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Klassiker der Comicliteratur

Am Samstag fand um 14 Uhr eine Veranstaltung statt, in der Jim Lee gemeinsam mit Volker Reiche, dem Zeichner des FAZ Comicstrips „Strizz“, der auch in der FAZ Comicbibliothek vertreten war, über Comicklassiker diskutieren sollte. Sollte! Stattdessen entwickelte sich eine hochinteressante Diskussion.

Doch eins nach dem anderen.

Moderiert wurde die ganze Diskussion von den FAZ Redakteuren Andreas Platthaus und Dietmar Dart. Hauptmoderator war Platthaus.

Die erste Frage richtete sich direkt an Jim Lee, der ein bisschen über sein Leben befragt wurde. So wurde gefragt, wann er in Korea geboren wurde und wann er das Land verlassen hatte. Es folgte ein bisschen allgemein bekannte Biografie, in der Jim Lee unter anderem gestand, dass er nicht soviel über Korea wusste. So zeigte er sich ganz erstaunt darüber, was er auf der Buchmesse bislang über Korea gesehen hatte.

Die zweite Frage war wieder an Jim Lee gerichtet. Er wurde gefragt wie er zu den Superhelden kam und was er als erstes gelesen hatte. Dazu sagte Lee, das er damals in seiner Kindheit die Cartoons im Fernsehen gesehen hätte um die Sprache zu lernen. Daraus entwickelte sich dann die Vorliebe für Superhelden. Zuerst hatte er Superman und Batman gelesen, ehe er sich dann später auch noch für die Marvel Comics interessierte.

Auch die dritte Frage war an Jim Lee gerechnet. Er wurde gefragt, wie er zu den X-Men gekommen war. Da erzählte Jim Lee, das seine Eltern zuerst wollten, dass er Doktor werden würde. Seine Eltern waren praktizierende Ärzte. Und so machte Jim Lee einen Abschluss in Psychology (oder Physology?). Jedoch hatte er nebenbei gezeichnet, und nach seinem Abschluss schickte er bei Marvel ein paar Zeichnungen ein. Nach 6 Monaten wurde er dann von Marvel genommen, wo er dann nach ein paar Jahren zu den X-Men kam.

Jim Lee erzählte auf eine weitere Frage nach Zeichenunterschieden von einer generellen Unterscheidung zwischen dem realistischen Stil (als Beispiel nannte er John Byrne und Neal Adams) und dem eher cartoonmäßigem Stil (Todd McFarlane)

Und danach wurde es interessant. Herr Reiche war an die Reihe und nachdem er kurz über den Unterschied zwischen seinem und den Stil von Jim Lee referiert hat, zog er über die Superhelden her. Er hielt sie für inzwischen armselig, auch wenn er meinte, dass es Superhelden schon seit Menschengedenken geben würde. Dabei ging er auf einige germanische Heldensagen ein und was dort die Helden vollbracht hätten. Er nannte die Superhelden Outlaws, was die Amerikaner doch wohl fasziniere und doch auch wieder nicht. Denn schließlich hätten die Amerikaner mit Outlaws wenig am Hut. Er sprach von einer Attitüde der Gerechtigkeit. Er meinte das Superhelden mit den Idealen der Gesellschaft sich wie Feuer und Wasser verhalten würden, und das momentan die Zivilisation am Drücker sei. Die Superhelden würden ihre Konflikte durch Killen lösen. Humor ist in den Superheldencomics sehr kläglich vorhanden. Und wann dann sei es der Humor von Sin City. Sehr brutal, auf Kosten von Menschenleben.

Jim Lee meinte daraufhin nur, dass es eine sehr große Spannbreite an Superhelden geben würde. Als Beispiel nannte er Watchmen und Dark Knight Returns. Besonders Watchmen hob er hervor, als anspruchsvolle Comicliteratur, die die Zeit, in der sie entstanden, gut widerspiegeln würden. Klar, meinte Lee, Entertainment kommt zuerst. Dennoch meinte dass die Meinung von Herrn Reiche übertrieben sei.

Daraufhin meinte dieser, dass es eine Faszination der Gewalt gibt. Wieder nannte er Sin City. Gewalt fühle sich gut an und er gestand, dass auch er sich gerne Gewalt ansehen würde. Dennoch fragte er, wie viel Zerschnetzeln mit der Zivilisation noch zu tun habe.

Ehe diese Diskussion weiter eskalieren konnte griff jedoch Andreas Platthaus ein und meinte, dass man doch zurück zum Thema Comic komme. Und dann fragte er Jim Lee, wie er denn zu seinem Stil gekommen ist. Wie hat dieser sich entwickelt?

Daraufhin Jim Lee: Seine Vorbilder seien vor allem John Byrne und Neal Adams gewesen. Besonders sei es ihm auf das „Understanding of Lines“ angekommen, womit er meinte, was man mit den Zeichenlinien alles bewerkstelligen könnte.

