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SuperheldINNEN

Superheldinnen! Endlich mal unterhaltsame „Genderforschung“!

Erstaunlicherweise gab es seit Beginn der Superhelden im Comic auch schon immer Superheldinnen, aber sie standen immer im Schatten der männlichen Helden. Und bevor wir jetzt näher auf sie eingehen, ein kurzer Exkurs zum Thema: Wer ist eigentlich ein Superheld? In der Comicforschung gibt es drei Kriterien: Superkräfte, eine Maske, und eine Geheimidentität, von denen aber nicht immer alle gleichzeitig auftreten müssen - man denke an Superhelden ohne Superkräfte (Ironman) oder an die  fehlende Maske trotz Geheimidentität (Superman).

Wer der erste Superheld der Comic- bzw. Literaturgeschichte war, ist schwer festzustellen. Wo will man anfangen? War es Superman, oder vielleicht Robin Hood, oder Zorro, oder sogar Münchhausen (der immerhin sogar eine eigene Superheldentruppe hatte mit einem  starken Mann, einem schnellen Läufer und einem Scharfschützen)? Oder vielleicht schon die Götter, Magische Wesen, Dämonen…?

Aus westlicher Sicht ist derjenige, der als erster alle drei Kriterien in sich vereint, das Phantom, 1936. Aus östlicher Sicht gab es bereits 1930 den japanischen Helden Ōgon Bat, der ursprünglich aus Atlantis stammt, fliegen kann, unverwundbar ist und übermenschliche Kräfte hat. Aber davon abgesehen, gab es ähnliche Archetypen von Helden ja immer schon in den Sagen aller Kulturkreise.

Gemeinhin gilt allerdings Superman von 1939 als der erste solche „Superheld“. Er war zunächst als Comicstrip gedacht gewesen, wurde später an einen Verlag verkauft und dann unmittelbar zur Erfolgsgeschichte. So erfolgreich, dass er direkt alle Medien erobert hat, Radio, Fernsehen, Film, sogar die Weltausstellung. Seine Kräfte allerdings wurden pro Medium erweitert. Erst war er bloß sehr stark, so dass er hoch hüpfen konnte (ähnlich wie später auch Hulk). Die Max-Fleischer-Studios fanden das dämlich und haben ihn fliegen lassen. Das Kryptonit wurde schließlich für das Radio eingeführt, damit der Sprecher der Live-Sendungen auch mal Urlaub nehmen konnte…

Batman, als „Night-time Character“, ist quasi der gegenteilige, der dunkle Superheld, der keine Superkraft besitzt. Er und Superman bilden die zwei Archetypen der Superhelden.

Superhelden wurden sofort populär, und bald gab es auch die ersten Superheldinnen. Bereits in den 40er Jahren tummelten sich über ein Dutzend in den Comics! Und was machte damals eine Superheldin aus? Zunächst waren sie oft nur kurzlebig und fungierten als Nebenfiguren, nur für ein Heft. Meistens handelte es sich um das weibliche Gegenstück zu bereits existierenden Superhelden, was schon am Namen erkennbar war. Häufig wurden sie aus Copyright-Gründen erfunden, damit sie nicht jemand anders vermarkten konnte, wie etwa Spider-Woman. Ein ziemlich unrühmlicher Grund eigentlich, aber glücklicherweise sollte es nicht dabei bleiben.

Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Superheldinnen - Vortrag von Harald Havas
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Superheldinnen - Vortrag von Harald Havas

Nach aktueller Forschung war Phantoma, eine Ägypterin, die erste Superheldin. Dazu gesellten sich bald Scarlet O‘Neil, Black Widow, Woman in Red, Red Tornado, Phantom Lady, Miss Victory und Hawk Girl (von 1941). Und dann gab es auch schon die erste “justice society”, Vorläufer der Justice League.

Und weil es so schön ist, stellen wir hier einige der klassischen und moderneren Superheldinnen vor:

· Wonder Woman, die klassische Superheldin. Sie ist eine Amazone, superstark, und besitzt ein goldenes Lasso, das seine Gefangene immer die Wahrheit sagen lässt. Ihr Erfinder war übrigens nicht nur Psychiater, sondern lebte auch in offener Dreierbeziehung und war außerdem Erfinder des Lügendetektors. Sie war die erste Superheldin die sich durchgesetzt hat.

Ab den 60ern ist immer eine Quotenfrau als Aufputz mit dabei in den Comics. Warum? Weil es sich beim Hauptteil der Leser um (prä)pubertierende Burschen gehandelt hat. Darum sind die Heldinnen auch alle supersexy! Mit den engen Anzügen sind sie quasi angemalte Nackt- oder Bodypaintmodelle. Kann man sie sogar auf die Funktion eines Pinups reduzieren? Meistens ja, zumindest damals. Das hat sich erst im Lauf der Zeit geändert. Irgendwann fingen Superheldinnen an, sich emanzipatorisch und selbstbestimmt zu verhalten. Mittlerweile haben die am wenigsten angezogenen Frauen den stärksten Willen. In der Comicforschung wird die Frage diskutiert, ob es sich hier vielleicht um ähnliche Entwicklungen wie in der SM-Szene handelt und sie eine Rolle als Domina einnehmen?

· Black Canary, 1947 (Nebenfigur in Green Arrow). Sie trug Netzstrümpfe, musste dann zwischendurch mehr anziehen, verbrannte irgendwann das Kostüm und änderte sich erneut. Generell wurden auch die weiblichen Superheldinnen immer mal wieder neu erfunden.

