SplashpagesSplashbooksSplashcomicsSplashgamesComicforumImpressumEntertainweb


In der Datenbank befinden sich derzeit 43 Events. Alle Events anzeigen...
Specials Eventspecials

Vater und Sohn und die Zeit des Bösen - Comicfrühstück für Buchhändler und Bibliothekare: Fantastische Bilder von fantastischen Künstlern

Luis Royo und Rómulo Royo sind ein Vater-Sohn-Gespann, beide Künstler und beide beteiligt an dem multimedialen Fantasy-Projekt "Malefic". In Deutschland kann man die Geschichten unter dem Titel "Zeit des Bösen" bei Cross Cult lesen. Auf der Frankfurter Buchmesse haben die beiden gemeinsam mit Filipe Tavares über ihr Projekt gesprochen.

Luis Royo ist Freunden der Heroic Fantasy sicher ein Begriff. Der Illustrator ist mittlerweile eine Legende in diesem Bereich. Begonnen hatte er als Coverzeichner für die Geschichten anderer Künstler. Eines Tages machte jedoch der Norma Verlag den Vorschlag, eine Sammlung seiner Illustrationen zu veröffentlichen. Das war sein erstes eigenes Projekt. Bei seinem Sohn war es ähnlich: Rómulo kommt eher von der Malerei und beteiligt sich oft an Gemeinschaftsprojekten mit anderen Künstlern.

Sein erstes Projekt gemeinsam mit seinem Vater war die Gestaltung einer Kuppel im Auftrag eines russischen Milliardärs. Wie vor Jahrhunderten bei der sixtinischen Kapelle, bemalten die Royos die 80 Quadratmeter der Kuppel-Innenseite mit ihren Figuren. "Zeit des Bösen" ist wieder eine Gemeinschaftsarbeit der beiden, allerdings nicht nur von ihnen. An dem multimedialen Projekt sind diverse weitere Künstler beteiligt, die beispielsweise eine Manga-Version der Figuren gezeichnet oder Songs zu den Geschichten aufgenommen haben.

Auch bei den Figuren ist "Zeit des Bösen" nicht isoliert. Zwei zentrale Figuren, die Kämpferinnen Luz und Soum, kamen schon in früheren Projekten vor. Für die neuen Geschichten wurden sie in einigen Details überarbeitet. Zunächst sprachen die Podiumsteilnehmer über Luz. Wer die junge Frau ist, weiß sie selbst nicht genau. Es ist eines der Themen der Geschichte, dass Luz, und mit ihr der Leser, auf der Suche nach sich selbst ist. Sie ist sich ihrer Kraft zunächst nicht voll bewusst.

Auch die Ruinen in der fiktionalen Zukunft spiegeln die Charaktere wieder. Die Welt wie die Figuren sind gebrochen, nicht eindeutig. Auch unter den Protagonisten haben sich Fraktionen gebildet, bei denen nicht immer klar ist, ob der Leser für sie Partei ergreifen soll oder nicht. Soum verkörpert im Gegensatz zu Luz eher die weiblichen Aspekte. Generell stehen die Figuren stark symbolisch für Charaktereigenschaften, oft mit christlichem Hintergrund. Sie bilden Gegensatzpaare wie Licht und Schatten. Diese Konflikte gibt es sowohl zwischen einzelnen Charakteren als auch innerhalb der Figuren. Darin, was sich in der Geschichte aus diesen Spannungsfeldern entwickelt, liegt ein Teil des Reizes von Malefic.

Neben den menschlichen Protagonisten spielt auch Luz' Schwert Malevil eine große Rolle. Die Waffe hat wortwörtlich ein Eigenleben, sie kann ihre Kraft ihrer Trägerin Luz leihen, aber auch gegen sie arbeiten. Wirklich kontrollieren kann die junge Kriegerin Malevil nicht. Gemeinsam ziehen die beiden in den Kampf gegen die Krieger des Lichts.

Unter den diversen mythologischen Motiven, die Malefic aufgreift, ist der Phoenix besonders wichtig. In jedem Ende liegt ein Anfang. Solche zirkulären und Spiegel-Momente haben in der Kunst eine lange Tradition, als ein Beispiel sei nur Leonardo da Vinci genannt. In diesem Werk stehen sie im Zentrum.

An diesem Punkt schwenkte das Gespräch auf die praktischen Aspekte über: Wie funktioniert die Kooperation zwischen Vater und Sohn? Rómulo Royo ist sehr glücklich, mit seinem Vater zusammenarbeiten zu können. Allerdings sei ihr Verhältnis innerhalb des Projekts nicht das zwischen Elternteil und Kind, sondern eher wie das zwischen Kollegen und Freunden. Luis Royo sieht einen wichtigen Punkt darin, die Vorstellungen und Persönlichkeiten der beteiligten Künstler zu einem Kompromiss zusammenzubringen. Teilweise gebe es auch Wettbewerb und Diskussionen, aber am Ende stelle jeder von ihnen oft fest, dass das Ergebnis den Streit wert ist. Auch für die anderen Künstler, die sich in Malefic einbrachten, habe es sich gelohnt, denn sie erhielten neue Blickwinkel auf ihre eigenen Figuren und Geschichten. Bei Projekten wie diesem könne man nicht sein eigenes "Baby" eifersüchtig gegen jeden Einfluss von außen beschützen.

Auch das Publikum erhielt Gelegenheit, Fragen zu stellen. Der ältere Royo wurde nach seinen Anfängen gefragt: Ab welchem Alter etwa wurde er bewusst, dass er ein besonderes Talent hat? Der Künstler meinte, er habe bereits als Kind viel gezeichnet und sei einfach dabei geblieben - nicht zuletzt, weil er immer wieder positives Feedback bekam. Von seinem Sohn wollte man wissen, ob er auch in Zukunft bei seinem ziemlich düsteren Stil bleiben wolle oder man vielleicht auch einmal etwas fröhlicheres aus seiner Feder erwarten könne. Rómulo Royo versprach bereits für den zweiten Teil von Malefic eine etwas fröhlichere Atmosphäre. Generell werde auch in Zukunft immer die Aussage, die er als Künstler seinem Werk mitgeben will, den Ausschlag für den verwendeten Stil geben. Luis Royo merkte an, dass die Geschichte von Malefic eigentlich gar nicht so traurig ist, sondern eher die Härten des Kampfs ums Überleben widerspiegelt. Die letzte Frage aus den Reihen der Zuschauer drehte sich wieder um die konkrete Arbeitstechnik: Inzwischen nutzen viele Künstler die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung. Aber kann man am Computerbildschirm so einfach die gewünschte Stimmung in einem Bild erzeugen wie manuell mit Pinsel und Farbpalette? Die Royos sehen das als eine rein persönliche Entscheidung jedes einzelnen Künstlers an. Sie selbst arbeiten bevorzugt manuell.

Damit war das letzte Comicfrühstück der Buchmesse 2013 dann auch zum Abschluss gekommen.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 15.10.2013 - 11:45
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
«« Der vorhergehende Bericht
Bilder: Fotos aus der Cosplay Corner
Der nächste Bericht »»
Video: Männer sind so