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Drei Chefredakteure und eine Institution in der Comicszene - 15 Jahre neues ZACK

Wohl jeder, der einige Zeit in der Comicszene unterwegs ist, kennt das. Man steht auf irgendeiner Veranstaltung zusammen und spinnt ein wenig vor sich hin: Man könnte doch eigentlich mal... einen eigenen Comic zeichnen, einen eigenen Kleinverlag gründen, ein eigenes Magazin herausbringen und so weiter. Meist bleibt es beim Konjunktiv. Gelegentlich folgen dem "könnte" dann aber doch Taten, und manchmal entsteht so eine Institution in der Szene neu. Über einen dieser Ausnahmefälle, nämlich das Magazin ZACK, unterhielten sich Herausgeber Klaus D. Schleiter, die ehemaligen Chefredakteure Martin Jurgeit und Mark O. Fischer sowie der aktuelle Chefredakteur Georg F. W. Tempel mit Moderator Bernd Glasstetter.

In den 1970er Jahren war ZACK aus dem Koralle Verlag ein wichtiges Medium für die deutsche Comicszene. 1980 wurde das Magazin jedoch eingestellt, und es folgte eine jahrelange Pause. Auf der Frankfurter Buchmesse 1998 unterhielten sich dann Klaus D. Schleiter, seit 1991 Herausgeber der ihrerseits legendären Zeitschrift MOSAIK, und Martin Jurgeit, der seit einigen Jahren freiberuflich für verschiedene Verlage und Magazine schrieb. Eigentlich, waren sich die beiden einig, bräuchte die Szene ein Comicmagazin. Es gab doch mal eines, eben das ZACK, ob man das vielleicht wiederbeleben könnte?

Dass es in der Folge nicht bei einer Messespinnerei blieb, ist nicht zuletzt auch Eckart Schott zu verdanken. Der veröffentlichte in seinem Verlag Salleck Publications die Albenversionen einiger Serien, die zuvor im ZACK gelaufen waren. Dafür hatte er die Erlaubnis von Koralle, mit Aufklebern auf den Alben auf die Herkunft aus dem Magazin hinzuweisen. Schott vermittelte Schleiter und Jurgeit den Kontakt zum Koralle Verlag, der damals bereits schon nicht mehr so hieß und einige Zeit später komplett eingestellt wurde. Da der Verlag aber eine hundertprozentige Springer-Tochter war, konnte man mit dem Konzern über die Nutzung des Namens "ZACK" verhandeln.

Den wollte Springer zunächst nur als Lizenz vergeben und nicht komplett abtreten, da man die Marktchancen des wiederbelebten Magazins skeptisch sah. Nichtsdestotrotz brachten Schleiter, Jurgeit und ihre Mitstreiter im Juli 1999 das erste "neue" ZACK in die Läden. Welchen Schwerpunkt damals die "Ära Jurgeit" hatte, kann der erste Chefredakteur selbst nicht so genau sagen. Insbesondere in den ersten Ausgaben habe man vor allem experimentiert, um eine "Stimme" für das Magazin zu finden. Am "alten" ZACK wollte man sich dagegen bewusst nicht orientieren, da man nicht glaubte, gegenüber den schon nostalgisch eingefärbten Erinnerungen der Leser bestehen zu können. Später zeigte sich jedoch, dass sich einige Anleihen an das Koralle-ZACK nicht vermeiden ließen. Beispielsweise enthielten die ersten Hefte noch eine Strecke in schwarz/weiß, die, so Jurgeit, allerdings Lesern ab einem gewissen Alter nicht mehr zu vermitteln war. Stolz ist er darauf, doch einigen Stoffe und Serien mit seiner Arbeit zu höherer Bekanntheit in Deutschland verholfen zu haben.

