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Und es ist doch (auch) für Kinder - Comicfrühstück für Buchhändler und Bibliothekare

Update: Einen Videomitschnitt von dieser Veranstaltung gibt es hier.

Nicht nur wir predigen es seit Jahren: Comics sind nicht nur Kinderkram, sondern viele Comics sind auch etwas oder sogar nur etwas für Erwachsene. Dabei drohen aber mittlerweile die Comics, die sich tatsächlich speziell an Kinder richten, etwa hinten runter zu fallen. Der Comic-Publizist Klaus Schikowski hatte deshalb dieses Thema für die erste Veranstaltung im Comiczentrum in diesem Jahr ausgewählt. Unterstützt wurde er dabei von Lars von Törne (Tagesspiegel), Ina Bartels (Dussmann - das Kulturkaufhaus) in Berlin und Sebastian Oehler (Reprodukt Verlag). Der Verlag hat sich seit zwanzig Jahren um Comics für Erwachsene verdient gemacht, seit rund einem halben Jahr gibt es eine neue Reihe für Kindercomics.

Viele Comics eignen sich für beinahe alle Altersgruppen, wie etwa das legendäre französische Magazin "Tintin", das sich an Leser "von 7 bis 77" richtete. Glücklicherweise, befanden die Podiumsteilnehmer, wagen sich noch heute einige Künstler an diesen Spagat, aber einige erzählen ihre Geschichten gezielt für bestimmte Altersgruppen.

Die Entstehung der Kindercomic-Reihe bei Reprodukt, berichtete Oehler, ging auf ein konkretes Bedürfnis zurück. Als der Verlag vor etwa zwanzig Jahren gegründet wurde, waren die Macher junge Erwachsene, die Comics für sich und ihre Altersgenossen machen wollten. Inzwischen sind viele von ihnen ihrerseits Eltern und suchen Comics für ihre Sprösslinge. Da gibt es insbesondere in Frankreich so einiges, aber im Reprodukt-Programm bisher keine geeignete Plätze. Also gründete man, gewissermaßen aus egoistischen Gründen, eine neue Reihe, um gute, moderne Comics für die eigenen Kinder zu bekommen. "Modern" deshalb, weil viele Klassiker auch für heutige Kinder noch lesenswert sind, sich darin ihre Lebenswirklichkeit mit Internet und alleinerziehenden Eltern nur noch begrenzt wiederfindet.

Nächster Gesichtspunkt war, wo man Kindercomics einsortieren sollte, insbesondere in den Regalen der Buchhändler. Stellt man Kindercomics zu den restlichen Comics, oder doch besser zu den restlichen Kinderbüchern? Wichtig ist nach Meinung der Gesprächsteilnehmer insbesondere, dass sich ein Mitarbeiter mit dem Thema auskennt und die Kunden beraten kann. Sonst spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob die potentiellen Käufer und Leser die Kindercomics bei den Comics oder bei den Kinderbüchern nicht finden. Apropos Käufer, in den meisten Fällen kaufen eher Erwachsene für ihre Kinder, Neffen, Nichten, Enkeln oder sonstigen Nachwuchs. Aber auch die Kinder selbst kaufen, dann aber vor allem gezielt bestimmte Titel oder Serien.

Neu zur Buchmesse gibt es eine erste Vorab-Version eines verlagsübergreifenden Flyers, der einige Kindercomics vorstellt, als Orientierung für Händler, aber auch für "Endkunden". Ebenfalls als Richtschnurg gibt es in vielen Fällen Altersempfehlungen. Die können bei "jungen Selbstkäufern" aber auch durchaus nach hinten losgehen, wenn sich etwa ein Achtjähriger als "viel zu alt" für ein Buch betrachtet, auf dem "ab sechs Jahren" steht.

Auf jeden Fall, da war sich das gesamte Podium einig, reicht es nicht, "nur" Kindercomics zu produzieren und in die Regale zu stellen. Ein Verlag muss seine Titel beim Publikum bekannt machen und den potentiellen Lesern vermitteln. Das kann über klassische Werbung geschehen, aber beispielsweise auch über Events, Kostümwettbewerbe, Zeichenworkshops, Kooperationen mit Schulen und so weiter. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass Kinder heute nicht mehr so selbstverständlich mit Comics aufwachsen wie noch in früheren Generationen. Sie müssen also von Erwachsenen erst an das Medium herangeführt werden.

Das nächste Thema war ein Begriff, den viele unter "Kindercomics" subsummieren würden. Kindermangas sind aber durchaus etwas eigenständig, nicht zuletzt von der Zielgruppe her. Nicht wenige Mangaleser wollen ihre Lektüre ausdrücklich nicht mit ihren Eltern, die vielleicht Comics lesen oder gelesen haben, teilen. Außerdem spielen bei Manga oft Verknüpfungen zu anderen Medien wie Animes oder Spiele eine Rolle, wenn es um die Kaufentscheidung geht.

Ina Bartels äußerte noch den Wunsch nach einer noch größeren Vielfalt an Kindercomics, um noch besser etwas für den jeweiligen Interessenten heraussuchen zu können. Lars von Törne machte zum Abschluss noch eine interessante Anmerkung: Die Comicszene hat so lange um die Anerkennung als "erwachsenes" Medium gerungen, dass vielen inzwischen das schwerfällt, was nun passieren muss - nämlich dass die Kinder wieder "ins Boot geholt" werden.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 09.10.2013 - 18:49
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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