SplashpagesSplashbooksSplashcomicsSplashgamesComicforumImpressumEntertainweb


In der Datenbank befinden sich derzeit 43 Events. Alle Events anzeigen...
Specials Eventspecials

Die alte Frage nach dem Geld: Ja kann man denn davon leben?

Selbst langjährige Besucher des Comic-Salons werden zugeben müssen, dass man von Comics alleine nicht leben kann. Gelegentlich braucht man auch mal so etwas wie "Geld", um Miete und Essen zu bezahlen - oder auch, um selbst Comics zu produzieren. Seit einigen Jahren geben deshalb erfahrene Profis auf Comicveranstaltungen Tipps, wie man dieses Geld denn verdienen kann, mit Comics idealerweise. Diesmal waren Jutta Harms (Reprodukt), Flix (Comiczeichner) und Mikiko Ponczeck (Comiczeichnerin) auf dem Podium und sprachen mit Lars von Törne über das Thema.

Wie Jutta Harms bestätigte, ist das Geschäft (nicht nur) bei Reprodukt sehr wechselhaft. 2015 hat der Verlag beispielsweise tatsächlich Miese gemacht. Das passiert aber nicht nur Comicverlagen, auch kleine Literaturverlage stehen oft vor ähnlichen Problemen. Bei Comics sind allerdings die Auflagen meist noch kleiner. Ein weiteres Problem sind die "klassischen" Literaturverlage, die für Lizenzen und Vorschüsse mehr auf den Tisch legen als die kleinen Comicverlage mitgehen können.

Grundvoraussetzung für ein Comicprojekt bei einem Verlag aus kaufmännischer Sicht ist, dass der sogenannte Deckungsbeitrag positiv ist. Damit ist der Beitrag gemeint, den das Projekt zu den generellen Betriebskosten des Verlags beiträgt. Eigenproduktionen bedeuten im Vergleich zu eingekauten Lizenzen mehr Aufwand und damit Kosten. Denn "Original-Comics" bieten dem Verlag die Möglichkeit, sich stärker einzubringen, beispielsweise im Lektorat. Diese Arbeit muss aber eben auch jemand erledigen.

Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben


Ein größeres Problem ist, dass die Einnahmen gewissermaßen zeitverzögert hereinkommen. Die Kosten für Redaktion, Druck, Vertrieb und so weiter fallen schon mal ein halbes Jahr, bevor das Geld aus dem Verkauf in die Kasse kommt, an. Im Frühjahrsprogramm kann man das schon mal mit dem Weihnachtsgeschäft im Rücken überbrücken, aber beim Herbstprogramm kann es schwierig werden.

Reprodukt hat deshalb den Reproklub ins Leben gerufen. Das ist, wie Jutta Harms es formulierte, "Crowdfunding, aber in unserem Stil". Bei dieser Aktion können großzügige Menschen dem Verlag einen Betrag von 300, 500 oder 1.000 Euro zur Verfügung stellen. Dieses Geld wird auf einem Guthabenkonto hinterlegt, und das Mitglied kann nach und nach Reprodukt-Bücher im entsprechenden Gegenwert abrufen. In der Zwischenzeit kann das Geld, wie es so schön heißt, "arbeiten".

Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben
Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Ja kann man denn davon leben


Die Unterstützung durch die Fans sieht auch Mikiko Ponczeck als wichtigen Faktor. Bei ihr, wie bei inzwischen einigen Comiczeichnern, spielt Patreon eine bedeutende Rolle. Auch sie muss die Produktion vorfinanzieren. Ponczeck hat festgestellt, dass sich ihr Fokus ein Stück weit verschoben hat. Was früher "Comics zeichnen und damit Geld verdienen" war, ist heute eher "die Patreon-Unterstützer glücklich machen und aus den Ergebnissen einen Comic produzieren".

Ihrer Erfahrung nach legen die Unterstützer bei Patreon nicht so viel Wert auf eine direkte, unmittelbare Gegenleistung, wie man meinen könnte. Die Förderer wollen meist den Künstler unterstützen und nicht in dem Sinne ein Produkt einkaufen. In ihrer internationalen Fangemeinde komme Kritik wie "Die will nur Geld und liefert dann nichts" praktisch nur von deutschen Lesern. Sobald Mikiko Ponczeck aber eben auch international bekannter wurde, wurden auch die deutschen Fans wieder milder gestimmt. Wenn die Amis sie gut finden, kann sie so schlecht nicht sein, sozusagen.

Flix wusste, wie so viele seiner Zunft, mehr oder weniger schon immer, dass er Comiczeichner sein wollte. Allerdings waren die Summen, die bei seinen ersten Projekten in die Kasse kamen, doch ziemlich desillusionierend. Internet und Patreon waren zu seiner Zeit noch keine realistischen Möglichkeiten. Also wählte Flix eine andere Art der Vorfinanzierung: Seine Comics erschienen zuerst folgenweise in Zeitungen und dann später nochmal gesammelt als Buch.

Er nimmt neben dem Comiczeichnen immer noch auch Illustrationsaufträge an. Allerdings genießt er durch seine Bekanntheit mittlerweile den Vorteil, dass er sich nicht mehr "verbiegen" muss. Wer Flix anfordert, weiß was er bekommt und will auch genau das. Merchandise verkauft sich zwar gut, aber bringt auch viel Kosten und Aufwand. Laut Flix ist das ein schönes Hobby, aber Geld verdient man damit keines.

Alle Panelisten waren sich einig, dass Crowdfunding eine interessante Möglichkeit zur Finanzierung ist. Allerdings sollte erkennbar sein, wer persönlich dahintersteht. Außerdem sollte man kommunizieren, warum und wofür man das Geld einsammeln möchte. Ein großer Verlag bekommt irgendwann Probleme zu erklären, warum er sich Comics vorfinanzieren lassen möchte.

Wer den Überlegungen der Panelteilnehmer direkt folgen möchte, kann sich auf unseren Videomitschnitt der Veranstaltung freuen. Der wird von meinen Kollegen gerade zur Veröffentlichung vorbereitet und bald online sein.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 28.05.2016 - 22:54
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
«« Der vorhergehende Bericht
Ausstellungs-Impressionen: Istanbulles
Der nächste Bericht »»
Impressionen von der Comic-Party