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Künstlergespräch: Yuuki Kodama

Yuuki Kodama, hier bekannt durch seine Manga-Serie „Blood Lad“, war zu Besuch beim Comicsalon Erlagen und sprach mit Gwyneth Minte von Tokyopop über seine Arbeit und sein Leben. Im Laufe dieses Gesprächs, was leider ein bisschen ohne roten Faden verlief, werden wir sehen, wie Kodama Mangaka wurde und inwiefern sich sein Tagesablauf deutlich von dem unterscheidet, was ich bisher immer für ein normales Arbeitspensum gehalten habe…

Kodama ist ein erfolgreicher Mangaka in Japan. Seit 2009 arbeitet er an „Blood Lad“, was auch als Anime verfilmt wurde. Nach 2013 ist er nun zum 2. Mal in Deutschland. Er liebt Deutschland und freut sich über die Einladung, sagte er. Er käme auch gerne wieder, wenn er eingeladen werden würde. Am besten in Deutschland hat ihm bisher das Miniatur-Wunderland in Hamburg gefallen, er war von den kriminellen Szenen darin begeistertGar nicht gefallen hat ihm, dass er an einem Abend von einem besoffenen Fahrradfahrer bis in die Hoteltür verfolgt wurde, die er glücklicherweise ganz knapp hinter sich schließen konnte. Bei seinem zweiten Besuch hier nimmt er Deutschland nicht anders wahr als vorher. In Japan gibt es diese Themenparks in denen deutsche Städte im Kleinen nachgebaut sind, und für ihn sieht es alles hier recht gleich aus aber er freut sich, es jetzt alles mal im Original sehen zu können.

Der aktuelle Band von Blood Lad ist Band 14, erschienen bei Tokyopop. Bald geht die Geschichte zu Ende, sagte Kodama, es ist für ihn schon in Sicht. In Japan muss er nur noch drei Bände zeichnen, dann ist er durch mit der Serie. Er freut sich aber schon darauf, danach wieder mit Tokyopop zu arbeiten.

Kodama hat mit 17/18 Jahren erst angefangen Manga zu zeichnen, und auch da erst noch hobbymäßig. Vorher hat er eigentlich nicht gezeichnet. Er war in einer Schule wo er Animation gelernt hat und es meist darum ging, 3-D-Modelle zu erstellen. Zeichnen gehörte nicht zur Ausbildung. Als er sich nach seinem Abschluss überlegen musste wo oder als was er arbeiten will, sah er nicht so große Chancen in der Animation und hat sich dazu entschieden lieber Mangaka zu werden. Er erzählte, dass er sich nirgends bewerben wollte  und während seiner Arbeitslosigkeit nur Mangas gezeichnet hat. Wenn er jetzt zurückdenkt bekommt er Gänsehaut wegen seiner damaligen Leichtsinnigkeit. Kodamans Vorbild war Dragonball. Er hatte einen professionellen Mangaka in der Nachbarschaft der ihm vorgeschlagen hat, bei ihm mal auszuhelfen. Hier kamen sehr viel Glück und Zufall zusammen, so dass er bei dem benachbarten Mangaka als Assistent anfangen konnte und dort überwiegend Hintergründe und Effektlinien gezeichnet hat. Auf diese Weise ist Kodama bewusst geworden, was es eigentlich genau heißt Manga zu zeichnen, denn er hatte sich das eigentlich anders vorgestellt.

Kodama hat ca eineinhalb Jahre als Assistent gearbeitet, also nicht besonders lange. Mit 21 oder 22 Jahren hat er seine erste eigene Serie gezeichnet, was durch eine Anfrage per Email ausgelöst wurde: Ihm wurde angeboten, sich für ein gemeinsames Werk mit jemand anderem zu bewerben indem er etwas einreicht. Das hat er getan, er wurde genommen und der Manga wurde in einem Magazin veröffentlicht.