Die Frankfurter Buchmesse ist nicht nur wegen des "Gründungsgesprächs" zwischen Klaus D. Schleiter und Martin Jurgeit eng mit dem neuen ZACK verbunden. Denn im Jahr 2000 wurde das Comiczentrum in Halle 3.0 eingeführt, ein Schwerpunkt, an dem man die Verlage der Branche sammelte und auf einer eigenen Bühne Veranstaltungen präsentierte - eben dort, wo auch dieses Gespräch stattfand. ZACK war damals ebenfalls noch ziemlich neu wieder da, und so entstanden Überlegungen, ob man nicht gemeinsam etwas auf die Beine stellen könnte. Auch diese "Könnte man nicht..."-Gespräche trugen tatsächlich Früchte, nämlich die "ZACK-Zeitung". Dieses kleine Heft erschien an jedem Tag der Messe, quasi als Programmheft. Was die Beteiligten bis heute erstaunlich finden, sie schafften es, das Heft für den jeweils nächsten Tag auf der Buchmesse selbst zu produzieren. Kaum schloss die Messe am Abend ihre Tore, wurden die Druckdaten mit dem Taxi in die Druckerei gebracht, damit am Morgen die neue Ausgabe auch bereit lag. An einen Transport über das Internet war damals noch nicht zu denken: Alleine die Druckdaten bei den damaligen Geschwindigkeiten zu übertragen, hätte locker den gesamten folgenden Messetag gedauert... Natürlich waren schon damals Teile des Inhalts vorproduziert, aber rund ein Viertel bis ein Drittel der Ausgaben sind tatsächlich vor Ort auf der Buchmesse geschrieben und produziert worden. Aus diesen Anfängen entstand das Programmheft, das bis heute jedes Jahr das Comiczentrum auf der Frankfurter Buchmesse begleitet und der Septemberausgabe von ZACK beiliegt.

Zwei weitere enorm wichtige Mitarbeiter waren von Beginn der "Neubelebung" an Martin Surmann und Mirko Piredda. Surmann spielte vor allem durch seine Arbeit als Lektor und seinen Überblick über den Comicmarkt in Frankreich eine wichtige Rolle, Piredda kümmerte sich als stellvertretender Chefredakteur um Lizenzverhandlungen, Layout, Lettering, Vertrieb und Marketing. Nach dem Ausscheiden von Martin Jurgeit wurde Martin Surmann sein Nachfolger als Chefredakteur. Leider konnte Martin Surmann nicht bei dem Gespräch im Comiczentrum anwesend sein. Quasi stellvertretend erinnerte sich Michael Marschall, langjähriger Leser und mittlerweile auch schon lange Mitwirkender, an diese Periode in der Geschichte des neuen ZACK. Surmann führte zunächst im Wesentlichen die Linie von Jurgeit fort, bis zur Ausgabe 101. Dann starteten gleich drei neue Serien im Magazin mit jeweils 15 Seiten. Nach drei ZACK-Ausgaben war also ein Comicalbum komplett. Druckte man bisher vor allem Comics, deren Albenrechte bei anderen Verlagen lagen, kamen nun vor allem "exklusive" Serien ins Magazin. Ein neuer Schwerpunkt wurden Serien, die erst später oder auch gar nicht als einzelne Alben erschienen.

Martin Surmann wiederum wurde von Mark O. Fischer abgelöst, der mit seinem Verlag Epsilon bereits im Comicbereich aktiv war. Der neue Chefredakteur versuchte, mit einem Mix verschiedene Interessen in der ZACK-Leserschaft abzudecken. Gleichzeitig liegen in dieser Zeit die Anfänge der ZACK Edition. Die Überlegung war relativ einfach: Konnte man vorher Übersetzungen, Lettering und so weiter von den Verlagen einkaufen, die die Albenversion herausbrachten, musste man bei "exklusiven" Serien diese Arbeiten selbst erledigen. Warum dann nicht auch selbst eine Albenversion herausbringen? Gesagt, getan, eben in der ZACK Edition.

2008 kam es zum nächsten Wechsel in der Chefredaktion. Georg F. W. Tempel war bei Egmont ausgeschieden, wo er unter anderem das Manga-Label EMA mit aufgebaut hatte. Als Klaus D. Schleiter ihm vorschlug, doch zum ZACK zu kommen, musste Tempel nicht lange überlegen. Immerhin war er selbst ein Kind der damaligen "ZACK-Generation" und hatte schon 1989/90 versucht, den Namen für den "Comicspiegel" des Rainer Feest Verlags zu bekommen, was damals noch am Finanziellen scheiterte. Nun war er quasi auf Umwegen doch beim ZACK gelandet.

Seit der Übernahme durch Tempel wird die bisherige Strategie konsequent fortgeführt und ausgebaut. Es gibt keine Vorveröffentlichung von Serien aus anderen Verlagen mehr, sondern nur noch exklusive Stoffe. Außerdem wurde die Nummerierung mittlerweile auf ein Jahresformat umgestellt, auf Nummer 127 folgte die Ausgabe "2/2010 (#128)".

