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Der Comic entdeckt (wieder) die Politik

Um die Mittagszeit fand im großen Ratsaal eine Diskussionsrunde zum Thema Politik in Comics mit vier deutschen Comickünstlern statt.
Zu Beginn warf Moderator Lars von Thörne die Frage auf, wie die anwesenden Künstler zur Politik bzw. zu einer politischen Sichtweise gekommen sind. David Füleki, der als erster ausgewählt wurde, beschrieb seine Arbeit bei der SPD-Zeitung Vorwärts, wo er eine regelmäßige Comicstripserie veröffentlicht. Diese sei auf einfachen Witz aufgebaut und soll zum Nachdenken anregen. Inwieweit ihm das immer gelingen kann, ist laut Vorgabe von Themen und zum Teil mehreren Änderungswünschen aber fraglich.
Bei Arne Jysch, Autor und Zeichner der neuen Graphic Novel "Wave & Smile", siegte eher die Neugier, gerade in Bezug auf ein Gespräch mit einem Deutsch-Afghanen, das er 2008 führte, und welches ihn zu seiner Arbeit über den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan inspirierte. Der Dritte im Bunde, Andreas Michalke, ist hingegen mit seinem Comic Bigbeatland seit einigen Jahren in der Jungle World vertreten, womit er die Arbeit von Fil und Oliver Naatz fortsetzt. Als letzter durfte der Leipziger Künstler Schwarwel die Frage beantworten. Er empfindet es als Bedürfnis sich politisch zu äußern, was er in Form von tagesaktuellen Karikaturen umsetzt.

Die zweite Frage zielte auf den Inhalt der Comics und auf die Verortung im Grenzbereich zwischen Comic und Politik. David Füleki fühlte sich direkt angesprochen und erzählte von seiner Arbeit an "seitwärts", wobei besonders von Interesse war, wie er bei der Suche nach den Inhalten seiner Strips vorgeht und inwieweit er bei der Wahl des Contents von der Redaktion beeinflusst wird. Dabei wurde direkt auf einen kontrovers diskutierten Beitrag in der März-Ausgabe eingegangen, welcher einen wahren Shitstorm (O-Ton Lars von Thörne) ausgelöst hat. Dieser Strip sorgte auch bei den anwesenden Künstlern für eine Diskussion, welche bei der dritten und letzten Frage über das gewollte Provozieren bzw. Herausfordern fortgeführt wurde.
Hier stand Arne Jysch Rede und Antwort über seinen Kontakt zum Verteidigungsministerium, welchem er seine Graphic Novel Wave & Smile im Anfangsstadium präsentiert hat. Schwarwel übte  Kritik an dieser Vorgehensweise, da er dahinter eine mögliche Einflussnahme auf den Inhalt vermutete.

Im Anschluss daran begann die offene Fragestunde, wobei besonders der Einwurf eines Besuchers, ob es neben linken Politikcomics auch konservative Beiträge gibt, für lange Diskussionen sorgte. Diese Frage führte die anwesenden Künstler zu Gedanken über mögliche rechte Comics. Hier wurde versucht die Qualität rechter Beiträge und die Gefahr, welche davon ausgeht einzuschätzen. David Füleki brachte noch die Trickfilmserie Drawn Together ins Gespräch, wo alle möglichen Ressentiments gegenüber Minderheiten gepflegt werden.

Die Veranstaltung offenbarte somit einen großen Diskussionsbedarf über die Ausrichtung und den Inhalt der politischen Comicstrips in Deutschland.

Der Filmmitschnitt der wirklich interessanten Runde wird gerade von unseren Kollegen bearbeitet und geht in Kürze online.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 10.06.2012 - 10:02
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Christian Recklies
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