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Wie kommt der Comic ins Web?

Johannes Kretzschmar, im Internet und als Künstler auch bekannt als Beetlebum, promoviert nicht nur in Informatik, sondern veröffentlicht selbst auch Webcomics und hat uns hier einen Überblick darüber gegeben, auf welche Weise man seine Comics online stellen kann.

Wie geht man also vor, wenn der Comic in Papierform auf dem Schreibtisch liegt? Um ihn zu digitalisieren, gibt es mehrere Wege: Man kann ihn natürlich einfach einscannen. Will man mit Farbe scannen braucht man einen guten Scanner und sollte etwas mehr Geld investieren. Ansonsten kann man den Comic auch einfach abfotografieren. Kurz zur Auflösung: 72 dpi ist eigentlich das mindeste. Allerdings kommt es hier natürlich auf die Menge zum Hochladen und die eigene Bandbreite an. Ist die Auflösung sehr groß, könnte Piraterie eine Rolle spielen, in dem Sinne, dass Leute sich die Comics selbst hochauflösend ausdrucken. 72 dpi ist allerdings zu klein um den Comic später drucken lassen zu können. Noch kurz zu den Pixeln: 450 Pixel ist gut auf dem Smartphone lesbar. Dann ist es gut, wenn man linear scrollen kann.

Sobald der Comic digitalisiert ist, kann man ihn weiter bearbeiten, z.B mit Photoshop oder Gimp (die kostenfreie Variante) oder mit Mangastudio. Oder man benutzt ein Graphic Tablet und zeichnet direkt online wie auf Papier. Die meisten sind von Wacom und kosten ca. ab 200 Euro. Man kann natürlich auch mit dem iPad arbeiten, da es schön groß ist, und dann mit dem Apple Stift zeichnen. Von Microsoft gibt es das System Surface, die mit dem Stift aber noch nicht so weit sind. Vom Wacom gibt es "Companion", was gut mit anderen Wacomprodukten funktioniert. Generell muss man nicht immer das teuerste kaufen, sagt Beetlebum, man kann auch gut mit günstigen Produkten anfangen.

Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
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Wie bekommt man den digitalisierten Comic nun ins Internet? Glücklicherweise sind ja praktisch alle Leute vernetzt, so dass man seinen Comic nur auf den Server bringen muss. Früher brauchte man einen Anbieter, bei dem man seine Sachen für Geld auf den FTP-Server laden konnte. Diese Server hatten leider sehr unhandliche Adressen. Darum bezahlte man der DENIC Geld, um dort eine vernünftige Adresse zu bekommen, die einen auf den FTP-Server weitergeleitet und mit den dazugehörigen Dokumenten verbunden hat. Dazu brauchte man aber auch Kenntnisse in HTML, CSS, JavaScript etc…

Man kann auch einen Upload-Dienst dafür bezahlen, dass man dort seine Sachen hochladen kann. Dort ist allerdings auch meist Werbung hinterlegt. Darum muss man sich entscheiden, wo man etwas hochladen möchte. Dazu gibt es eine Entscheidungshilfe:

Man möchte Einzigartigkeit und einen Wiedererkennungswert haben. Am besten natürlich auf seiner eigenen Webseite, so dass der Comic da ist wo andere ihn erwarten, also bei der Netz-Identität. Falls es die eigene Website ist, hat man volle Kontrolle, man gibt keine Rechte ab (wie z.B. bei Facebook), man kann sie frei anpassen oder designen und per Statistik auswerten. Nachteile: Eine Website aufzubauen ist technisch kompliziert und es besteht das Problem der Auffindbarkeit (man muss die Suchmaschinensuche bearbeiten), außerdem ist eine eigene Website teuer (aber bietet vom Host meist guten Service).

Lädt man seinen Comic auf einer öffentlichen Plattform hoch, hat man den Vorteil einer bereits existenten Community, man kann bewertet werden, weiter multipliziert werden, und die Umgebung ist leicht bedienbar und billig. Nachteile: Man ist nur einer von vielen, konkurriert mit viel mehr Inhalten, muss ggf. Rechte abgeben und hat unter Umständen das Problem der Persistenz, dass sich also z.B. die Webadresse ändert, außerdem machen andere Leute Geld mit der eigenen Arbeit, weil ihre Werbung daneben steht.