· Batwoman, 1956. Wurde jüngst erst wiederbelebt, ist jetzt lesbisch.

· Superwoman, die Cousine von Superman. Sie hatte auch einen Superdog. Und Supercat. Und einen Superaffen, und auch ein Superpferd. Zusammen bildeten sie die „Legion of the Superpets.“ Das war zur McCarthy-Ära; Superwoman war die Harmlosigkeit schlechthin. Sie war zwischendurch „tot“, komplett ausgelöscht. Auch der Hund hat sich geopfert.

Eine erste Emanzipation findet mit Marvel statt. „Girl“ spricht natürlich nicht für Frauenpower. Aber mit den Fantastic Four hat sich die Kraft der Superheldin von einer passiver in eine aktive Kraft gewandelt, vom Schützen zum Angreifen. Sie wurde zur inhaltlichen Wegbereiterin, hat als erste geheiratet und auch ein Kind bekommen.

· Wasp ist eine selbstbestimmte, attraktive Frau, ein Partygirl, die eher nebenbei Superheldin und voll emanzipiert ist. Sie hat eher bescheidene Kräfte, und oft das Kostüm gewechselt. (Die erste selbstbestimmte, aktive Frau in Comics ist übrigens Lois Lane! Nur eben ohne Superkräfte).

· Jane Gray, Marvel Girl, hat sich schnell zur richtigen Figur entwickelt. Sie wurde rasch stark und mächtig, hat ihren richtigen Namen abgelegt und sich fortan Marvel Girl, dann Phoenix genannt. Sie ist eine der stärksten Superheldinnen überhaupt, quasi übermächtig.

· Black Widow war zuerst KGB Agentin, böse, und ist gegen Ironman angetreten, bevor sie sich zur Superheldin gewandelt hat. Aktuell ist sie die am meisten verfilmte Superheldin, obwohl sie noch keinen eigenen Film hat.

· Batgirl, die Tochter von Polizeipräsident Gordon. Hat sich auch im Lauf der Zeit gewandelt, z.B. war sie mal querschnittgelähmt.

· Storm, 1975. Neu an ihr war die schwarze Hautfarbe als echte Afrikanerin. Auch sie ist mächtig, wichtig und selbstbestimmt.

· Power Girl, auch eine Cousine von Superman. Sie kommt aus einer Parallelwelt, ist kein Heimchen am Herd, haut drauf, und hat eines der offenherzigsten Kostüme, aber sie ist die toughe Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Man kann quasi sagen: Je weniger sie anhaben, desto stärker, tougher, härter sind die Superheldinnen… wie Dominas eben, siehe oben. Viele Frauen fühlen sich von ihnen angezogen.

· Spiderwoman war noch nie besonders erfolgreich. Sie wurde aus Copyright-Gründen quasi in einer Kaffeepause erfunden. Neulich ist sie neu aufgelegt worden.

· Kitty Pryde / Sprite / Ariel / Shadow Cat: Der erste Teenager X-Men, die erste ausgesprochen jüdische Superheldin. Sie ist näher an einer realen Person als die braven Superheldinnen.

· She-Hulk ist Bruce Banners Cousine, die sich an einer Bluttransfusion von ihm „ansteckt“. Sie ist Anwältin und kann sich verwandeln wann sie will, allerdings ist sie nicht ganz so stark wie er. Bis zur Neuauflage war sie nicht so erfolgreich. Sie wurde auch aus Copyright-Gründen erfunden. Auch sie ist ein toughes Rollenbild, aber bleibt meist in der grünen Form. Eine der wichtigsten Superheldinnen.

· Spidergirl, die Tochter von Peter Parker und Mary-Jane. Sympathisch. Aber sie ist nicht im offiziellen Universum angesetzt.

· Miss Marvel / Captain Marvel,  ist auch schwarz. Jetzt ist sie Miss Marvel, die erste Muslimin.

Mittlerweile gibt es auch schwule und lesbische Superhelden. Und böse, oder zumindest ambivalente Frauen gibt es natürlich auch. Zum Beispiel: Batwomen, Poison Ivy, Emma Frost (X-man), Elektra und Harley Quinn (sie wurde nicht als Superheldin erfunden, sondern hat erst später den Weg dahin gefunden, über das Suicide Squad). Und es gibt auch Superheldinnen außerhalb von Marvel und DC, aber nicht so viele.

Zum Abschluss noch ein paar fun facts:

Wonderwoman ist die erste Superheldin, deren Story verfilmt wurde! Zwischen 1997-2015 gab es keine Serie mehr mit Superheldinnen, erst wieder mit Agent Carter und Jessica Jones.

1984 kam der Supergirl Film, aber bis 2004 gab es danach keinen Superheldinnenfilm mehr; erst wieder mit Catwoman und Elektra.

In der Liste der Top 100 der wichtigsten Superhelden steht Wonder Woman auf Platz 5. Die zweitwichtigste Superheldin der Liste ist Jane Gray. Insgesamt sind 14 der 100 Helden eigentlich Heldinnen. In jüngster Zeit sind neue Superheldinnen auf den Plan getreten: „Austrian Superheroes“ von Harald Havas und „Faith“ von Jody Houser, Francis Portela & Marguerite Sauvage  – in beiden Comics treten nun fast zeitgleich zum ersten Mal Superheldinnen auf, die nicht aussehen wie aus einem Model-Katalog. Quasi Plus-Size-Heldinnen!

Übrigens: Völlig unabhängig von der eben zitierten Liste: Die wichtigste und erfolgreichste Superheldin aller Zeiten ist…



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 31.05.2016 - 11:21
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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