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Webcomics - Die nächste Stufe
Am Freitag hatten sich im Bier- und Oktoberfestmuseum einige Stars der deutschen Webcomicszene eingefunden, um über "Webcomics 2.0" zu sprechen. Webcomics als solche gibt es inzwischen seit einiger Zeit. Wie sieht die Gegenwart aus, und was könnte die Zukunft bringen?

Moderiert von Anne Delseit erzählten Johanna Baumann (Schlogger), Sarah Burrini (Das Leben ist kein Ponyhof), Jörg Faßbender (Kwimbi), Mario Bühling (Katzenfuttergeleespritzer), Tim Gaedke (doppeltim) und Stefan Dinter (Zwerchfell Verlag) von ihren Erfahrungen und Erwartungen.

Auf die Einstiegsfrage, welche Bedeutung haben Webcomics für die deutsche Comicszene, antwortete Sarah mit einer deutlichen Meinung: Durch Webcomics gibt es wieder eine richtige Szene. Früher konnte man als Zeichner seine Fans vielleicht einmal auf Veranstaltungen wie dem Münchner Comicfestival treffen, heute bekommt man Reaktionen und Kommentare per Mausklick frei Haus geliefert. Diese ständige Kommunikation hat erheblich zur Lebendigkeit der deutschen Comicszene beigetragen.

Die Leichtigkeit, mit der man seine Meinung abgeben kann, führt aber auch zu negativen Auswüchsen, nämlich zu sogenannten Trollen. Damit sind Personen gemeint, die es bewusst darauf anlegen, mit provokativen Beiträgen andere zu beleidigen und Streit vom Zaun zu brechen.

Die anwesenden Künstler müssen sich jedoch erfreulich selten mit solchen Gestalten herumschlagen. Denn wenn einmal ungerechtfertige Kritik geübt wird, springen meistens die Fans in die Bresche und verteidigen den Zeichner. Schon eher ein Problem sind diejenigen "Fans", die keine Grenze bei der persönlichen Nähe kennen. Wie, ich habe dem Zeichner eine Nachricht geschickt und er hat nicht sofort geantwortet? Die Enttäuschung kann dann groß sein. Auch die Unterscheidung, dass viele Künstler in sozialen Netzwerken ein Profil für ihre Comics und ein weiteres für sich als Privatperson haben, fällt manchem schwer. Nicht jeder Zeichner möchte jeden Fan als "privaten" Facebook-Freund haben.

Außerdem erfordert es einigen Aufwand, all die Kanäle von Facebook über Twitter oder Tumblr bis Google+ einigermaßen konstant zu "bespielen". Wie Stefan Dinter es formulierte, wer nur einmal pro Woche etwas schreibt, ist eigentlich gar nicht online. Wer nur einmal täglich etwas schreibt, ist schon beinahe online, aber so richtig auch noch nicht. Jörg Faßbender hat in seiner täglichen Arbeitsplanung entsprechend tatsächlich Zeit dafür vorgesehen, die sozialen Netzwerke zu durchforsten und auf interessante Beiträge zu reagieren. Prozentual gesehen macht die Arbeit für den Online-Shop Kwimbi 60% seiner Zeit aus, die Arbeit in sozialen Netzwerken etwa 40%.

Apropos Kwimbi, manche werden sich fragen, was Jörg und Stefan zu einer Veranstaltung über Webcomics getrieben hat. Auch diese Frage wurde im Gespräch geklärt: Kwimbi bietet Zeichnern die Möglichkeit, gedruckte Versionen ihrer Comics oder auch Merchandise wie T-Shirts oder Tassen mit den eigenen Charakteren anzubieten. Und seit Stefan Dinter und Christoph Tauber vor einigen Jahren die Leitung von Zwerchfell übernommen haben, widmet sich der Verlag zunehmend auch Printausgaben von Webcomics. Der Grund dafür liegt in Überlegungen, die Stefan und Christoph zu Beginn ihrer neuen Aufgaben anstellten: Was könnte Zwerchfell in der nächsten Zeit machen, welche aktuellen Comics interessieren uns? Und wie sich zeigte, waren viele Comics, die die beiden ansprachen, Webcomics. Bei Zwerchfell muss aber nicht zwingend ein 1:1-Nachdruck von Onlinematerial erscheinen. Oft macht der Verlag mit Zeichnern, die ihm im Web aufgefallen sind, auch andere Projekte.