Ein typischer Arbeitstag sieht für Kodama so aus: Um 11 Uhr morgens kommt sein Assistent zu ihm nach Hause und sie beginnen zu zeichnen. Von 17-19 Uhr macht er Pause und isst zu Abend, dann wird bis 23 Uhr weitergearbeitet. Und das jeden Tag, denn ein Wochenende gibt es bei Kodama nicht. Er findet es so aber nicht besonders anstrengend und er glaubt dass es entspannter ist als ein normaler Arbeitstag in Japan. Es macht ihm Spaß, aber manchmal hat er auch keine Lust. Er bereut jedenfalls nichts und findet, dass es auf jeden Fall die richtige Entscheidung war, Mangaka zu werden. Kodama hatte noch nicht die Situation, dass er Nächte durcharbeiten musste für Deadlines, meint aber dass es wohl dem zu verdanken ist dass er keine Wochenenden macht. In seiner Assistentenzeit musste der Zeichner immer durcharbeiten, was ihm eine Lehre war, es nicht so zu machen. Urlaub in dem Sinne gibt es wohl auch nicht so viel bei ihm, aber er empfindet seinen Besuch in Erlangen als Urlaub, ansonsten gibt es auch hin und wieder Kinobesuche…

Kodama zeichnet überwiegend analog, hat aber auch mit digital angefangen. Sein nächstes Werk will er komplett digital produzieren. Er trifft sich einmal im Monat mit seinem Redakteur zum Abendessen, ca. 3 Stunden, um die nächste Ausgabe zu besprechen (was aber nur ca. 5-10 Minuten dauert), und es ist selten dass die beiden sich so oft sehen wie hier auf dem Comicsalon, wo der Redakteur mit hingekommen ist. Ansonsten wird geskypt oder gemailt. Sein Redakteur sagte, dass er die Zusammenarbeit als gut empfinde, dass er sehr zufrieden sei (was solle er auch sonst hier sagen), aber dass er die Zeichnungen von Kodama immer pünktlich bekomme.

Seine Inspiration nimmt Kodama viel von Filmen, von denen er sich viele anschaut und nach interessanten Ideen sucht. Dass Blood Lad direkt so erfolgreich war als die Serie 2012 in Deutschland startete, konnte er nicht voraussehen aber er ist sehr froh darüber. Staz, die Hauptfigur von Blood Lad, die in der Serie in der Hölle lebt, ist Japan-Fan, und Kodama findet, dass ihn das mit ausländischen Lesern verbindet.

Meist kann Kodama sich fast gar nicht mehr daran erinnern, was er in der zurückliegenden Folge davor eigentlich alles gezeichnet hat, darum hat er manchmal Probleme bei Signierstunden, wenn Leute einen bestimmten Charakter aus einem Band haben wollen. Die Charaktere hat er natürlich im Kopf, aber wegen Kleinigkeiten muss er manchmal nachgucken. Im Design der Charaktere hatte er freie Hand und seine Regel ist, dass er nur Charaktere zeichnen will, bei denen er auch Spaß hat sie zu zeichnen.

Beim Anime zu Blood Lad war er sehr involviert, die Macher des Animes lieben die Serie, wollten sein Feedback haben haben ihn in das Projekt involviert. Es gibt ein paar Punkte wo er anderer Meinung ist und nicht komplett einverstanden ist damit, wie die Serie läuft, aber da muss er dem Regisseur auch seine Freiheiten lassen. Aber es war für Kodama eine gute und sehr wertvolle Erfahrung. Liz ist im Übrigen sein Lieblingscharakter, während Mamejirou meist das sagt, was Kodama selbst in der Situation sagen würde. Es gibt auch schon eine neue Serie an der Kodama arbeitet, und die Geschichte entsteht auch so langsam, aber sie sind erst noch in der Vorbereitungsphase.

Hobbys hat Kodama eigentlich keine. Er hat früher Tierfiguren gesammelt, das ist aber weniger geworden. Allerdings hat er sich ein Klapprad gekauft. Für die Zukunft hat er sich vorgenommen, auch wieder aktiv in der Animation zu arbeiten. Auf dem Comicsalon empfindet er es als sehr friedlich, er ist ganz entspannt und fühlt sich als wäre jeder Tag Sonntag. Er versteht zwar von den anderen Comics hier nichts, aber guckt sich die Zeichnungen an und möchte auch ein paar Comics kaufen. Außerdem möchte er auch gerne noch ins Spielzeugmuseum in Nürnberg. Und er möchte nochmal Currywurst essen, die hat er auch schon mal gegessen, und sein Übersetzer hatte ihm von einem Leberkäs-Brötchen erzählt, das möchte er auf jeden Fall auch probieren. Und er möchte gern weiter mit Tokyopop zusammen arbeiten. Das scheint übrigens auf Gegenseitigkeit zu beruhen… Hoffen wir, dass da weiterhin gute Comics bei entstehen!



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 02.06.2016 - 23:50
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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