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Satre im Hotel: Künstlergespräch mit Mathilde Ramadier

Zu den diversen Eigenheiten von Jean-Paul Sarte und Simone de Beauvior gehörte es, dass sie sogar den Besitz eines eigenen Zuhauses ablehnten und sich bevorzugt in Hotels einquartierten. Also ist es nur passend, dass auch das Künstlergespräch mit Mathilde Ramadier in einem Hotel stattfand. Und weil im ursprünglich geplanten Raum im NH Hotel kein Beamer zur Verfügung stand, musste man noch kurzfristig in einen anderen Raum umziehen.

Was Mathilde Ramadier mit Satre und de Beauvoir zu tun hat? Die französische Szenaristin hat gemeinsam mit der Zeichnerin Anaïs Depommier eine Graphic Novel über den Philosophen geschaffen, in der auch seine langjährige Gefährtin eine wichtige Rolle spielt. Auf dem Comic-Salon Erlangen, eben im Hotel neben dem Kongresszentrum, stand sie Paul Derouet Rede und Antwort.

Das Gespräch fand auf Deutsch statt, schließlich wohnt Ramadier mittlerweile in Berlin. Paris erwies sich als zu eng, zu stressig und vor allem zu teuer für ein Künstlerleben, und bei Urlauben hatte ihr Berlin durchaus gefallen. Etwas skeptisch sieht sie ihre eigene Anwesenheit im Bezug auf die vieldiskutierte Gentrifizierung: Sie ist ja eine "Zugezogene", auch noch aus dem Ausland.

Ihrer neuen Heimat widmete Mathilde Ramadier übrigens auch einen Comic: Für "Berlin 2.0", erst im Februar in Frankreich erschienen, hat sie sich mit dem spanischen Illustrator Alberto Madrigal zusammengetan. Den hatte übrigens auch die Wirtschaftskrise nach Berlin gezogen. Die Szenaristin betonte ausdrücklich, dass alle Geschehnisse in der Geschichte ihr selbst oder Freunden tatsächlich zugestoßen sind.

In "Rêves Syncopés" erzählen Ramadier und Zeichner Laurent Bonneau von DJ Laurent Garnier und der Geschichte der elektronischen Musik insgesamt. Auch hier kennt die Künstlerin sich aus, schließlich hat sie jahrelang eine französische Radiosendung zu dem Thema moderiert.

Um das große Foto zu sehen, bitte hier klicken!
Kuenstlergespraech: Mathilde Ramadier
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Kuenstlergespraech: Mathilde Ramadier
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Kuenstlergespraech: Mathilde Ramadier
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Kuenstlergespraech: Mathilde Ramadier


Im Zentrum dieser Veranstaltung stand aber die bereits erwähnte Graphic Novel über Jean-Paul Satre. Die nahm den Anfang in Ramadiers Masterarbeit. Die studierte Philosophin befasste sich darin mit Satres Verhältnis zur Psychoanalyse. Für den Philosophen war es geradezu unmöglich zu begreifen, wie ein Mensch nicht vollständig frei sein könnte. Und die Psychoanalyse räumt dem Unbewussten einen großen Einfluss ein.

Um Satres Philosophie zu verstehen, findet Ramadier es wichtig, sich auch mit seinem Leben zu befassen. Dazu möchte sie mit ihrer Graphic Novel Gelegenheit geben, und zwar sowohl "Satre-Neulingen" als auch Experten. Material gibt es zur Genüge. Denn Satre und de Beauvoir waren ziemlich extrovierte Persönlichkeiten, die ihr Leben mit Briefen, Tagebüchern und so weiter ausführlich dokumentierten. Zusätzlich gehörten zu ihrem Freundeskreis weitere Prominente ihrer Zeit wie Pablo Picasso oder Albert Camus.

Die überlieferten Portraits und Fotos erleichterten auf der einen Seite natürlich die Arbeit der Zeichnerin Depommier. Ihr etwas karikaturhaft angehauchter Stil passt gut zur ausdrucksstarken Mimik der Protagonisten. Anstelle mit Tinte wurde für das "Inking" (wenn der Begriff dann noch passt) ein dicker Bleistift verwendet, um eine Art "Vintage Look" zu erzeugen.

Aber gerade die gute Quellenlage verursachte auch viel Recherchearbeit. Schließlich konnten die beiden Künstler sich nicht auf ihre Fantasie berufen, wenn es beispielsweise darum ging, welche Gebäude zu Satres Lebzeiten in Paris wie aussahen, oder welche Autos auf den Straßen fuhren. Für ein falsch zugeordnetes Flugzeug bekamen sie prompt Kritik: Das gezeigte Modell war erst einige Jahre später im Einsatz.

Als Blickwinkel auf Jean-Paul Satre wählte Ramadier seine Beziehungen zu anderen Menschen, insbesondere zu seiner langjährigen "Gerade-nicht-Ehefrau" Simone de Beauvoir. Das Cover ist inspiriert von den typischen Covern des Gallimant-Verlags, in dem auch Satre selbst veröffentlicht. Ihr Gesprächspartner Derouet war übrigens seinerzeit Jean-Paul Satre persönlich begegnet.

Wer mehr wissen möchte, kann sich auf unseren Filmmitschnitt des Künstlergesprächs freuen, der bald folgt. Oder er kann die Graphic Novel kaufen, die diesen Monat bei Egmont Graphic Novel auf Deutsch erschienen ist.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 28.05.2016 - 08:06
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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