Denn es gibt schon einmal Probleme bei der Aufbereitung von Webmaterial für den Druck, wenn die Künstler nicht einige technischen Anforderungen erfüllt. Deshalb ein kleiner Service für angehende Webcomicer: Man muss kein Druckprofi sein, aber eine ungefähre Vorstellung von Begriffen wie RGB oder CMYK sollte schon vorhanden sein. Für die Veröffentlichung im Web ist eine Auflösung von 72 dpi (dots per inch, Bildpunkten pro Zoll) voll und ganz ausreichend und zu empfehlen. Zum Drucken werden aber 300 dpi oder auch 600 dpi benötigt. Deshalb sollte man überlegen, auch solche hochauflösenden Versionen seiner Bilder gleich mit zu produzieren und vorrätig zu haben. Was viele auch nicht wissen: Der schwarze Text in den Sprechblasen muss in Graphikprogrammen wie Photoshop in einer eigenen Ebene stehen. Denn das Lettering kann nicht im Vierfarbdruck wie der Rest des Bildes gedruckt werden und muss daher getrennt verfügbar sein.

Aus diesem (potentiellen) Tücken der Technik ergab sich auch gleich die nächste Frage: Denken die anwesenden Künstler, dass zu viel Rücksicht auf eine Printausgabe - eventuell, später mal - daran hindert, die Möglichkeiten des Webs voll auszuschöpfen? Das wurde rundweg bejaht, beispielsweise wenn es um Animationen geht oder ungewöhnliche Formate. Daniel Lieskes Wormworld Saga etwa verwendet einen "Open Canvas". Das bedeutet, man blättert nicht um, sondern scrollt auf der Website immer und immer weiter nach unten. Wie bringt man so etwas auf Papier, das irgendwann zu Ende ist? Ein anderes Beispiel erwähnte Stefan Dinter: Naomi Fearns "Zuckerfisch" erscheint in der Stuttgarter Zeitung. Jedes Mal, wenn das Seitenlayout der entsprechenden Rubrik modernisiert wird, droht auch ein Formatwechsel für Zuckerfisch. Das kann zu Kopfzerbrechen bei der Produktion der Sammelbände führen.

Um ein weiteres Thema kam auch diese Runde natürlich nicht herum, wie kann man mit seinem (in diesem Fall Web-)Comics etwas verdienen? Dabei gibt es einige Möglichkeiten. Neben einer "Kaffekasse", in die die Leser per PayPal oder anderem Bezahlsystem etwas schmeißen können, ist auch Merchandise, wie es Jörg Faßbender mit Kwimbi anbietet, eine Möglichkeit. Für Entwurf und Herstellung von Tassen, Plüschtieren und was man nicht alles zu seinem Comic anbieten kann muss man jedoch in vielen Fällen weitere Arbeitszeit aufwenden. Erstaunlich gut funktioniert ein Konzept, bei dem ein Leser einen Comic (etwa als Druck) kaufen kann, aber über den Preis selbst entscheidet. Wer Fan eines Comics und des Künstlers dahinter ist, kann sich offenbar immer öfter der "Geiz ist geil"-Mentalität entziehen.

Ein Zuschauer wollte noch wissen, wie die anwesenden Künstler arbeiten. Arbeit jemand, der im Web veröffentlicht, auch sonst komplett digital? Die Antworten fielen sehr unterschiedlich aus: Einige der Zeichner arbeiten vollständig digital, andere scannen ihre Zeichnungen in unterschiedlichen Graden der Fertigstellung ein.

Zum Abschluss ging es noch darum, warum es bei dem großen Erfolg der digitalen Comics eigentlich immer noch Printcomics gibt. Diesen Eindruck mussten die Künstler doch relativieren, so (finanziell) erfolgreich sind die digitalen Ausgaben noch nicht. Sarah Burrini fasste es treffend zusammen: Wir sind gerade mitten im Umbruch. Digital ist die Zukunft, aber noch nicht die Gegenwart.

Aus organisatorischen Gründen konnten wir diese Veranstaltung leider nicht mit der Kamera begleiten. Aber wir hoffen, dass dieser ausführliche Bericht etwas dafür entschädigt.

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 01.06.2013 - 17:19
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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