Jede Plattform hat sein Publikum: Bei Flickr z.B. sind mehr Fotografen unterwegs. Sucht man sich ein homogenes Publikum, etwa eine Comicplattform, oder thematisch angepasst? Ein heterogenes Publikum hat den Vorteil, dass man theoretisch viel mehr Leute erreichen kann, diese aber möglicherweise alle nicht interessiert sind.

Ein Vorschlag wäre, zu Mycomics oder Tapastic zu gehen. Man kann den Comic natürlich auch ganz woanders veröffentlichen, z.B. bei Facebook, um die Leute dort anzuteasen. Am besten sollte man in so einem Fall seinem Comic ein Wasserzeichen nutzen oder die eigene URL mit ins Bild schreiben, um die Wahrscheinlichkeit für Raubkopien zu verringern. Trotzdem ist es immer empfehlenswert, sich irgendwann eine eigene Website oder einen eigenen Tumblr-Account zu besorgen, auch um den eigenen Künstlernamen zu sichern.

Plattformen, die sich anbieten um mit dem Comic auch Geld verdienen zu können, sind etwa Youtube, Blogs oder Webshops. Aber trotzdem muss man auch in dem Fall irgendwo die Massen der Leser ansprechen, um seine Inhalte möglichst weit verbreiten zu können.

Regeln, um seinen Comic möglichst erfolgreich zu machen, gibt es natürlich auch, zu denen Beetlebums übergreifende Regel lautet: "Pick two!":

  • Mach die Inhalte nicht zu komplex. Einzelne Strips funktionieren besser als lange Geschichten (vergleiche Oglaf, oder den Don Quichote von Flix: Man kann die Story als Strip lesen oder durchgängig)
  • Awesome Art: Es ist hilfreich wenn der Comic toll aussieht. Irgendwie klar, trotzdem hört man ja oft, dass Leser etwas nicht lesen mögen wenn ihnen der Zeichenstil schon nicht gefällt
  • Mach etwas Autobiografisches und möglichst Generisches: Womit sich Leute sehr gut identifizieren können wird meist gut angenommen
  • Internetkultur / Meme culture, der gegenteilige Weg: Ist der Comic so spezifisch wie möglich, werden vor allem Insider angesprochen (z.B. XKCD), die dem Comic dann umso treuer sind, wenn sie das Gefühl haben, dass nicht jeder die Gags versteht
  • Englisch ist immer besser als Deutsch

Wenn man tatsächlich Geld mit seinem Comic verdienen möchte, kann man z.B. folgende Möglichkeiten in Betracht ziehen:

  • Werbung (funktioniert bei Webcomics nicht so gut weil der Inhalt der Comics schlecht per Suche gefunden werden kann)
  • Affiliate (klappt auch nicht so gut)
  • Flattr: Eine Option, bei der die Leser spenden können.
  • Patreon: Der Leser wird quasi zum Mäzen des Künstlers und bekommt dafür besondere Leistungen
  • Crowdfunding: Wird meist eher projektbezogen genutzt, z.B. um Bücher zu veröffentlichen
  • Merchandise: Entweder auf Plattformen (z.B. Spreadshirt, aber relativ teuer) oder mit Partnern
  • Paypal-Button, mit dem der Leser dem Autor quasi direkt Geld überweisen kann
  • Amazon Wunschliste, mit der man als Leser dem Künstler direkt Sachen über Amazon bestellen und schicken kann (allerdings gilt hier für den Künstler, dass alle diese Zuwendungen steuerliche Auswirkungen haben)
  • Oder, das vielleicht Offensichtlichste: Man muss versuchen seinen Comic zu drucken und als Buch unter die Massen zu bringen.


Daten dieses Berichts
Bericht vom: 31.05.2016 - 19:30
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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