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Comics 2.0 – Vom Totholzmedium zum E-Book-Reader-Content

Zum Thema E-Comics und Web-Comics unterhielten sich direkt am ersten Messetag Eve Jay und Lukas Wilde von Comic Solidarity, Ronald Schäffer von Panini, Daniel Lieske (Wormworld Saga), Felix Mertikat (Steam Noir), Michael Scheuerl von Filmtank und David Boller von Zampano / Virtual Graphics mit Moderator Lars von Törne über die unterschiedlichen Ansätze und Möglichkeiten, Comics ins Netz zu bringen - oder vom Netz aufs Papier, in den E-Book-Reader und aufs Handy/Tablet.

Zur Abgrenzung definierte Lars von Törne den Unterschied zwischen E-Comics und Web-Comics: E-Comics meinen allgemein "elektronische" Comics, die man zum Beispiel herunterladen und dann auf seinem Endgerät konsumieren kann, Web-Comics sind hingegen die klassischen, im Netz veröffentlichten Comics, die ggf. laufend mit neuen Seiten aktualisiert werden. In dem Sinne ging es hier hauptsächlich um E-Comics, die aber natürlich völlig unterschiedlich daher kommen können.

Panini zum Beispiel erstellt E-Comics, indem sie Druck-PDFs als Vorlage verwenden und diese elektronischen Daten in ein für den Reader lesbares Format umwandeln. Diese E-Comics sollen dann online einer breiteren Masse günstig zur Verfügung gestellt werden. Das ist die wohl simpelste Methode, Comics ins Netz zu bekommen, allerdings wird man mittlerweile mit einer so hohen Auflösung der Endgeräten konfrontiert, dass ein "normales" Druck-PDF (oder auch Offset-Druck) von der Auflösung her nicht mehr als Vorlage ausreicht.

Felix Mertikat geht mit seinem neuen Projekt Netwars ganz andere Wege - dieser Comic wird explizit als digitales Produkt erstellt, was mit Hilfe einer 3D-Technik sehr aufwändig produziert wird, quasi als 3D-Film mit zweidimensionalen Bildern, durch die man sich hindurchklicken bzw. -wischen kann. Will man so einen Comic dann allerdings irgendwann mal zu Papier bringen, hat man das Problem, unterschiedliche Panelgrößen sinnvoll unterbringen zu müssen. Damit musste sich auch Daniel Lieske mit der Wormworld-Saga auseinandersetzen. Für diesen Comic hat er mit dem Format Infinite Canvas gearbeitet, er hat seinen Comic also auf der unendlichen Leinwand untergebracht, so dass man beim Lesen immer nach unten scrollt statt sich weiter zu klicken. Das passendste wäre also gewesen, das Ganze als vertikale Schriftrolle zu drucken und nicht in Buchform, aber da spielen die Layouter und Druckvorgaben nicht mit. Schade eigentlich! So musste also sein Comic geradezu in Scheiben geschnitten werden, um in Buchform gebracht werden zu können.

Gut - dass sich elektronische Comics nicht immer ohne Weiteres aufs Papier bzw. in Buchform bringen lassen können, ist klar. Ironischerweise beinhaltet das aber unter Umständen auch, dass sie sich auch nicht mal eben auf jedem Gerät darstellen lassen. In Fällen wie bei Netwars oder auch Wormworld Saga müssen praktisch für jedes Endgerät spezielle Apps programmiert und gepflegt werden, was wiederum zu einem erhöhten Aufwand führt, und die Künstler für die weitere Verbreitung ihres Comics erstmal Geld ausgeben müssen, bevor sie darauf hoffen können, dass vielleicht auch wieder welches hereinkommt.

Das bringt uns direkt zum nächsten Thema. Wie kann man mit E-Comics Geld verdienen? Natürlich zum einen, wie bei vielen Webcomics, durch Werbepartner und Anzeigen auf den Webseiten. Zum anderen, ganz klar, in dem man sein Webcomic irgendwann zu Papier bringt und als klassischen gedruckten Comic verkauft. In dem Fall hat man den Vorteil, dass Buch- und Comichändler dabei mithelfen, den Comic zu verkaufen, da sie daran ja mitverdienen. Will man den Comic in elektronischer Form zu Geld machen, steht man erstmal alleine da, da ja praktisch niemand als Zwischenhändler auftritt und auch App-Stores keine Werbung machen. Das bedeutet für den Künstler einen großen Aufwand für den Vertrieb.

