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Künstlergespräch mit Michel Kichka: Über "2. Generation. Was ich meinem Vater nie gesagt habe" (Egmont)

Auch wenn Michel Kichka hier einen Comic über die Folgen des Zweiten Weltkriegs gemacht hat: Inhalt und Blickwinkel sind anders, als man erwarten würde. Denn wie der Titel schon nahelegt, geht es Kichka um die 2. Generation, die Kinder derjenigen, die im Krieg waren bzw. direkt von ihm betroffen waren. In Kichkas Fall sieht es so aus, dass sein Vater und viele weitere Verwandte im KZ waren. Sein Vater hat überlebt, viele Verwandte nicht.

Über das Leid der KZ-Häftlinge brauchen wir hier nicht reden, aber Kichka wollte kein „Maus 2“ machen, sondern für die Kinder derjenigen Generation sprechen - für alle, die mit dem endlosen Reden der Eltern über ihr Leid, mit dem endlosen Schweigen, mit den Familiengeheimnissen aufgewachsen sind. Und zwar auf allen Seiten und Nationen. Und er persönlich habe sehr darunter zu leiden gehabt, dass der Vater sein eigenes Leid immer für das größte von allen gehalten hat – niemand habe mehr gelitten als er selbst. Kichka führt sogar den Selbstmord seines Bruders darauf zurück, wie der Vater mit seinem Leid umgegangen ist.

Die Idee für den Comic kam Kichka schon sehr früh; eines Nachts träumte er sogar so realistisch davon, diesen Comic zu zeichnen, dass er beim Erwachen völlig überrascht war, keine fertigen Seiten vorzufinden. Jahrelang trug er sein Vorhaben im Hinterkopf mit sich herum und fing schließlich an, allen von seinem Vorhaben zu erzählen – ohne allerdings tatsächlich jemals mit der Arbeit zu beginnen, bis seine Frau ihn schließlich unter Druck gesetzt hat und ihm vorhielt, immer davon zu sprechen ohne es tatsächlich zu machen. Entweder solle er mit dem Comic anfangen oder aufhören davon zu reden. Und ihrer Meinung nach würde er diesen Comic niemals machen. Das brachte Kichka dazu, endlich mit der Arbeit zu beginnen.

Kichka hatte Sorgen, was sein Vater von dem Buch halten würde, da er in dem Comic nicht besonders positiv dargestellt werden würde. Schließlich kam er zu dem Schluss, dass es ihm egal sein würde, was sein Vater davon halten würde, da ihm das Projekt zu wichtig war. Allerdings wollte er auch nicht das „Image“ seines Vaters zerstören, sondern ihm ein menschliches Gesicht geben: Kichkas Vater war an vielen Schulen, um von seinen Erlebnissen zu erzählen, und war auch sehr häufig mit Schulklassen in Ausschwitz. Für die Schüler war Vater Kichka ein Held und hoch angesehen, während Michel Kichka ihn selbst ganz anders erlebte.

Als sein Vater den fertigen Comic zum ersten mal las, war er schockiert (was er Michel Kichka allerdings nicht persönlich erzählt hat), aber mittlerweile mag er den Comic und ist stolz darauf und froh, dass sein Sohn ihn gemacht hat.

Update: Nun ist auch der Videomitschnitt der Veranstaltung online. 



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Bericht vom: 22.06.2014 - 10:24
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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