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Comic-Frühstück für Buchhändler und Bibliothekare: Graphic Novels 2013

Bei diesem Comic Frühstück anwesend waren David Basler (Edition Moderne), der Comiczeichner Reinhard Kleist (Der Boxer, Berlinoir) und Frithjof Klepp (Buchhandlung Ocelot in Berlin). Moderiert wurde das Gespräch von Dr. Stefan Hauck (Börsenblatt), und wie der Titel schon vermuten lässt, drehte sich das Gespräch um Graphic Novels in Buchhandlungen, zumindest hauptsächlich – immerhin waren ganze drei Buchhändler anwesend, einer davon Wolle Strzyz, der den sich verspätenden Frithjof Klepp am Anfang vertrat.

Zum Beginn des Gesprächs wurden kurz ein paar aktuelle Graphic Novels hochgehalten: In "Akim rennt" aus dem Moritz Verlag geht es um die Flucht vor Gewalt. "Der Boxer" von Reinhard Kleist ist für den Jugendliteraturpreis in der Kategorie Sachbuch. "Kriegszeiten" spielt in Afghanistan. In "Die Kinder im Wind" erzählt Dirk Steinhöfel vier Geschichten aus den 1940er bis 1980er Jahren, in denen es im Prinzip um eine Zugreise durch die Zeit geht. Étienne Davodeau erzählt in "Die Ignoranten" von einem Comiczeichner und einem Winzer, die sich gegenseitig in ihre Faibles einführen. "Dark Country" (Edition Moderne) ist in einer speziellen Kratztechnik produziert und kommt komplett ohne Worte aus. Außerdem zeigten die Podiumsteilnehmer "Das Erbe", das die israelische Zeichnerin Rutu Modan gestaltet hat. Alle diese Bücher sollten aber als Vorschlag verstanden werden, was man gut in sein Sortiment aufnehmen könnte.

Den Einstieg in das eigentliche Gespräch machte Fridhjof Klepp, indem er davon erzählte, wie er über den Klassiker "Maus" den Einstieg in Comics und Graphic Novels gefunden hat. Mittlerweile hat er letztes Jahr eine neue Buchhandlung in Berlin eröffnet und berichtete, dass Graphic Novels bei ihnen zum Kernsortiment gehören und sie 5 Regale Stellfläche dafür haben. Zusätzlich bieten sie Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit einigen Verlagen an, womit sie schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben.

Stefan Hauck erklärt sich diesen Erfolg damit, dass sich das Bild der Comics in Deutschland im Lauf der Zeit weg von "Schundliteratur" hin zu etwas entwickelt hat, was sogar in Feuilletons besprochen wird. Herr Basler ist in der französischsprachigen Schweiz mit französischen Comics aufgewachsen (sein Onkel hatte Tim und Struppi in seiner Bibliothek stehen). Er sagt, dass die Situation der Comics hier ökonomisch noch nicht mit der in Frankreich oder Japan mithalten kann, aber Fortschritte gemacht hat, da Comics hier mittlerweile kulturell akzeptiert sind. Reinhard Kleist hat berichtet, dass vor 10 Jahren in Erlagen auf dem Comicsalon alle depressiv waren, da die Verkäufe alle runter gingen. Das hat sich jetzt aber enorm gewandelt. Er wird zum Beispiel zu Messen nach Frankreich eingeladen, deutsche Stoffe werden ins Ausland exportiert, obwohl Deutschland vor nicht allzu langer Zeit noch ein Dritte-Welt-Land in Bezug auf Comics war.

Natürlich kann es kein Gespräch über Graphic Novels geben, ohne das Phänomen oder den Namen des Phänomens zu diskutieren. Herr Basler hält den Begriff der Graphic Novels für eine "geniale Marketing-Idee" und wunderbar geeignet um dafür zu sorgen, dass nicht alle Bildergeschichten, egal für welche Zielgruppe, automatisch in der Kinderabteilung landen. Reinhard Kleist findet die Diskussion über Graphic Novel absurd. Er selbst bezeichnet sich als Comiczeichner, und zeichnet sowohl Comics als auch Graphic Novels. Für ihn ist der Begriff eine "Hilfslinie", der manchmal total nützlich sein kann, und er findet ihn toll. In der Buchhandlung Ocelot stehen Graphic Novels unter dem Label "Strichkunst", das ich persönlich auch super finde.

Zum Ausklang wurde das eigentliche Thema auch angesprochen, nämlich wie man als Buchhändler mit Graphic Novels umgehen kann. Herr Klemm empfiehlt wärmstens, mit den Verlagen zusammen zu arbeiten, sich beraten zu lassen und Veranstaltungen anzubieten. Man sollte einfach mal etwas ausprobieren, auf Besprechungen in Feuilletons achten und mit Verlagsvertretern sprechen. Basler rät, vor allem erstmal Klassiker auf Lager zu haben, zum Beispiel so etwas wie "Persepolis", das er bereits zu den Klassikern zählt. Diese Graphic Novel sei ein "Türöffner" – zuerst seien davon nur 2000 Stück gedruckt worden, mittlerweile ist es jedoch ein absoluter Bestseller, der sogar verfilmt worden ist. Herr Hauck rät von solchen Graphic Novels ab, wo es fast nur Text und kaum Bild gibt. In solchen Fällen vertrauten die Zeichner nicht der Kraft ihrer Bilder. Dies sei aber nur sein persönlicher Geschmack.

Letzter Punkt des Gesprächs waren Qualitätskriterien. Natürlich ist es schwierig, Qualität von Graphic Novels objektiv zu beurteilen, aber Reinhard Kleist sagt zumindest über seine Bücher, dass er immer versucht, den Stil der jeweiligen Geschichte anzupassen: Bei "Der Boxer" habe er sich an Will Eisner orientiert, "Cash" ist in schwarz-weiß, "Berlinoir" ist farbig – aber letztendlich gehe es vor allem darum, wie tief man in die Geschichte eintaucht.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 12.10.2013 - 10:12
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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