziehen lassen.

Die Korean National University of arts liegt in Seoul einsam auf einem Berg. Drumrum gibt es Zäune und Wachhäuser – denn es handelt sich um das ehemalige Hauptquartier des Südkoreanischen Geheimdienstes: Ein kantiger Glaspalast, ziemlich kühl gehalten, aber die Professoren und Studenten geben sich Mühe, das Ganze mit Ausstellungen und angemalten Wänden aufzupeppen. Es ist DIE koreanische Kunstuni, hoch angesehen, und mit sehr vielen Fachrichtungen gesegnet, z.B. kann man dort eine Synkronsprecherausbildung machen.

Als Kunststudent in Seoul kann man außerdem von den ganz Großen lernen, nämlich im Künstlerviertel Insa-dong. Dort leben viele Künstler, alles ist voller Straßenkunst, und bekannte Comiczeichner haben dort ihre Ateliers und Zeichenschulen. Inga Steinmetz und die Truppe der Stipendiaten sind dort zufällig dem Manager des berühmten koreanischen Comiczeichners Kim Jun Gi über den Weg gelaufen, wurden in dessen Studio eingeladen, und sie alle bekamen ein Skizzenbuch geschenkt. Für Inga Steinmetz eine unvergessliche Erfahrung.

Ist man in Korea fertig mit seinem Kunststudium, kann man sich in ein Atelier einmieten. Dort sieht man auch mal Matratzen (der Deadlines wegen) und es gibt sogar Duschen in diesen Gebäuden. Man kann aber natürlich auch auf Conventions gehen, sich einen Tisch mieten und seine Comics und Merchandise verkaufen. Oder man geht ins Internet. Der koreanische Suchdienst Naver arbeitet eng mit der Comicwebsite Webtoons zusammen. Viele Verlage suchen dort nach Nachwuchs; einige der Künstler dort werden für die Sachen bezahlt die sie dort hochladen. Die präsentierten Comics sind nach Zielgruppen geordnet, und vor allem auf die „Wisch-Technik“ ausgerichtet. Sie sind eher senkrecht gestaltet und arbeiten viel mit weißen Räumen zwischen den Panels, um z.B. das Verstreichen von Zeit im Comic zu verdeutlichen.

Wer jetzt Interesse an koreanischen Comics verspürt, folgt Inga Steinmetz‘ Tipp und guckt sich unbedingt mal auf www.webtoons.com um.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 03.06.2016 - 08:08
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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