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35 Jahre Edition Moderne (Comic-Förderung in der Schweiz)
atte jemand (also ich) geglaubt, in diesem Gespräch sowohl einen Überblick über die Edition Moderne als auch über die Comicszene der Schweiz im Allgemeinen zu bekommen, lag man eigentlich ziemlich daneben. Hingegen nahm der letzte Satz der Kurzbeschreibung der Veranstaltung, „Wie werden Comics in der Schweiz gefördert?“, den Löwenanteil in der Veranstaltung ein. Also gibt es hier nun einen kleinen Überblick darüber, wie die anwesenden Autoren / Zeichner Rina Jost, Barbara Schrag, Gregor Gilg und Reto Gloor an finanzielle Unterstützung für ihre aktuellen Comics gekommen sind, und inwieweit auch der Verleger David Basler und die Edition Moderne davon profitieren können.

Der 1981 gegründete schweizer Verlag Edition Moderne gibt sowohl übersetzte Comics aus dem Ausland heraus (arbeitet also mit Lizenzen) als auch schweizer Originalausgaben, die ca. 50 % aller Produkte ausmachen. Es liegt damit ein ziemlich hoher Anteil von Originalausgaben vor. Das liegt an der guten Comicförderung in der Schweiz, erklärt Basler, und gibt freimütig zu, vor allem schweizer Originalausgaben zu verlegen, da es nur für diese staatliche Förderung und Druckzuschüsse gibt (nicht aber für deutsche oder österreichische Autoren). Positiv betrachtet kann er es sich auf diese Weise leisten, Erstautoren herauszugeben, von denen zumindest wirtschaftlicher Erfolg möglicherweise nicht auf Anhieb zu erwarten ist.

Drei Comicprojekte und vor allem ihre Finanzierung wurden im Weiteren samt ihren Verfassern bzw. Zeichnern vorgestellt:

Rina Jost hat 2012 einen Abschluss in Illustration gemacht. Danach hat sie in Teilzeit gearbeitet,  war aber unzufrieden mit dieser Situation und hat daraufhin beschlossen zu Reisen, und zwar mit der Transsibirischen Eisenbahn. Sie hat unterwegs in ihr Skizzenbuch gezeichnet, der Comic ist allerdings später komplett im Atelier entstanden. Die Leute, die sie unterwegs getroffen hat, waren sehr neugierig auf die Zeichnungen und haben ihr viel weitergeholfen und ihr Sachen gezeigt – Zeichnen als Völkerverständigung!

Rina fühlt sich nicht als Comiczeichnerin sondern als Illustrationen, sie ist aber mit Comics aufgewachsen und fand es darum auch ein passendes Medium um ihre Geschichte zu erzählen, auch um nicht immer wieder selbst über ihre Reise zu sprechen. So ist ein Reisecomic entstanden, „Der Hase auf dem Rücken eines Elefanten“. Allerdings hat sie auch im Anschluss an die Reise noch Teilzeit gearbeitet und festgestellt, dass sie auf diese Weise den Comic nicht fertig machen kann.

Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Comic-Szene in der Schweiz
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Sie wohnt im Kanton Thurgau und hat sich dort nach Möglichkeiten einer staatlichen Förderung umgeschaut. Dort gibt es nicht viele junge oder bildende Künstler, daher hatte Rina wenig Konkurrenz und ihr Projekt wurde mit Freude aufgenommen und gefördert.

Rina hatte erst Kontakt zur Edition Büchergilde aufgenommen, die ihr Projekt allerdings zurückgeschickt haben. Daraufhin hat sie mit David Basler gesprochen, der, wie sie sagte, ein harter Kritiker ihres Comics war. Nach einem halben Jahr hatte sie seine Kritikpunkte aber umgesetzt, ist wieder zu ihm gegangen und daraufhin hat er sich bereit erklärt, ihren Comic zu veröffentlichen.

Reto Goors Comic heißt „Das Karmaproblem“ und ist autobiographisch. Reto hat als Kind schon Comics gelesen und gezeichnet und in den 90ern relativ kontinuierlich Comics veröffentlicht. Außerdem arbeitete er als Zeichenlehrer, das war aber keine Perspektive für ihn. Er wollte sich als Comiczeichner selbstständig machen und hat seinen Job gekündigt. Als er jedoch kurze Zeit später die Diagnose bekam, an Multipler Sklerose zu leiden, kam alles anders als geplant.

Reto konnte irgendwann nicht mehr mit der Hand zeichnen und musste lernen mit dem Computer zu zeichnen. Im Nachhinein sieht er das insofern positiv, weil er sich dadurch  weiterentwickeln konnte und sich auch nach wie vor als Comiczeichner fühlt.  Für seinen Comic hat er sich auch nach finanzieller Unterstützung umgeschaut aber keine erhalten, „weil Comics als nicht gut genug angesehen wurden“, wie er sagt. Statt dessen wurde Reto allerdings vom Interessenverband MS unterstützt. In seinem Comic setzt er sich mit der schlimmen Krankheit auseinander, um besser damit klarzukommen. Das wichtigste für ihn war aber immer, Geschichten zu erzählen. Er ist jetzt dabei, eine Fortsetzung des Comics zu zeichnen, und möchte später auch noch andere Arbeiten machen.

Barbara Schrag und Gregor Gilg sind die Zeichner des Comics „Das Golem im Emmental“. Es handelt sich um einen dicken Comic, der im 19. Jahrhundert in der Schweiz spielt aber von der Story her auch schon fast im Wilden Westen spielen könnte. Da von Anfang an feststand, dass es ein dickes Buch werden und sie beide über Jahre beschäftigen würde, haben sie Förderung beantragt. Sie haben eine ziemliche Menge an Vorarbeit für den Förderantrag betrieben, ihn dann in der Sparte Literatur (als „visuelle Autorenarbeit“) eingereicht und tatsächlich Geld bekommen. Sie sagen, es sei recht wichtig, eine gute Dokumentation des Projektes zu machen und dies sei einiger Aufwand, da es sich um sehr viel Vorarbeit handelt. Sie habe sich aber definitiv gelohnt, um die Unterstützung zu erhalten.

David Basler führte aus, dass die schweizer Comicförderung viel besser ist als in Deutschland. Es gibt Autorenförderung sowie Druckzuschüsse für Werke von schweizer Autoren, da die Kulturförderung wichtig ist. Er persönlich versucht, den Autoren beratend weiterzuhelfen, aber das ganze Thema sei verzwickt und bürokratisch.

In den 35 Jahren seit Gründung der Edition Moderne hat sich nach Baslers Meinung alles gut und vorwärts entwickelt. Er selbst ist mit französischen Comics wie Spirou, Gaston und Lucky Luke aufgewachsen, und wollte sie den anderen Leuten auch bekannt machen, was der Anfang der Edition Moderne war. Heute besteht die Hälfte der Veröffentlichungen aus Originalausgaben, und heute kann man Comics studieren… Basler ist zufrieden mit der Entwicklung. Warum allerdings außerhalb der Edition Moderne so wenig Comics herausgegeben werden, obwohl die Fördersituation so gut ist, kann er auch nicht beantworten. Vielleicht ist es einfach Zufall? Oder die Schweizer nehmen die Situation ab sofort zum Anlass, produktiver zu werden, während die Deutschen vielleicht mal die Gelegenheit ergreifen, ein paar zusätzliche Comicstipendien ins Leben zu rufen…



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 31.05.2016 - 11:24
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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