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Gesellschaft für Comicforschung ComFor präsentiert: Forschung am Comic I

Eines der wichtigsten Themen des diesjährigen Comic-Salons ist, passend zur politischen Entwicklung, der Nahe und Mittlere Osten. Auch die Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) befasste sich in einigen Vorträgen mit der Materie.

Den Anfang machte Ralf Palandt. In seinem Vortrag präsentierte er einige jüdische Superhelden und Superheldinnen, in denen sich die Geschichte Israels widerspiegelt. So gibt es beispielsweise das Heldenteam "Wolfpack", dessen Hintergrundgeschichte auf die Verlorenen Stämme Israels zurückgreift. So nennt man die zehn Stämme, die bei der Eroberung des Nordreiches durch die Assyrer um 721 v. Chr. umgesiedelt wurden und seither als verschollen gelten. Uri-On begegnet an der Klagemauer in Jerusalem einem Außerirdischen und wird anschließend von Wissenschaftlern zu einem Experiment eingeladen, dem er seine Kräfte verdankt. Ein späteres Abenteuer spielt in der Nähe der Festung Masada, in der nach der Niederlage im jüdischen Krieg die fanatischen Sikarier 73 n. Chr. Massenselbstmord begingen. Eine andere Heldin ist direkt nach der Festung, die bis heute ein wichtiges nationales Symbol in Israel ist, benannt. Aber auch die europäische jüdische Kultur schlägt sich in Comics nieder, oft in Gestalt eines Golems, mit oder ohne näheren Bezug zur Ursprungsgeschichte aus Prag.

Anschließend übernahm Martin Frenzel, der sich gewissermaßen mit der anderen Seite im Nahost-Konflikt beschäftigte, nämlich mit dem Iran-Bild im Spiegel persischer Exil-Comic-Autoren. Dabei entwickelte er unter anderem eine Typologie der Comics aus diesem Bereich und schlug den Bogen von Marjane Satrapis "Persepolis" bis "Zahra's Paradise" des Duos Khalil und Amir. Die Proteste gegen das Regime finden ebenfalls häufig ihren Ausdruck in Comics. Nicht wenige Künstler arbeiten dabei nur unter Pseudonym, um sich vor Repressionen zu schützen.

Den Abschluss dieser Veranstaltung machte Catherine Michel, die westliche Comics vorstellte, die den Nahost-Konflikt zum Thema haben. Einige von ihnen nutzen den Konflikt "nur" als Kulisse für Action, andere schildern die jeweilige Sicht beispielsweise auf die Staatsgründung Israels - die israelische Version oder die palästinensische Version. Als "westliche" Autoren stufte Michel dabei neben europäischen und amerikanischen Künstlern auch eine Manhwa-Zeichnerin aus Korea ein. Eine der zentralen Erkenntnisse des Vortrags war, dass viele dieser Comics eher sperrig zu lesen sind. Es gibt also trotz der Möglichkeiten des Mediums Themen, bei denen sich die komplexen Zusammenhänge nur schwer in einen Comic umsetzen lassen.

Den Filmmitschnitt dieser Veranstaltung könnt Ihr nun hier sehen.



Der Filmmitschnitt direkt zum Anschauen
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Daten dieses Berichts
Bericht vom: 17.06.2012 - 12:15
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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