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Positives Fazit vom Salon 2016
Am Sonntagabend, 29. Mai, geht der 17. Internationale Comic-Salon Erlangen, das wichtigste Festival für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum, zu Ende. Messeaussteller und Veranstalter, das Kulturamt der Stadt Erlangen, sind mit der Publikumsresonanz sehr zufrieden. Mit deutlich über 25.000 Besuchern konnten die guten Besucherzahlen der letzten Jahre bestätigt werden.

Die 17. Ausgabe des Comic-Festivals bewies mit der ersten großen Retrospektive des japanischen Star-Mangaka Jirō Taniguchi in Deutschland, Comics, Satire und Pressefreiheit in der Türkei, zeitgenössischer Comic-Kunst aus Flandern und den Niederlanden – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2016 –, grafischer Literatur aus Indien und Afrika, dem 70. Geburtstag von Lucky Luke, Religion und Pressefreiheit, Geschichten über Flucht und Vertreibung sowie vielfältigen Aktivitäten rund um das Thema Comics für Kinder wie vielfältig die „Neunte Kunst“ heutzutage ist. Vor allem die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen, die in der grafischen Literatur weltweit eine immer größere Rolle spielt, stieß auf großes Interesse. Die aktuellen Entwicklungen der letzten Wochen sorgten vor allem dafür, dass die Einschätzung der in Erlangen anwesenden Comic-Künstlerinnen und -Künstler aus der Türkei vielfach gefragt war. Unterstützt wurde der Internationale Comic-Salon Erlangen in diesem Jahr erstmals durch einen Titelsponsor, die DATEV eG aus Nürnberg.

Eine wichtige kulturpolitische Forderung wurde im Rahmen des 17. Internationalen Comic-Salons wiederholt formuliert: die Gründung eines deutschen Comic-Zentrums. Nach wie vor gibt es in Deutschland keine Institution, die sich auf die Sammlung, Pflege und Erforschung des reichhaltigen Erbes der deutschen Comic-Geschichte konzentriert. Private Sammler mit herausragenden Sammlungsbeständen sehen keine adäquate Möglichkeit, ihre Bestände innerhalb Deutschlands in zuverlässige Hände zu geben, um sie nachhaltig der Wissenschaft zugänglich zu machen. Ein wesentlicher Teil deutscher Literaturgeschichte droht unwiederbringlich verloren zu gehen.

Auch in diesem Jahr spiegelte sich die ganze Vielfalt des Comics vor allem in der zentralen Messe mit über 150 Ausstellern im Kongresszentrum und im Rathaus wider. Die ausstellenden Verlage sind insgesamt mit den Besucherzahlen und den Umsätzen sehr zufrieden, vor allem das große Interesse an den Künstlern und die positive Stimmung werden hervorgehoben. Für den Carlsen Verlag ist der Internationale Comic-Salon die „schönste und freundlichste“ Comic-Veranstaltung in Deutschland. Bei der Egmont Comic Collection stand der 70. Geburtstag von Lucky Luke im Mittelpunkt, während sich der Berliner Verlag Reprodukt vor allem über das große Interesse am Kinderprogramm des Salons freute. Lediglich der Ludwigsburger Cross Cult Verlag verzeichnete etwas weniger Besucherinnen und Besucher am Stand. Steffen Volkmer von Panini unterstrich hingegen: „Die Zusammenkunft der Comic-Familie in Erlangen ist immer ein großes Fest!“

Rund 30 über die Innenstadt verteilte Ausstellungen konnten während der vier Salon-Tage besucht werden, über 500 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt waren in Erlangen zu Gast und sorgten nicht nur für internationalen Flair, sondern auch für persönliche Begegnungen. Weit über 150 Einzelveranstaltungen umfasste das Rahmenprogramm mit Gesprächsrunden, Vorträgen, Lesungen, Workshops, Filmen und vielem mehr.

Im Rahmen des Internationalen Comic-Salons Erlangen wurde zum 17. Mal mit dem Max und Moritz-Preis die wichtigste Auszeichnung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum in neun Kategorien vergeben – 2016 fast ausschließlich an Künstlerinnen: Beste/r deutschsprachige/r Comic-Künstler/in (dotiert mit 5.000,– Euro): Barbara Yelin (aktuell: „Irmina“, Reprodukt); Bester deutschsprachiger Comic: „Madgermanes“ von Birgit Weyhe (avant-verlag); Bester internationaler Comic: „Ein Sommer am See“ von Mariko Tamaki und Jillian Tamaki, Übersetzung: Tina Hohl (Reprodukt); Bester deutschsprachiger Comic-Strip: „Das Hochhaus. 102 Etagen Leben“ von Katharina Greve (www.das-hochhaus.de); Bester Comic für Kinder: „Kiste“ von Patrick Wirbeleit und Uwe Heidschötter (Reprodukt); Beste studentische Comic-Publikation (dotiert mit 1.000,– Euro): „Wunderfitz“ von der Münster School of Design; Publikumspreis: „Crash 'n' Burn“ von Mikiko Ponczeck (Tokyopop). Mit dem Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk wurde – wie schon im Vorfeld der Preisverleihung bekannt gegeben – die französische Künstlerin Claire Bretécher geehrt. Sie konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich an der Preisverleihung teilnehmen. Aus Sicherheitsgründen war dies auch einem der beiden Träger des Spezialpreises der Jury nicht möglich: Der ehemalige „Charlie Hebdo“-Zeichner Luz hat in seinem Buch „Katharsis“ den Schmerz über die Ermordung seiner Zeichner-Freunde verarbeitet. Mit einem weiteren Spezialpreis der Jury wurde der Berliner avant-verlag für seine Verdienste um die Pflege kulturellen Erbes ausgezeichnet.

Die DATEV eG war zum ersten Mal Titelsponsor des Internationalen Comic-Salons Erlangen. Als IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte sowie deren Mandanten wie z. B. mittelständische Unternehmen und kommunale Verwaltungen, gehört die über 40.000 Mitglieder vertretende Genossenschaft zu den größten privaten Arbeitgebern der Metropolregion Nürnberg und gleichzeitig zu den wichtigsten Softwarehäusern Europas.

Der 18. Internationale Comic-Salon Erlangen wird vom 31. Mai bis 3. Juni 2018 stattfinden.

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 29.05.2016 - 15:51
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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