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Propaganda in Comics aus der arabischen Welt: Von Säkularismus zu religiösem Radikalismus
In dem genannten Vortrag ging Lina Ghaibeh von der American University of Beirut auf die Anfänge der arabischen Comics ein, wobei sie eine Vielzahl von Coverabbildungen und Einblicke in die Hefte präsentierte. Momentan arbeitet sie an einer Datenbank über arabische Comics, wodurch sie einen guten Überblick über die verschiedenen Veröffentlichungen in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens bekommt.
Dort werden die Comics vorrangig für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren produziert. Comics für Erwachsene gab es früher nicht, diese entstehen erst seit dem Aufkommen des Internets. Sogesehen waren die Produkte von damals quasi Propaganda für Kinder.

Nach der Unabhängigkeit der arabischen Länder in den 1950iger Jahren kamen Comics, wie Sindbad und Joha, al Mizmar auf den Markt, welche als Volkshelden bereits die lange arabische Tradition verdeutlichen sollten. Der Vertrieb der Comics fand in alle arabischen Länder statt. Es gab aber auch importierte westliche Comics, wie beispielsweise Superman und Batman, die in den 70iger Jahren veröffentlicht wurden.
Der Höhepunkt der Propaganda-Comics war in Ägypten als Beispiel nach der Niederlage gegen Israel 1967 im Sechstagekrieg erreicht, wo in den Comics die Sprache zum klassischen arabisch wechselte, was Einigkeit in den verschiedenen Ländern ausstrahlen sollte. Zu sehen waren dort oftmals Kinder, die den Führer Gamal Abdel Nasser anhimmeln, wodurch dieser die Familie ersetzen sollte. Die Comics nahmen starken Bezug auf Tradition und Herkunft. Kurios war der Hinweis von Lina Ghaibeh, dass in den 70iger und 80iger Jahren mehr ScienceFiction-Comics erschienen, als dies heute der Fall ist.
Äußerst populär war in den 70iger Jahren das Magazin Majid, welches Respekt für den Islam predigte und pan-arabisch ausgerichtet war. Der Held des Heftes war ungewöhnlicherweise ein Mädchen namens Zakiyga.

Sehr viel direkte Propaganda gab es in dem Comic History of the Libyan revolution, welches Gaddafi huldigte und in den 80iger Jahren in Paris veröffentlicht und von europäischen Autoren übersetzt wurde. Ähnliches Material gab es auch in Bezug auf den ägyptischen Präsident Nasser. Der Gaddafi-Comic wurde von einem italienischen und der Nasser-Comic von einem französischen Künstler gezeichnet. Auch arabische Christen veröffentlichen um 1970 rum Comics. Mittels libanesischen Dialekt versuchte sich dieses Magazin von dem Arabern abzusetzen.
Während die meisten Comics vom Staat finanziert wurden, kann das Magazin Ahmad auf eine unabhängige Basis zurückblicken. Auch heutzutage kennt noch jedes Kind in der arabischen Welt diesen Comic.

Lina Ghaibeh vollzog dann den Wechsel in die heutige Zeit, welchen sie mit dem Comic Mahdi begann. Dieses Heft wird von der Hisbollah produziert und erscheint seit 2002. Frauen werden hier nur zu Hause oder in der Schule dargestellt. Sie sind somit keine "Resistance Fighters". Das Magazin ist sehr professionell gestaltet und erscheint immer mit einem zurückhaltenden Cover. Ein Beispiel für die Öffnung des arabischen Comicmarktes hin zu neuen Zeichenstilen ist das Magazin Farusal al Ghad, welches seit 2008 erscheint und im Manga-Stil produziert wird. Eine Ausgabe glorifizierte beispielsweise einen Selbstmordattentäter. Ebenfalls sehr modern gibt sich der Comic The 99, der in Kuwait erscheint und von einem DC und Marvel-Zeichner gestaltet wird. Der Name wurde leider nicht genannt. Die Serie erscheint im amerikanischen Superheldenstil, was anschaulich von Ghaibeh dargestellt wurde. The 99 bezieht sich auf die 99 Namen von Gott, wobei jeder Name im Comic für eine Kraft steht.

In der anschließenden Fragezeit offenbarte Lina Ghaibeh, dass es keine genauen Angaben über Auflagenhöhe bzw. Verkaufszahlen gibt, da die arabischen Verlage damals keine derartigen Listen führten. Auf die Frage, ob Comics in den arabischen Staaten nicht als westlich verschrieen sind, schüttelte Ghaibeh mit den Kopf. Comics werden dort nicht als westlich besetzt angesehen, es gibt sie mittlerweile u.a. in ägyptischen Comicshops und in Virgin-Bookshops im Libanon. Von einer eigenen Comickultur kann aber noch nicht die Rede sein.

Der Vortrag wurde von uns aufgezeichnet, den Filmmitschnitt könnt Ihr nun hier sehen.


Der Filmmitschnitt direkt zum Anschauen
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Daten dieses Berichts
Bericht vom: 17.06.2012 - 12:09
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Christian Recklies
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