Nun wandte sich das Gespräch der ZACK Edition zu. Die ist nämlich, allen anderslautenden Gerüchten zum Trotz, nicht etwa eingestellt. Allerdings hat man die Frequenz der Veröffentlichungen reduziert. Denn im Gegensatz zu früheren Jahren lässt sich pro Album nur noch eine geringere Auflage verkaufen. Die Kosten für Übersetzung, Lettering und so weiter reduzieren sich aber natürlich nicht gleichermaßen. Da muss man als Verlag aufpassen, dass sich das Ganze noch rentiert, daher wird die Veröffentlichung gewissermaßen "gestreckt".

Ergänzt wird die ZACK Edition durch die Abenteuer des Rennfahrers Michelle Valliant. Zunächst hat der Verlag die in Deutschland noch nicht erschienenen Alben herausgebracht, anschließend diejenigen Folgen, die hierzulande schon lange vergriffen waren. Auch beim Neustart der Reihe mit einer neuen Nummer 1 ist man dabei. Es geht also weiter, auch mit den Albenversionen der Serien aus dem Magazin, aber nicht in der ursprünglich anvisierten Geschwindigkeit.

Vom Vorschlag, ob die inzwischen verbreiteten Gesamtausgaben eine Möglichkeit sein könnten, hier mehr Fahrt aufzunehmen, war Georg Tempel nicht überzeugt. Er sieht Gesamtausgaben eher als geeignet für Klassiker. Martin Jurgeit fügte an, dass die heutige Situation eher ein Luxusproblem sei. Als ZACK 1999 wiederbelebt wurde, war die Frage eher, wird es nächstes Jahr überhaupt noch neue frankobelgische Comics jenseits von Asterix und Lucky Luke in Deutschland geben? Inzwischen buhlen viele Serien und Verlage um die Leser und deren begrenzte Regale und Geldbeutel. 40 bis 50 Alben, die in einem Monat neu erscheinen, sind nicht ungewöhnlich. Außerdem seien die deutschen Fans die Vorveröffentlichung von Comics in einem Magazin nicht in dem Maße gewöhnt wie beispielsweise ihre französischen Konterparts und daher weniger bereit, nach dem Kauf des Magazins für dasselbe Material als Album nochmals Geld auszugeben.

Zum Abschluss richtete Moderator Bernd Glasstetter noch eine Frage an alle Chefredakteure auf der Bühne: Was haben sie aus ihrer Zeit beim ZACK vor allem mitgenommen, und würden sie es noch einmal tun? Martin Jurgeit war seinerzeit vor allem beeindruckt von den professionellen Strukturen im Verlag. Bei seinen vorherigen Projekten musste noch viel improvisiert werden, nun hatte er erstmals einen "richtigen" Verlag im Rücken. Prinzipiell wäre Jurgeit bereit, wieder einzusteigen, es käme auf die konkreten Umstände an. Und mit seinem COMIX ist er aus dem Magazin-Machen ja auch nicht völlig raus. Mark O. Fischer erwähnte die Doppelbelastung während seiner Zeit, als er parallel ZACK und Epsilon leitete. Trotzdem könnte er sich eine Rückkehr zum Magazin vorstellen, "sag niemals nie". Georg Tempel ist bekanntlich amtierender Chefredakteur, eine Rückkehr in 15 Jahren - so lange gibt es das neue ZACK inzwischen - kann er sich jedoch eher nicht vorstellen: Zu dieser Zeit möchte er dann doch im Ruhestand sein, nach vielen Jahren Arbeit in der Comicbranche.

Noch war aber nicht ganz Schluss, denn das Publikum bekam noch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ein Zuschauer wollte wissen, wann wieder einmal eine neue Serie im Magazin starten würde. Hier konnte Tempel gleich positive Nachrichten verkünden: Ab Januar startet eine Serie neu, ab April eine weitere. Und generell solle das kommende Jahr das Jahr der neuen Serien werden, gerade auf der Buchmesse habe er einiges Interessantes gesehen. Möglicherweise, deutete der Chefredakteur an, könnte 2014 sogar ein aus ZACK wohlbekannter Flieger zurückkehren.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 15.10.2013 - 14:11
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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