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Specials Eventspecials Comic-Salon Erlangen 2016

40 Jahre ZACK! und Michel Vaillant Special
Zu Beginn der Veranstaltung ging es um das Zack-Magazin. Bernd Glasstetter und Zack!-Experte Michael Marschall stellten die vielschichtige Geschichte des Magazins vor.

40 Jahre ZACK!, das muss man erstmal hinkriegen. Im April 1972 kam das erste Heft heraus, mit der Nummer 17/72 (wobei die 17 für die 17. Kalenderwoche steht, da es ja ein wöchentliches Magazin sein sollte). Bis 1980 wurde jede Woche (und für eine kleine Weile alle zwei Wochen) eine neue Ausgabe herausgegeben, damals noch von dem vom Springer Verlag gegründeten Koralle Verlag. Mit dem Untertitel „Spaß, Spannung, Abenteuer“ sollte die Zielgruppe von ca. 8-10 jährigen Jungen angesprochen werden, und dementsprechend hat ZACK! Comics veröffentlicht, die vom Genre her diesen Schlagworten entsprochen haben. Von der ersten Ausgabe an war der französische Rennfahrer-Comic „Michel Vaillant“ von Jean Graton dabei, aber auch z.B. Lucky Luke oder Enterprise tauchen in den frühen Heften auf. Der Koralle-Verlag hatte den Vorteil, vom französischen Comicangebot über Lizenzen aus dem Vollen schöpfen zu können, so dass wirklich ein breitgefächertes Angebot zustande kam. Außerdem war im Heft immer ein bisschen Platz für Infos und News in Textform.

1980 wurde ZACK! dann eingestellt: Zu hohe Produktionskosten und ein schrumpfendes Publikum, das zum Fernseher „abwanderte“, wurden damals als Gründe genannt. Hinzu kam aber noch, dass der Koralle Verlag seine Kontakte zu den Zeichnern nutzte, um sie abzuwerben und direkt für ZACK! und seine Schwesternmagazine, z.B. in den Niederlanden, einzusetzen. Dass man sich dadurch nicht gerade beliebt machte bei den französischen Verlagen ist verständlich, so dass ZACK! schließlich keine Lizenzen mehr bekam und somit nur noch auf seine Hauszeichner zugreifen konnte, was die Vielfalt der veröffentlichten Comics stark eingeschränkt hat.

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Marschall, Glasstetter, Graton, Schleuter, Comic-Frühstück mit Zack
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Comic-Historie beim Comic-Frühstück mit Zack
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Comic-Historie beim Comic-Frühstück mit Zack
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Comic-Frühstück mit Zack
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Philippe Graton
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Philippe Graton

18 Jahre später, auf der Frankfurter Buchmesse 1998, entstand dann die Idee, man bräuchte ein Magazin über neue Entwicklungen auf dem europäischen Comicmarkt. So kam es, dass sich der Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag nach dem alten ZACK! erkundigt hat, an dem der Springer Verlag immer noch die Rechte hielt. So übernahm Mosaik den Namen ZACK! für das neue Magazin, zuerst noch über Lizenz von Springer, und als es gut lief, konnten sie Springer den Titel abkaufen. Um an das damalige Magazin anzuknüpfen wurde Michel Vaillant auch hier direkt in der ersten Ausgabe wieder gefeatured.

Soviel zu ZACK! Es ging nun weiter mit ein paar Storys über Michel Vaillant, denn Jean Gratons Sohn Philipp war auch da und hat zu einer exquisiten und zum Teil auch historischen Fotosammlung viel über die Geschichte des Comics erzählt, von dem ich ein paar Anekdoten gern weitergeben möchte:

Jean Gratons Vater, Philipps Großvater, war Vorsitzender des Motorradsportvereins in Nantes (dem immerhin drei Motorräder und eine knapp zweistellige Anzahl von Mitgliedern angehörten), und Jean hat Philipp erzählt, dass er mit dem Duft des Motoröls aufgewachsen ist. Später arbeitete er am Hafen und erzählte seinen Kollegen häufig von Kinofilmen, die er angeblich am Abend zuvor im Kino gesehen hatte – nur, dass er die Filme nie gesehen und sich die Handlung einfach ausgedacht hatte. Als ihm seine Kollegen vorschlugen, diese Geschichten doch mal aufzuschreiben, soll er gesagt haben, er könnte sie nur aufmalen – und so ist er zum Zeichnen gekommen.