Als Herr Reiche dieselbe Frage gestellt wurde, meinte dieser dass sein Stil bei Strizz natürlich nicht so detailliert sei, wie der von Jim Lee. Natürlich hat sich auch sein Stil entwickelt und seine Vorbilder war unter anderem der Zeichner von Calvin & Hobbes. Er zeichnet einfach, damit es auch für den Leser einfach ist. Schließlich ist der Stil von vorneherein nichts anderes als Punkt, Punkt, Komma Strich.

Die nächste Frage ging wieder an Jim Lee. Er wurde gefragt, wie die Zusammenarbeit mit den Tuschern sein, besonders mit Scott Williams.

Jim Lee bezeichnete Scott Williams scherzhaft als seine zweite Ehefrau und erzählte, dass er ihn 1987-1989 getroffen hätte. Williams hätte seine Zeichnungen verbessert

Danach war wieder Herr Reiche an der Reihe, der darüber referierte wie sehr sich doch die aktuelle Zeit von damals unterscheiden würde. Heute würden viele Zeichner auf einer Hochschule einen Comic als Abschluss produzieren, während er sich alles selber beigebracht hat. Er war ein Undergroundzeichner und von daher war ihm klar, dass er immer alles selber machen würde und nicht, wie Jim Lee, seine Zeichnungen anderen überantworten würde. Leider sei die Tradition Autor/Zeichner, wie sie zum Beispiel in Frankreich existiert, nicht hier in Deutschland vorhanden.

Jim Lee berichtete daraufhin von den zwei Traditionen in den USA, nämlich der Autor/Zeichner Union, praktiziert von Frank Miller und Will Eisner oder von berühmte Kooperationen wie Stan Lee und Jack Kirby, die gemeinsam Marvel Comics revolutionierten. Er selber lernt von ersteren.

Auf seine Arbeit unter Frank Miller schwärmte Jim Lee. Für ihn sei Frank Miller ein Idol. Dessen Zeichnungen haben ihm damals die Augen für die Comicwelt geöffnet

Reiche wurde dann gefragt, wie er die Arbeit unter Autoren empfand. Als Beispiel wurde Brösel genannt.

Reiche meinte jedoch das er noch nie unter einem Autoren gezeichnet hätte. Er hätte gemeinsam mit einigen Zeichnern mal ein Magazin gemacht, eine Session. Einer habe angefangen, ein anderer habe die Geschichte fortgeführt und so fort.

Er selber habe keine Ahnung von der Comicindustrie. Jedoch meinte er auch, dass er trübe Erfahrung in den 80ern gemacht habe, als er für die Niederlande Donald Duck Geschichten geschrieben und gezeichnet habe.

Schließlich kam die Rede auch den Einsatz von Technologie in Comics. Lee meinte, das das Aufkommen von Photoshop einen großen Einfluss auf die Comicwelt hatte, da dadurch Effekte hinzugefügt werden konnten. Dennoch meinte er, dass die Handzeichnungen wohl immer noch aktuell bleiben würden, trotz aller Computereffekte.

Reiche bezeichnete seine Art zu zeichnen als mittelalterlich. Er macht alles von Hand, wenn er auch am Ende seine Zeichnungen einscannt und noch mal durchputzen kann.

Lee wurde dann nach Wildstorm gefragt. Jim Lee meinte, dass sie Image gründeten, um mehr Kontrolle über ihre eigenen Werke zu haben. Er konnte alles selber entscheiden. Der Nachteil: Nach und nach musste er mehr Entscheidungen machen, als das er zeichnen konnte. Deshalb hat er Wildstorm an DC verkauft um halt mehr Zeit fürs Zeichnen zu erhalten.

So erzählte Lee dann von seiner Arbeit an Batman, wo er zwar nichts ändern kann, dennoch weiterhin die Figur eigenständig interpretieren kann. Es ist halt Work for hire.

Reichert war wieder an der Reihe. Er erzählte von seiner Arbeit an der Comicfigur Mekki, wobei er die Figur als eine Art Spezialfall bezeichnet hat. Er selber hat erst vor kurzem noch mal die Belegschaft der Serie ausgetauscht.

Anscheinend war dies nicht genug, denn demnächst sollen alle Figuren verändert werden, was er bedauerlich fand. Er selber kann da nichts machen.

Jim Lee wurde dann noch mal auf seine aktuelle Serie angesprochen, auf All Star Batman & Robin, the Boy Wonder. Lee erzählte, dass er keinen vorgegebenen Terminplan habe und dass er nicht weiß, wann die Serie für ihn vorbei sei.

Und damit endete auch diese Diskussion. Jim Lee zeichnete und signierte danach noch eine Stunde und es wurde gesagt dass um 16 Uhr eine Art Fortsetzung stattfinden würde.

Insgesamt machte Jim Lee einen lockeren gelösten Eindruck, während Volker Reichert eher negativ auffiel. Besonders Fans von Superheldencomics hatten den Eindruck, als ob Herr Reichert ein festes Bild des Genres hat, und um kein Iota davon abrücken will. Er kam dadurch sehr unsympathisch rüber. Schade war auch, dass die Diskussion über Gewalt in Comics abgewürgt wurde. Verständlicherweise, aber es wäre doch interessant gewesen, wie Jim Lee weiter reagiert hätte.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 22.10.2005 - 23:08
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Götz Piesbergen
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