Nun hat der typische Comicleser ja nicht nur einen Band im Regal, sondern oft eine ganz ansehnliche Sammlung. Wie sammelt man denn E-Comics? Geht das überhaupt? Und was sammelt man genau? Kauft man den Comic oder erhält man nur eine Leseberechtigung, und das ggf. nur auf einem Gerät, und vielleicht auch nur so lange, wie dieses Gerät funktioniert? Für diese Fragen gibt es im Prinzip noch keine Antworten, da sie auch juristisch offenbar noch nicht geklärt sind. Natürlich gibt es Leser, die nur deshalb auch E-Comics umsteigen, weil sie keinen Regalplatz mehr haben. Ronald Schäffer hat erzählt, dass Panini mit seinen E-Comics ganz neue Zielgruppen erreichen und erschließen möchte und sie also gar nicht unbedingt die klassischen Comicleser/-sammler ansprechen wollen. Eve Jay ist der Ansicht, dass sich das klassische Sammeln in "Teilen" umwandelt und öffentlich stattfindet, zum Beispiel über Badges die angezeigt werden (ich vermute, ähnlich wie gesammelte Achievements in Videospielen). Oder aber man definiert sich über Sekundärartikel als Sammler, z.B. indem man weiteres Merchandise kauft.

Abschließend stellte Lars von Törne die Frage in den Raum, ob die ganzen Gadgets bei E-Comics (also bewegte Elemente, Töne, Flash-Elemente etc.) wirklich sinnvoll sind oder eigentlich nur beim Lesen stören. Felix Mertikat benutzt bei Netwars so etwas, um eine spezielle Atmosphäre zu schaffen und den Lesefluss zu beschleunigen. Ein Vorteil ist auch, dass man z.B. nur einzelne Panels zeigen kann um nichts vorweg zu nehmen (so dass man nicht wie in gedruckten Comics das Problem hat, dass Überraschungsmomente am besten erst nach dem Umblättern kommen). Außerdem kann man im Netz seinen Comic mit Hilfe von Gadgets im Prinzip nach seinen ganz eigenen Vorstellungen kreieren und ist nicht an die Limitationen einer Buchveröffentlichung gebunden und kann so unter Umständen viel künstlerischer agieren (siehe einen E-Comic über Mozarts Zauberflöte, in der stellenweise auch Musik vorkommt). Weiterhin ist natürlich auch Barrierefreiheit ein Pluspunkt - so lässt sich theoretisch mit einem Klick eine andere Sprache einschalten oder die Schriftgröße ändern. David Boller hat von Comixology berichtet, einem E-Comic-Portal, wo es eine große Software-Lösung zum Anschauen der Comics gibt, in der man viele eigene Einstellungen machen kann, z.B. wie die Panels ineinander übergehen zu lassen und in welchem Tempo sie das tun.

Abschließend kamen noch ein paar Fragen aus dem Publikum zur Sprache: Wird es ggf. auch bald Datenträger für Comicsammlungen zu kaufen geben, etwa ganze Comicreihen auf DVD? Panini zumindest plant so etwas nicht für Deutschland, da sie keinen genügend großen Absatz darin vermuten. Wie sieht es aus mit Verleihrecht, etwa über Bibliotheken, ähnlich wie bei E-Books? Hierzu gab es keine wirkliche Antwort, aber Ronald Schäffer hat eingegrenzt, dass Panini jedenfalls keine freie Verteilung will, er persönlich aber kein Problem damit hätte, solange die "Verleihexemplare" begrenzt sind. Zur Frage, ob auch für klassische schwarz-weiße E-Book-Reader Content verfügbar sein wird (so wie z.B. Manga), wurde leider allerorts geschwiegen, sieht also erstmal nicht danach aus…

Wir haben auch diese Veranstaltung mitgefilmt und werden Euch hier das Video präsentieren, sobald die Kollegen vom Schnitt das Material aufgearbeitet haben. Update: Der Film ist nun online.

PS: In einer früheren Ausgabe dieses Artikels hatte ich fälschlicherweise geschrieben, dass Panini gedrucktes Material einscanne um es online zu stellen. Das stimmt so nicht, dabei wäre die Qualität sehr schlecht. Ich entschuldige mich für die Fehldarstellung.



Der Filmmitschnitt direkt zum Anschauen
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Bericht vom: 24.06.2014 - 13:54
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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