SplashpagesSplashbooksSplashcomicsSplashgamesComicforumImpressumEntertainweb


In der Datenbank befinden sich derzeit 41 Events. Alle Events anzeigen...
Specials Eventspecials

Comic Solidarity präsentiert - Webcomics im Fokus: Foto-Webcomics

Comic Solidarity ist noch ein ziemlich neuer Name in der Szene. Das hat die Netzwerker jedoch nicht daran gehindert, ein beachtliches Programm für den Comic-Salon zu organisieren. Am Donnerstag, Freitag und Samstag finden insgesamt fünf teils mehrstündige Panels statt.

Beim ersten davon wurden drei durchaus unterschiedliche Projekte vorgestellt: Tim Wöhrle (Erdinani) und Arne Schulenberg (Union der Helden) gaben einen Überblick über Foto-Webcomics. Der brasilianische Journalist Augusto Paim erzählte, wie er seine Reportagen als interaktive Comics gestaltet. Und Daniel Lieske warf einen Blick auf seine Wormworld Saga, diesmal vor allem unter finanziellen und Marketing-Aspekten.

Den Anfang machten gewissermaßen die Abkömmlinge der Bravo Foto-Lovestory. Denn die meist eher belächelten Geschichten aus der Jugendpostille können, wie Wöhrle und Schulenberg erzählten, als "Urmutter" aller Fotocomics im deutschsprachigen Raum gelten.

Die heutigen "Nachkommen" lassen sich unter verschiedenen Gesichtspunkten klassifizieren. Es gibt beispielsweise einerseits fotorealistische Fotocomics, die die Aufnahmen weitgehend unbearbeitet verwenden, nur Sprechblasen oder andere Texte einfügen. Das andere Ende des Spektrums sind Comics mit umfangreich bearbeiteten Fotos, die teilweise mehr als "klassische" Zeichnungen als an Fotografien erinnern.

Eine weitere Möglichkeit zur Einteilung sind unterschiedliche Erzählstrukturen. Einige der Künstler erzählen eine lang angelegte Geschichte, die sich mit der Zeit entwickelt. Andere zeigen mehr kurze "slice of life"-Episoden aus dem Alltag, oft autobiographisch. Die dritte Klassifizierung, die die beiden Comickünstler erwähnen, bezieht sich sozusagen auf die Klassifizierung der Darsteller. Während einige Foto-Webcomics mit "echten Menschen" arbeiten, verwenden andere Puppen oder auch Actionfiguren.

Danach unternahmen Wöhrle und Schulenberg einen kurzen Rundgang durch die Geschichte der Foto-Webcomics seit dem Jahrtausendwechsel. Das wohl älteste Projekt dieser Art ist "A softer world" der Kanadier Joey Comeau und Emily Horne, das 2003 gestartet wurde. Die beiden verwenden gar keine Darsteller, sondern kombinieren Aufnahmen etwa von Räumen mit einigen kurzen Sätzen. 2005 begann "Tiny Ghosts" nach einem ähnlichen Prinzip. Der Künstler hinter diesem Projekt möchte anonym bleiben und nicht in Erscheinung treten.

Regelrecht im Zentrum steht der Niederländer Ype Driessen in seinem Comic, der aus dem "Life of Ype" berichtet. Er könnte der kommerziell erfolgreichste unter den Foto-Webcomicern sein. Inzwischen produziert er mehrere verschiedene Reihen sowie kleine Filme und Print-Bände. Seit 2007 arbeitet Driessen hauptberuflich an diesen Projekten.

Die wohl erste fiktionale Geschichte aus diesem Bereich ist das 2005 gestartete "Dark Red", das allerdings seit 2009 eine schöpferische Pause einlegt. Die Abenteuer von Sarah MacAllister werden als "urban fantasy and supernatural webcomic" beschrieben. Ebenfalls fiktional, aber nach teilweise sehr bekannten Vorbildern, sind die Geschichten von "DM of the Rings" von Shamus Young und das davon inspirierte "Star Wars: Darths and Droids". Beide nehmen Screenshots aus den bekannten Filmen als Vorlage, in denen eine Gruppe von Rollenspielern agieren. Die haben aber von Tolkien beziehungsweise von Star Wars keine Ahnung. Es kann ganz schön nervenaufreibend für die jeweiligen Spielleiter (Dungeon Master, DM) sein, die Ideen ihrer Spieler mit dem, wie die Geschichten eigentlich verlaufen "sollten", unter einen Hut zu bringen.

