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Comic Solidarity präsentiert - Webcomics im Fokus V: Round Table

Zum Abschluss des Programms, das die Comic Solidarity für den Comic-Salon auf die Beine gestellt hat, haben sich noch einmal einige Größen der deutschen Webcomic-Szene zusammengefunden. David Boller (Zampano), Sarah Burrini (Das Leben ist kein Ponyhof), Jeff Chi (Spinken) und Daniel Lieske (Wormworld Saga) unterhielten sich mit Daniel Wüllner (Comicgate, ZEIT online, Tagesspiegel). Jörg Faßbender (Kwimbi) konnte leider nicht an dem Gespräch teilnehmen, da ja auch während dieser Zeit jemand am Stand sein musste.

Zu Beginn erinnerten sich die Künstler zurück, wie es bei ihnen mit den (Web-)Comics begonnen hat. Das lag teils schon länger zurück, im Fall von David Boller beispielsweise bis zum Comic-Salon des Jahres 1986. Die Wormworld Saga hingegen ist "erst" einige Jahre alt. Ein wichtiger Aspekte bei allen war, dass gerade ein Webcomic geringe Einstiegshürden bietet: Man benötigt kaum Startkapital und man kann, wie Jeff Chi es formulierte, "einfach mal was machen".

Als nächstes sprach Daniel Wüllner Formatfragen an. Obwohl das Web technisch viel mehr Möglichkeiten bietet, orientieren sich viele Webcomics am Format der klassischen Zeitungsstrips. Kann es sein, vermutete der Moderator, dass nicht die Geschichte das zu ihr passende Format bedingt, sondern der Künstler das Format verwendet, was er aus der eigenen Comic-Lektüre kennt?

David Boller hat seine Geschichten von Beginn an auf unterschiedliche Formate und auch unterschiedliche Plattformen ausgelegt, um soweit wie möglich von einem Verlag unabhängig zu sein. Bei Sarah Burrini hingegen war das Format gar nicht mal so eine bewusste Entscheidung, da der Ponyhof sich relativ stark organisch (soll heißen, ohne vorab gefassten Plan) entwickelt hat. Die Nutzung von Hypertext hat sich im Webcomic-Bereich kaum durchsetzen können. Responsive Design, also die automatische Anpassung an beispielsweise verschiedene Displaygrößen und -formate, ist bei Webcomics bisher kaum ein Thema, nicht zuletzt weil das Thema auch beim "normalen" Webdesign gerade erst dabei ist sich zu etablieren.

Längst etabliert sind die sozialen Medien. Jeff Chi hat bei der Betrachtung der Kommentare zu seinen Comics festgestellt, dass sich die "virtuelle Szene" durchaus von der "klassischen" Comicszene unterscheidet. Oft liest er Bemerkungen wie "ich habe noch nie Comics gelesen". Das Internet ist viel offener, man erreicht Leute aus komplett unterschiedlichen Bereichen.

Ähnliche Erfahrungen hat David Boller gemacht. Der "Comic-Kuchen" ist begrenzt. Seiner Schätzung nach gibt es rund 15.000 Leser, die alle Comics kaufen (können), die sie interessieren. Viele würden mehr mögen und lesen, wenn sie von wüssten, dass es existiert. Beispielsweise hat David seine Comicversion von Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menscheit" einfach ins Netz gestellt in der Erwartung, die Leute würden es schon finden - und er wurde nicht enttäuscht.

Daniel Lieske bringt seine Einschätzung auf einen einfachen Nenner: Wenn man mit Webcomics etwas wirtschaftlich halbwegs erfolgsversprechendes machen will, ist der Webcomic selbst immer Anreiz für irgendeine Art von Engagement der Leser. Das können Spenden sein, der Kauf einer gedruckten Ausgabe oder von Merchandise oder auch bezahlte Illustrationsaufträge an den Künstler.

Bei den Stichworten "Printversion" und "Merchandise" kommt das Gespräch logischerweise auf Kwimbi. Jörg Faßbender bietet Comickünstlern die Möglichkeit, Printausgaben und Merchandise vorzufinanzieren und die Produkte dann in seinem Shop zu verkaufen. Sarah Burrini kann jedoch aus eigener Erfahrung berichten, dass zumindest für den Ponyhof mit Merchandise nicht das große Geld zu machen ist. Die Produkte seien längst nicht so erfolgreich wie teilweise berichtet. Das Merchandise kann man nur in kleinen Auflagen produzieren, im Endeffekt ist es mehr Liebhaberei. Jeff Chi hat für seinen Comic keinerlei Refinanzierungspläne, da er seinen Lebensunterhalt als Webdesigner verdient. Über die wirtschaftliche Seite der Wormworld Saga hatte Daniel Lieske bereits in einem anderen Panel ausführlich gesprochen.

Ein weiterer Aspekt, der Daniel Lieske wichtig ist, ist die Internationalität. Nur wenn man die ganze Welt als potentiellen Markt hat, ist ein Projekt wie die Wormworld Saga überhaupt denkbar. David Boller sieht das ähnlich. Nahezu auf der ganzen Welt werden in der einen oder anderen Form Comics gelesen. Es ist wichtig, global zu denken. Sarah Burrini wendet jedoch ein, dass man sich dabei leicht verzetteln kann. Auf welchem Twitter-Account postet man jetzt auf Deutsch, auf welchem auf Englisch, und so fort. Der persönliche Kontakt auf Messen und ähnlichen Veranstaltungen, der bei kaum einem Zeichner wirklich globale Maßstäbe annehmen kann, ist für Burrini nach wie vor sehr wichtig.

Außerdem eignet sich nicht jeder Inhalt für jede Ecke der Welt. Ein Funny-Strip beispielsweise stößt nicht nur auf sprachliche, sondern auch auf kulturelle Barrieren. Daniel Lieske ist daher froh, dass sein Werk als epische Fantasy-Story gewissermaßen global "funktioniert".

Zum Abschluss wirft Daniel Wüllner noch die Frage auf, was ein Festival wie der Comic-Salon für Webcomics und Webcomic-Künstler leisten kann. Daniel Lieske vergleicht die Situation mit der in den USA. Auf der anderen Seite des großen Teichs spielen Conventions eine viel größere Rolle als hierzulande. Solche Treffen "funktionieren" in der hiesigen Comickultur offenbar nur in begrenztem Umfang. Allerdings bedeuten viele Conventions auch viele Kosten für Reisen oder Standgebühren. Er ist regelrecht froh darüber, dass er dazu "gezwungen" ist, viel in virtuellen Märkten zu arbeiten. Damit kann er viel besser experimentieren.

David Boller kann berichten, dass in Frankreich Festivals eine große wirtschaftliche Rolle für die Künstler spielen. Aber auch bei Veranstaltungen in der Schweiz, etwa in Genf oder Zürich, bringen die Besucher viel Kaufkraft mit. Beim Comic-Salon, aber auch beispielsweise in Angouleme kommt er typischerweise plus-minus Null heraus, auch bei guten Verkäufen, da die Kosten relativ hoch sind.

Angouleme und Webcomics sind ein ganz eigenes Thema, oder besser gesagt, eigentlich kein Thema. Denn das berühmte Festival konzentriert sich auf die großen Verlage und will, so Boller, mit Webcomics am liebsten gar nichts zu tun haben. Deshalb hat sich seit einigen Jahren das FestiBlog als eine Art Gegenentwurf etabliert. Für Jeff Chi ist auch wichtig, dass Messen andere Nischen als das klassische "Heft auf Tisch legen und verkaufen" ermöglichen, beispielsweise Lesungen.



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Bericht vom: 05.08.2014 - 01:57
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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