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Christophe Blain: Quai d'Orsay - Hinter den Kulissen der Macht
Vorhin war ich bei der Buchvorstellung (oder sagt man tatsächlich auch Comicvorstellung?) des neuen "Polit-Comics" Quai d'Orsay - Hinter den Kulissen der Macht von Christophe Blain. Interviewer war Dr. Christian Schlüter von der Frankfurter Rundschau, der zum Beginn der Vorstellung damit anfing, Blains Werk und seine Person in den höchsten Tönen zu loben, sowohl was Stil und Inhalt angeht, als auch die spezielle Farbgestaltung, die in seinen Piratencomics gekonnt auch viel in dunklen Tönen gehalten ist… nicht aber so in den Beispielen, die wir von einigen Comicseiten per Beamer eingeblendet bekamen. Macht ja nichts, gönnen wir Herrn Schlüter seine Schwärmerei, schließlich muss man selbst auf der Bühne des Comiczentrums damit rechnen, dass Christophe Blain nicht jedem ein Begriff ist - ich kannte den sympathischen Franzosen ja auch vorher nicht.

Was Blains neuen und in Frankreich bereits sehr erfolgreichen Comic betrifft, begann alles damit, dass er zufällig jemanden getroffen hat, der einige Zeit im französischen Außenministerium gearbeitet hatte. Die beiden verstanden sich offenbar auf Anhieb und im Laufe einiger Erzählungen über die Ereignisse im Außenministerium haben sie beschlossen, einen Comic darüber zu machen. Aus Nach nachvollziehbaren Gründen tritt der "Whistleblower" nur unter dem Pseudonym Abel Lanzac auf. Lanzac hat Blain immer viel erzählt und wurde von Blain oft gefragt, wie er sich in unterschiedlichen Situationen gefühlt und verhalten hat, was ihm besonders oder als erstes aufgefallen ist. Auf diese Art und Weise hat Blain versucht, die realen und fiktiven Charaktere der französischen Außenpolitik des ungefähren Jahres 2003 zum Leben zu erwecken.

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Dr. Christian Schlüter u. Christophe Blain
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Christophe Blain
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Dr. Christian Schlüter

Auf Christian Schlüters Anmerkung, dass es ja häufiger passiert, dass Autoren mit einer Geschichte auf Comiczeichner zukommen, hat Blain erwidert, dass er selbst nur mit Freunden zusammen arbeiten kann und will und dass er sich zusätzlich die Geschichte selbst aneignen muss, um eine persönliche Beziehung dazu zu bekommen.

Die geschilderte Geschichte spielt zu der Zeit, wie Christian Schlüter erklärte, als die USA "nach einer Begründung für den Krieg mit dem Irak" gesucht hätten. Blain erzählte, dass die Geschichte des Comics durch wahre Begebenheiten inspiriert wurde. Einige der Berater des Außenministers sind real, einige sind nicht real, aber der Übersichtlichkeit halber tauchen im Comic weniger Berater auf als in der Realität tatsächlich vorhanden sind.

Überhaupt, die Figuren. Sie sind mit relativ wenigen Strichen gezeichnet aber alle sehr individuell, so dass man sofort jede Figur wiedererkennt, und sie sind alle mit ihrem eigenen Charakter ausgestattet, der sich außerdem in einem feinen, hintersinnigen Humor zeigt. Das habe ich freilich nicht im Interview heute erfahren, sondern durch die neu erstandene Ausgabe des Comics, den sich unser Kollege Siegfried zugelegt hat (und den ich eben halb durchgelesen habe, obwohl ich ja eigentlich schreiben wollte… :) ). Das Charakterdesign an sich ist durch die Gespräche mit Lanzac inspiriert und die Vorstellungen, die Blain sich dazu gemacht hat. Der Stil wurde von Christian Schlüter als expressiv beschrieben, mit starken Farben (obwohl sparsam angewendet) und mit häufigem Gebrauch von Speedlines.

Blain hat erzählt, dass seiner Meinung nach der Text, die Bilder und die generelle Schönheit des fertigen Werkes wichtiger sind als die beschriebene Politik - die Interaktion der Figuren ist wichtiger als der politische und historische Kontext. Der Comic selbst sei nicht politisch. Übrigens war es wider Erwarten für Blain genau so interessant, diesen Comic zu zeichnen wie beispielsweise Piraten zu zeichnen, sagte er. Viele der Personen im Comic sind ja real existierende Leute, wie z.B. George W. Bush oder auch Joschka Fischer, wenn auch einige unter einem anderen Namen geführt werden. Das gilt auch für den französischen Außenminister, der in gewisser Hinsicht die Hauptfigur des Comics ist, obwohl er nicht besonders gut wegkommt in der mir bekannten ersten Hälfte der Geschichte.

Für Lanzac, den Co-Autor des Comics, ist die Veröffentlichung laut Blain ein "Sieg" über diesen speziellen seiner Lebensabschnitte gewesen, weil er einmal selbst etwas inszeniert habe. Ich verstehe das so, dass er (anders als die ihn im Comic verkörpernde Figur) einfach einmal selbst das letzte Wort haben durfte. Mein Mitgefühl hat er jedenfalls. Ich habe jedenfalls schon auf Seite 16 des ziemlich dicken Comicbuches gedacht, dass ich spätestens jetzt an seiner Stelle durchgedreht wäre…



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Bericht vom: 11.10.2012 - 22:41
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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