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Update: ICOM Preisverleihung 2014
In der Presse wird bei großen Preisverleihungen immer gerne von einem "Abräumer des Abends" gesprochen. Das ist natürlich nur Effekthascherei und lässt die übrigen Preisträger allzu oft schnell in Vergessenheit geraten. Von Letzterem mal abgesehen, dürfte der "Abräumer des Abends“ bei der ICOM-Preisverleihung 2014 ganz klar der Verlag rotopolpress sein. Gerade weil bei allen drei Preisen lediglich der Verleger Michael Meier zugegen war, zeigte diese doch, dass man bei dem strebsamen Indieverlag nicht mit dieser Flut an Belobigungen gerechnet hat.

Doch zurück zum Anfang. Mit einiger Verspätung und etwas wenig Koordination startete die diesjährige Preisverleihung im vollgefüllten Rathaussaal, wo einige Gäste sogar Platz auf dem Boden nahmen, um der kurzweiligen Veranstaltung beizuwohnen.

Die ICOM-Jury bestand in diesem Jahr aus Gerhard Schlegel (Laska Comix), Anne M. Delset (Autorin/Journalistin Manga), Harald Havas (Journalist, Autor), Frauke Pfeiffer (Comicgate) und Burkhard Ihme. Letztgenannter führte als Vorsitzender des ICOMs durch die Veranstaltung. Nach einem kurzen Rückblick auf 20 Jahre Interessenverband Comic e.V. und auf die diesjährige Masse an eingereichten Comics ("um die 100 Stück, ohne Webcomics") begann die Preisverleihung mit dem "Sonderpreis der Jury für besondere Leistungen“. 2013 erhielt der Comic Clash diese Auszeichnung und Stefan Hartung alias "aha" übernahm als letztjähriger Preisträger die Bekanntgabe. Sarah Burrini erhielt für ihre Vorreiterrolle bei Webcomics und für das gesamte Ponyhof-Gesamtkonzept den Preis, so die Kurzfassung der von Havas vorgelesenen Laudatio. Burrini zeigte sich nach einem lautstarken Beifall des Publikums sichtlich gerührt, hatte sie doch nach eigener Aussage nicht mit dem Preis gerechnet und sich ohne festes Ziel beim ICOM beworben.

Den "Sonderpreis für eine bemerkenswerte Comicpublikation" erhielt das Kieler Gratis-Magazin "Pure Fruit #6". Die Crew war in großer Anzahl anwesend und nahm den Preis auch für die übrigen zahlreichen beteiligten Künstlern entgegen. Ausgezeichnet wurde Pure Fruit für die kontinuierliche Leistung und die konsequente Fortsetzung der idealistischen Gratis-Comics. Explizit ausgewählte wurde die sechste Ausgabe, wo alle Storys nachkochbare Rezepte beinhalten, die durchgängig mit einem direkten Farbkonzept versehen sind.

Der Preis für "Herausragendes Artwork" ging an Thomas Wellmann für seinen quietschbunten Comic "Pimo & Rex", erschienen bei rotopolpress. Hier zeigte sich die ICOM-Jury etwas irritiert, als statt Wellmann der Herausgeber Michael Meier zur Übergabe der Urkunde und des Preisgeldes schritt. Vorher schilderte Frauke Pfeiffer noch die Beweggründe, die zur Preisvergabe führten. Sie sprach unter anderem von einer erkennbaren "Lust am Zeichnen".

Der Auftritt von Michael Meier zeigte noch einmal die Besonderheit der ICOM-Preisverleihung. Die Jury vermittelte einen relativ unvorbereiteten Eindruck, wobei dies vieleicht auch lediglich so gewollt war. Burkhard Ihme hatte den gesamten Ablauf im Griff. Die Veranstaltung  war durchweg locker gestaltet, ohne feste Redezeiten und Vorgaben. Dies kam auch beim Publikum gut an, welches zahlreiche Äußerungen der Jury und natürlich die Preisvergabe mit viel Applaus begleitete.

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"Die Schönheit des Scheiterns" von Andreas Eikenroth wurde mit dem Preis für ein "Herausragendes Szenario" ausgezeichnet. Eikenroth sagte, dass er einen Comic machen wollte, wie er ihn gerne selber lesen würde. Zumal wollte er der Veröffentlichung aus dem Hause Edition 52 nicht dem Stempel Graphic Novel verpassen, da diese in der Regel nur über "Krankheiten, Krieg und Literaturadaptionen" handeln.

Den Preis für den besten Kurzcomic 2014 erhielt Tim Gaedke für seinen 24 seitigen Comic "Tesserakt", der laut Jury "verrückt und wie aus dem Leben gerissen" ist. Gaedke zeigte sich ebenfalls sehr überrascht über die Preisverleihung und fand nur wenige Worte bei seiner Danksagung.

Bevor der Hauptpreis "Bester Independent Comic" vergeben wurde, bekamen noch folgende Comics eine "Lobende Erwähnung": Anders (Edition Kwimbi), Hinter den Sieben Burgen (jaja Verlag), Cocobug (jaja Verlag) und Heimdall (rotopolpress). Harald Havas schilderte anschließend noch kurz seine Gedanken für die diesjährigen Entscheidungen. So zeigte er einen extrem schwierigen Prozess der Nominierung mit langen Diskussionsrunden der Jury auf. Schlussendlich kam er zu dem Fazit, dass zwar weiterhin viele Publikationen eingereicht werden, diese aber mitunter grafisch ansprechend, aber inhaltlich doch etwas langweilig seien. Eventuell sollten die deutschen Künstler über die Kombination "Autor+Zeichner" nachdenken, was in anderen Ländern im Allgemeinen den Regelfall darstellt.

Mit 500€ dotiert, wurde nun der Preis für den "Besten Independent Comic" vergeben. Vom letztjährigen Preisträger "Das UPgrade" war niemand anwesend, so dass die Jury selber den Umschlag öffnete. "Lescheks Flug" von Sebastian Stamm erhielt den Preis und wieder kam Herausgeber Michael Meier nach vorne. Schade, dass kein Künstler der ausgezeichneten rotopolpress-Comics zugegen war.

Zu guter Letzt wechselte die Jury die Plätze mit dem Komitee des Kurt-Schalker-Preises "Lebensfenster - Preis für grafisches Blogen". Johannes Kretzschmar verlaß die skurrile Laudatio, welche die Findung des Preisträgers beschrieb. 2014 erhielt "Pete´s Daily" von Dominik Wendland den Lebensfenster-Preis. Der Webbloger hatte, wie die Künstler zuvor, nicht mit dem Preis gerechnet und bedankte sich bei der Jury.

Anlässlich des 20jährigen Jubiläums hat der ICOM zudem eigens ein Plakat drucken lassen, welches alle Preisträger abbildet und gratis am Ende der Veranstaltung verteilt wurde. Restexemplare sind sicher noch am ICOM-Stand erhältlich.


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Bericht vom: 26.06.2014 - 11:13
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Christian Recklies
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