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Seit fünfzig Jahren ein sieben Jahre alter Erfolg - Brasilien und seine Comicszene II

Für diese Veranstaltung am Freitag nach Mittag musste einer der beiden angekündigten Comiczeichner leider absagen. Zivaldo (The Nutty Boys, Flicts. Eine Farbe sucht Freunde) ist erkrankt und konnte gar nicht erst nach Deutschland reisen. Wir wünschen gute Besserung und hoffen, den Zeichner vielleicht bei anderer Gelegenheit begrüßen zu können.

Gut in Deutschland und auf der Buchmesse angekommen war der andere geladene Zeichner in diesem Gespräch, nämlich Mauricio de Sousa. Der Comicjournalist Stefan Pannor stellte ihm einige Fragen, wobei Filipe Tavares als Übersetzer fungierte.

In Brasilien müsste man Mauricio de Sousa vermutlich den wenigsten vorstellen. Der Comickünstler gilt als der "brasilianische Walt Disney". Seine Figuren um die siebenjährige Monica feiern seit fünfzig Jahren enorme Erfolge. "Monica's Gang" hat inzwischen mehr als 1.000 Comichefte, diverse Ableger sowie viele Trick- und Realfilme und umfangreiche Trickserien hervorgebracht.

Mit seiner ersten Frage ging Stefan Pannor jedoch an den Anfang zurück: Welche Comics haben de Sousa wohl zu Beginn seiner Karriere inspiriert? Der Zeichner erinnerte sich, dass es damals noch nicht die Medienvielfalt gab, mit der heutige Kinder wie selbstverständlich aufwachsen. Comics regten seine Fantasie an und dienten ihm gewissermaßen als Fenster in die Welt.

Selbst gezeichnet hat er bereits als Kind, und im Alter von 17 Jahren schickte er Arbeitsproben an verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, in der Hoffnung auf einen Job. Damals, zu Anfang der 1950er Jahre, hatte er jedoch nur bei einer Zeitung so etwas wie Erfolg. Als Zeichner angestellt wurde er nicht, da er nach Meinung der Verantwortlichen noch einiges an Übung nötig hatte. Aber er sollte mal da bleiben, die Anfänge seien ja gelegt, und während seiner weiteren Entwicklung werde man schon eine Aufgabe für ihn finden. So wurde er zum Polizeireporter, der über Verbrechen und ihre Auflösung berichtete. Allerdings stellte er schnell fest, dass das nichts für ihn ist.

Und tatsächlich konnte er recht schnell wieder zum Zeichnen zurückkehren. Denn im Verkehr von Sao Paulo kam der Fotograf nicht immer schnell genug zu den Tatorten. Da de Sousa sowieso vor Ort war, bat man ihn einfach, Zeichnungen von den Tatorten zu machen. Diese Zeichnungen fielen auch Kollegen aus anderen Ressorts auf, so dass er schnell auch von dort Aufträge erhielt. Bald ging die Mundpropaganda der zufriedenen Kunden über die Zeitung, für die er arbeitete, hinaus, und er wurde für alle möglichen Zeichnungen engagiert.

Seine Leidenschaft waren jedoch nach wie vor die Comics, und so bat er jeden Freund und Bekannten, der in die USA reiste, ihm doch von dort Comics mitzubringen. Aus diesen Comics lernte er viel und experimentierte, und eines Tages verschickte er erneut Arbeitsproben. Nun waren viele Verantwortliche begeistert von de Sousas Arbeiten und kauften Strips von ihm für ihre Zeitungen ein.

Seine wichtigste Figur, die siebenjährige Monica, ist, wie der Zeichner auch offen zugibt, merklich inspiriert von der amerikanischen Figur der "Little Lulu". Eine große Rolle spielten aber auch seine eigene, reale Tochter Monica und andere Einflüsse.

Die gezeichnete Monica jedenfalls wurde schnell zu einem großen Erfolg. Bald wurde sie in 300 Zeitungen in ganz Brasilien gedruckt, es gab eigentlich keinen Verlag, der de Sousas Strips nicht einkaufte. Nach einiger Zeit gab es außerdem Spin-Offs von insgesamt zwölf Charakteren aus dem Umfeld der Titelfigur. Das konnte de Sousa natürlich irgendwann nicht mehr alles alleine leisten. Schon nach relativ kurzer Zeit hatte der Zeichner Unterstützung von 15 Helfern, heute arbeiten rund 200 Künstler im Monica-Universum.

Pannor stellte nun die Frage, ob die "reale Monica" es ihrem Vater übelgenommen habe, dass er sie gewissermaßen in das grelle Licht der Öffentlichkeit gezerrt hat. Zunächst, erinnert sich der Zeichner, habe es seiner Tochter nicht gefallen. In der eher dicklichen und rebellischen Comic-Monica sah sie sich nicht gerade vorteilhaft portraitiert. Heute findet sie die Comics jedoch klasse und entdeckt sogar gelegentlich etwas von sich selbst in ihnen.

2013 feiert Monica fünfzigjähriges Jubiläum, bleibt dabei aber nach wie vor aktuell. Die Comics befassen sich mit aktuellen Themen, und heutige Prominente wie berühmte Fußballspieler stellen sich gerne für Gastauftritte zur Verfügung. Inzwischen ist sogar ein kleiner Wettlauf entbrannt, wer die höheren Auflagen schafft: Manga in Japan oder Monica in Brasilien.

2007 verkaufte de Sousa seinen Verlag an Panini Brasilien, die spätestens jetzt den brasilianischen Comicmarkt dominierten. Für den Zeichner bietet die Zugehörigkeit zu dem Konzern die Möglichkeit, neue Projekte zu realisieren, die vorher nur schwer oder gar nicht möglich gewesen wären. Beispielsweise konnte so eine Graphic Novel mit de Sousas Figur "Astronaut" entstehen, die auch bei Panini in Deutschland erschienen ist. Und auch unter den neuen Eigentumsverhältnissen geht im Zweifel alles über seinen Schreibtisch und bedarf seiner Zustimmung.

Vor Monica gab es übrigens bereits andere Figuren aus de Sousas Feder. Seine erste Figur war ein kleiner Hund, der bis heute das Firmenlogo ziert. Dieser Vierbeiner war mit einer Gruppe kleiner Jungs unterwegs. Diese Jungs wiederum wurden nach einiger Zeit durch einige Mädchen ergänzt, die das "starke Geschlecht" jedoch schnell aus dem Feld schlugen. Das Ergebnis war Monica's Gang.

Mit der Reichweite und dem heutigen Einfluss sieht de Sousa auch eine große Verantwortung. Deshalb unterstützt man Anliegen wie den Umweltschutz oder Kinderheime. Monica ist sogar die einzige Comicfigur, von der sich die UNICEF offiziell gut repräsentiert sieht.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 11.10.2013 - 22:12
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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