Als ersten Foto-Webcomic im deutschsprachigen Raum startete Marc Seestaedt seine autobiographischen "Lifestrips", als er 2008 nach Berlin zog. Im selben Jahr begann einer der beiden Vortragenden, nämlich Arne Schulenberg, seine "Union der Helden" über ein Paralleluniversum, das wie unseres ist - mit dem Unterschied, dass dort Superhelden und die dazugehörigen -schurken agieren. Dieses Projekt hat inzwischen so einige Aufmerksamkeit gefunden. Beispielsweise bezog Schulenberg die tatsächlich stattfindende Sanierung des "Dortmunder U", des alten Turms der Unions-Brauerei, in seine Geschichte mit ein. Daran fand der künstlerische Leiter des U-Turms Gefallen, und eine Kooperation begann. Das führte sogar soweit, dass der tatsächliche Oberbürgermeister von Dortmund, bevor er den renovierten Turm eröffnete, Schulenbergs Superhelden für ihre Taten ehrte. Man könnte also sagen, der OB hatte einen Cameo-Auftritt.

Ganz anders ist der Ansatz von Seth Kushners "CulturePOP". Der Journalist führt Interviews, fotografiert dabei und produziert daraus Fotos-Comics. "Surviving the world" hat sich große Ziele gesetzt. Professor Lucas Landherr aka Dante J. T. Sheperd gibt darin "daily lessons in science, literature, love and life".

Auch das aktuelle Projekt des anderen Vortragenden wird vorgestellt. Tim Wöhrles "Eridani", ursprünglich als Hörspielprojekt geplant, ging im November 2013 an den Start und bietet "SciFi Horror aus Berlin". Ein gewichtiger Teil der Arbeit an den Foto-Comics ist der Bau von Requisiten. So kann aus einer einfache Wasserpistole schon mal eine Laserkanone werden. Dafür spart man sich die (realen) Hintergründe: Die Darsteller agieren vor einer Greenscreen, in die später computergenerierte Locations eingefügt werden.

Zum Abschluss dieses Teils werden noch zwei Foto-Webcomics vorgestellt, die sozusagen mit künstlichen Darstellern arbeiten. "Alien loves Predator" von Bernie Hou kehrt die traditionelle Feindschaft der beiden außerirdischen Rassen mal eben ins Gegenteil um. Da sitzt eine Predator-Figur schon mal mit der Zeitung auf dem Sofa, und das Alien bringt ihm ein Sandwich mit. Brendan Powell Smith erzählt in "The Brick Testament" mal eben die Bibel nach - mit Lego-Figuren. Als nächste Projekt geht er die Geschichte der ermordeten Präsidenten der USA an. Action Figures verwendet Mick Baltes in seinen "Action Figure Comics". Dabei steckt er ziemlichen Aufwand in Nachbauten der Locations im entsprechenden Maßstab. Interessanterweise gelingt es Baltes, den eigentlich unbeweglichen Gesichtern der Figuren mit unterschiedlichen Blickwinkeln, Beleuchtungen und so weiter regelrechte Mimik zu verleihen.

Links:
Erdinani
Union der Helden
A softer world
Tiny Ghosts
Life of Ype
Dark Red
DM of the Rings
Star Wars: Darths and Droids
Lifestrips
CulturePOP
Alien Loves Predator
The Brick Testament
Memento Mori

Wir haben auch diese Veranstaltung mitgefilmt und werden den Film hier anfügen, sobald die Kollegen das Material aufgearbeitet haben. Update: Der Film ist nun online.

Die beiden anderen Teile des ersten Panels findet Ihr zur besseren Übersicht in eigenen Berichten, nämlich hier zum Thema Comic-Journalismus und hier zum Thema Finanzierung der Wormworld Saga.



Der Filmmitschnitt direkt zum Anschauen
Code zum Einbetten dieses Videos in Eure Website:
Daten dieses Berichts
Download als MP3-Datei: Download - 51.87 MB (468 Downloads)
Direkt anhören:
Bericht vom: 24.06.2014 - 14:35
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
«« Der vorhergehende Bericht
Künstlergespräch mit Michel Kichka: Ãber "2. Generation. Was ich meinem Vater nie gesagt habe" (Egmont)
Der nächste Bericht »»
Comic-Solidarity präsentiert - Webcomics im Fokus: Comic-Journalismus