SplashpagesSplashbooksSplashcomicsSplashgamesComicforumImpressumEntertainweb


In der Datenbank befinden sich derzeit 43 Events. Alle Events anzeigen...
Specials Eventspecials

Künstlergespräch: Andreas

Andreas, der mit 65 veröffentlichten Alben (u.a. „Cromwell Stone“, Schreiber & Leser, 2014; „Rork“, Gesamtausgabe in 2 Bd., Schreiber & Leser, 2015, „Capricorn“, Schreiber & Leser, 2016), der derzeit produktivste Comic-Künstler aus Deutschland ist, lebt gar nicht in Deutschland, sondern in Frankreich, wo er auch viel bekannter ist als hierzulande, und veröffentlicht auf Französisch. Außerdem spricht er sympathisch und entspannt über seine Projekte:

1951 in Weißenfels an der Saale geboren, ein Jahr später nach Eisenach gezogen, ging Andreas 1960 mit seinen Eltern aus der DDR in den Westen. 1965 machte er in Düsseldorf sein Abi und entschied sich nach seinem Ersatzdienst, nach Brüssel an eine Comicschule zu gehen. Andreas hatte nämlich aus einem Buch über sein Idol Franquin erfahren, dass es in Brüssel eine Comicschule gab. Er mochte Comics (Mosaik) schon immer und hat mit 16 angefangen zu zeichnen. Als er feststellte, dass seine Zeichnungen gut ankamen, machte er weiter, wurde besser und kam schließlich auf die Idee, richtige Comics zu machen. Er habe von Anfang an Geschichten erzählt, es sei ihm nie um das Zeichnen an sich gegangen, sagte er. Und obwohl er nicht besonders gut französisch konnte, war die Entscheidung getroffen. Allerdings konnte er sich nicht direkt in Brüssel einschreiben, weil er für das Jahr zu spät dran war, darum studierte er zunächst Kunst in Deutschland und ging 1973 nach Brüssel an die Comicschule St. Luc. Zusätzlich besuchte er Abendkurse in einer kleinen Akademie in seinem Viertel, wo er die „Basis“ des Comiczeichnens beigebracht bekam. Später zog er dann nach Frankreich.

Ende 1978 startete Andreas mit einer Serie von Kurzgeschichten, die 46 Seiten ergeben sollten, falls sie mal gedruckt werden würden. Die ersten drei dieser Kurzgeschichten hingen nicht zusammen, bis es dann vom Verlag hieß, dass sich besser ein roter Faden durch die Geschichten ziehen sollte. Zu der Zeit merkte Andreas, dass er nicht gut mit dem Pinsel klarkam und hat dann mit der Feder gezeichnet (sein Idol Franquin hatte nämlich mit Pinsel gezeichnet). Jetzt zeichnet Andreas mit Filzstift, findet aber, dass es am besten ist es, wenn man mit dem Pinsel arbeiten kann, denn dann kann man alles andere auch. Kurze Geschichten seien eine gute Schule, weil man sich aufgrund von Platzmangel da nicht verfransen kann. Um in Übung zu bleiben, macht er heute noch hin und wieder Kurzgeschichten.

Seine ersten Geschichten sind alle eigenständig. Andreas wusste noch nicht was er genau wollte, er hat sich anfangs erstmal ausprobiert. Seine Vorbilder waren eher amerikanische als franco-belgische Comics, da ihm die Seiteneinteilung mit vielen hohen oder breiten Panels gut gefiel, weil die Seiten nicht so klar strukturiert waren. Auch die Genres, die Thematik, waren eine andere. Fantastische Sachen wurden damals in Frankreich meist nicht gedruckt, so dass Andreas da eher alleine mit war. Solche Sachen waren den Leuten damals zu abgedreht.

