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Doch von Pappe - Der Pavillion des Ehrengast Brasilien

Dies ist ein Gastbeitrag von Splashbooks

Wenn man sagt, etwas sei "nicht von Pappe", meint man normalerweise, etwas habe Substanz, etwas sei ernst zu nehmen. Wenn man den Pavillion, mit dem sich der Ehrengast Brasilien auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse präsentiert, betrachtet, bekommt man jedoch mit diesem Sprachbild ein Problem. Denn die Gestalter haben als Material tatsächlich fast weitgehend Pappe verwendet. Die Besucher können aber beruhigt sein: Man hat bei einem deutschen Unternehmen eigens eine nicht brennbare Pappe entwickeln lassen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Gestalterisch hat man sich zum einen an die brasilianische Moderne angelehnt, die die Kultur des Landes vor allem in den 1950er und 1960er Jahren prägte. Zum anderen wollte man nach der optisch eher dunklen Präsentation von Neuseeland aus dem vergangenen Jahr einen hellen, offenen Eindruck vermitteln. Und tatsächlich dominieren Weiß und helle Holztöne den Pavillon. Allerdings vermitteln sich die Inhalte diesmal nicht so unmittelbar wie bei den letzten Ehrengast-Präsentationen. Während der Besucher sich dort, wenn er es denn wollte, auf den unmittelbaren "Wow-Effekt" beschränken konnte, muss man diesmal mehr eigene gedankliche Arbeit investieren, sich gewissermaßen aktiv in die Präsentation "hineinbegeben".

Dafür haben sich die Macher einige interessante Ideen einfallen lassen. Beispielsweise gibt es Fahrräder, auf denen man sich brasilianische Geschichten wortwörtlich erstrampeln kann, wie auf einem Hometrainer. Brasilianische Musik wird inklusive Übersetzung der Texte ins Englische und Deutsche präsentiert, so dass man auch versteht, was man da hört. Sechs große Boxen stellen die zentralen Themen "Stadt", "Vorstadt", "Meer", "Wald", "Land" und "Sertão" (halbwüstenartige Landschaften im Binnenland Brasiliens) vor. Und natürlich werden eine große Zahl an Büchern aus und über Brasilien präsentiert.

Wer sich nach all dem etwas ausruhen möchte, für den stehen Hängematten bereit, in denen man brasilianische Geschichten per Kopfhörer genießen kann. Und keine Angst: Die Hängematten sind nicht an Pappwänden, sondern mit Metall an stabilen Holzsäulen befestigt.

Anders als man denken könnte, standen bei der Materialentscheidung übrigens weniger ökologische Gesichtspunkte als vielmehr eine weitere Hommage im Mittelpunkt: Die Entscheidung für Pappe soll die Bedeutung des Papiers und der Druckerpresse für die Kultur (nicht nur) Brasiliens würdigen.

Insgesamt kann man also sagen, die Präsentation des Gastlandes ist zwar von Pappe, aber sicher nicht "von Pappe".



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 09.10.2013 - 13:40
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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