Jobs gab es für Zeichner eigentlich nur in der Werbung oder in Magazinen, beides gab es nur in größeren Städten, und so kam Jean Graton nach Brüssel. Einmal ging er zu einem, wie er glaubte, Werbestudio um sich nach einem Job umzusehen. Dort stellte sich heraus, dass es sich um das Zeichenstudio von Spirou handelte und man dort von seinen Zeichnungen begeistert war. Von da an zeichnete er sowohl für Comics als auch weiterhin für Magazine und Zeitungen, unter anderem für „Le Sport“, und so kam es, dass er hin und wieder auch auf Rennstrecken zugegen war. Für Motorrennen konnte er sich ja seither begeistern, und dort bekam er dann regelmäßig nicht nur das Neuste aus dem Rennsport mit, sondern auch Insiderinfos von den Rennprofis.

Was ihn dann letztendlich dazu veranlasst hat, einen Comic über einen Rennfahrer zu machen, obwohl ihm alle davon abgeraten haben, erzählte Phillip zwar nicht, aber dieses Jahr ist Michel Vaillant 55 Jahre alt geworden und soll bald komplett neu aufgezogen werden, so dass die Nummer 71 zur neuen Nummer 1 wird. Am Samstag gibt es zur Zukunft von Michel Vaillant eine Extra-Veranstaltung.

Der Comic war sehr beliebt damals, nicht nur bei den Lesern, sondern auch bei anderen Comiczeichnern. Laut Philipp Graton soll René Goscinny Jean Graton gegenüber bedauert haben, dass es nicht er selbst war, der diesen Comic erfunden hat. Tatsächlich war Michel Vaillant so erfolgreich, dass nicht nur 1967 13 Episoden verfilmt worden sind, sondern dass es im Jahr 2003 sogar einen Kinofilm von Luc Besson (Das 5. Element) dazu gab. Diesen Film wollte Luc Besson beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans drehen, aber da gab es ein Problem, oder besser gesagt, zwei. Es ist nämlich so, dass dieses Rennen sehr spektakulär und berühmt ist und jeder Rennfahrer dort mitmachen will. Die Zahl der Teilnehmer war allerdings auf 50 begrenzt, da es nur 50 Startboxen gab. Besson wollte zwei Rennwagen für den Film dabei haben, aber da es einen Vorentscheid gibt, nach dem nur die 50 Besten am eigentlichen Rennen teilnehmen dürfen, hätte er also auf jeden Fall zwei professionelle Fahrer dafür anstellen müssen – und wenn sie sich qualifiziert hätten, hätten sie dadurch zwei anderen Rennfahrern die Chance genommen, am Rennen teilzunehmen, und das wollte das Comic-Team nicht. Das Ende der Geschichte war, dass Besson noch zwei weitere Startboxen bauen ließ, um seine beiden Fahrer unterzubringen. Und diese zwei Boxen existieren immer noch, so dass seitdem 52 Fahrer am Rennen teilnehmen dürfen! Außerdem wurde laut Wikipedia zwischen den Jahren 1986 und 89 eine US-amerikanische Zeichentrickserie über Michel Vaillant ausgestrahlt, das wurde heute aber nicht erwähnt.

(Übrigens, wo wir grad beim Thema sind: Wusstet ihr, dass der amerikanische Schauspieler Steve McQueen ein passionierter Rennfahrer war und angeblich eigentlich nur geschauspielert hat, um seine Rennen zu finanzieren? Er hat beim 12-Stunden-Rennen von Sebring den 2. Platz gemacht, und das angeblich auch nur, weil der letztendliche Sieger alles gegeben haben soll, damit kein Hollywood-Schauspieler die professionellen Fahrer dumm dastehen lässt… hat Philippe Graton erzählt.)

Michel Vaillant war damals so bekannt, dass er nicht nur einige er Rennsportprofis dazu inspiriert hat, Rennfahrer zu werden, sondern dass es (laut einem amerikanischen Profifahrer) in Europa sogar soweit war, dass man seine Karriere im Rennsport nur dann als vollständig ansehen konnte, wenn man einmal in einem Michel Vaillant-Heft einen Gastauftritt hatte. Auch wenn man dafür in Kauf nehmen musste, im Heft von eben diesem besiegt zu werden. Um diese Ehre zu erlangen, wurde Jean Graton sogar von Fahrern zur Formel 1 eingeladen, und anders rum kam Graton durch die Bekanntschaft mit den Profis an Insiderinformationen, z.B. darüber, auf welcher Strecke in welcher Kurve mit welchem Motor wo die Nadel des Drehzahlmessers einzuzeichnen ist.

Zu guter letzt noch etwas zum Namen des Comics: Michel hieß einer der Nachbarsjungen Gratons, der jedes Wochenende mit Bruder und Vater zum Rennen fuhr und abends immer völlig verdreckt nach Hause kam. Vaillant bedeutet auf Französisch so viel wie „mutig“, und damals, als der Comic erfunden wurde, hatten alle Comichelden eben sprechende, heldenhafte Namen.

Wie heldenhaft der Comic sich nun weiter entwickeln wird, werden wir dann in der nächsten Veranstaltung erfahren können.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 13.10.2012 - 20:58
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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