Es geht bei Andreas um Flüche, um schwarze Magie. „Halte nicht für real, was du für real hältst.“ Selbst hat er fantastische Geschichten und Science Fiction gelesen aber sich nie gefragt, woher seine Ideen genau kommen. Demzufolge spiegelt seine Serie Rork gut wieder, wie Andreas‘ Leben damals war. Als der Verlag nach 5 Jahren Zeitschrift das erste Buch von Rork herausbrachte, um das Copyright nicht zu verlieren, verkaufte es sich recht gut und Andreas bekam mehr Rechte und konnte mehr mitbestimmen. Er ist dann auch erstmal dort geblieben und hat einen Vertrag für 5 Alben unterschrieben.

1982 hat Andreas mit den Kurzgeschichten aufgehört. Es habe sich alles so zusammen gefügt, denn während er Cromwell Stone machte, wurde er von weiteren Verlagen kontaktiert. Cromwell Stone ist nur alle 10 Jahre erschienen, sollte aber von Anfang an eine Trilogie werden.

Für Andreas ist „wie“ etwas erzählt wird wichtiger als „was“. Genau das also, was zwischen dem Herausarbeiten der Geschichte am Anfang und dem Schreiben danach kommt. Die Struktur eines Comics interessiert ihn am meisten: Wie er die Bilder einteilt, wie das Auge des Lesers darin reisen soll. Darum sind Comics für ihn die ideale Erzählform, da es Sachen gibt, die man nur in Comics machen kann und nirgends sonst, weil jedes Medium seine eigene Stilformen hat.

Andreas fand es gut, dass er irgendwann ganze Bücher statt Kurzgeschichten veröffentlichen könnte, weil er so in Ruhe arbeiten konnte und keine Cliffhanger am Seitenende einbauen musste – auch wenn es einen finanziellen Unterschied macht, wenn man nicht mehr ständig in einem Magazin veröffentlicht.

Andreas‘ Reihe Ark besteht aus 18 Alben, jeweils drei mal sechs Bücher. Jeder der drei Teile ist in einem anderen Stil gehalten: Mal Schwarzweiß, mal in Farbe, und auch jeweils in einem anderen Format. Inhaltlich geht es um eine Geschichte von einigen Leuten, die sich zur gleichen Zeit im gleichen Hotel aufhalten und sich auf einmal in einer fantastischen Welt wiederfinden. Daraus entwickelt sich eine komplizierte Geschichte. Andreas wusste am Anfang der Geschichte bereits wie sie aufhören soll, aber für den Mittelteil einer Geschichte lässt er sich immer viel Freiheit, obwohl er den roten Faden schon festlegt. Der kann sich zwar im Lauf der Zeit und über die Jahre auch ändern, aber Andreas versucht, nicht zu stark davon abzuweichen.

Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Andreas
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Andreas

Andreas schreibt seine Comics auf Französisch und danach kümmert sich der deutsche Verlag um die Übersetzung, die Andreas normalerweise nicht zu sehen bekommt. Einmal hat er eine Übersetzung korrigiert weil er den deutschen Text zugeschickt bekommen hat, aber sonst kümmert er sich nicht darum. Erstaunlich eigentlich wenn man bedenkt, dass Comicübersetzungen häufig auch nicht ganz unkritisch sind…

Und was hält Andreas vom deutschen Comicmarkt? Er kennt ja hauptsächlich die Veranstaltungen in Frankreich, aber sein erster Eindruck vom Comicsalon Erlangen ist, dass es hier wie auf jedem anderen Comicfestival auch abläuft. Von Frankreich aus geht kein Blick auf den deutschen Comicmarkt, denn er fällt nicht ins Gewicht. Andreas ist privat aber regelmäßig in Deutschland und guckt dann immer mal wieder in die Buchläden, aber findet dort eher übersetzte Comics und kaum Originalausgaben.

Andreas jedenfalls ist immer noch voll dabei, weiter Comics zu machen, und denkt auch nicht ans Aufhören: „Ich hör nicht auf Comics zu machen bis ich einen Schlaganfall kriege oder ganz tot bin.“. Das ist doch mal eine Aussage!



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 31.05.2016 - 11:17
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
«« Der vorhergehende Bericht
Künstlergespräch: Marguerite Abouet
Der nächste Bericht »»
SuperheldINNEN