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Vorgestellt: Plem Plem Productions

Plem Plem Productions ist ein Kleinverlag aus Bayern. Ins Leben gerufen wurde der Verlag von Christopher Kloiber, nachdem er keine Lust mehr hatte sich bei den großen Verlagshäuser in Deutschland als Zeichner zu bewerben. Mit WHOA! COMICS #1 feierte der Verlag im Oktober 2008 sein Debüt.

Das eigentliche Spaß-Projekt wurde immer größer. Messen wurden besucht, Mitarbeiter traten dem Team von Chris’ Comicprojekten bei und es wurden immer mehr Titel produziert und noch mehr sind in Planung. Mittlerweile arbeiten sechs Mitarbeiter mit Chris zusammen, um fantastische Geschichten an den Leser zu bringen und es wurden bis dato sechs verschiedene Comics veröffentlicht, drei weitere Comics folgen 2012.

Wir haben uns mit den Machern unterhalten. Henning Mehrtens, Christopher Kloiber und Bouncie saßen mit am Tisch.

Bei Plem Plem Productions kommen wir vermutlich dem Begriff "Küchentischverlag" am nächsten. Erzählt doch einmal, wie Eure Comics entstehen und wie Ihr arbeitet.



Henning: "Küchentischverlag? Das klingt irgendwie schmutzig, irgendwie nach "Wenn der Postmann zweimal klingelt!" Gefällt mir! Ist das ein gängiger Begriff?"

Chris: "Kannst ja mal googeln!"

Henning: "Warte mal... Astrid Lindgren... Ikea,... ah... da haben wir doch was!

Okay, klingt tatsächlich nach uns!"

Chris: "Die Idee zu einem eigenen Verlag entsprang meinem innigsten Wunsch, eigene Comics zu verlegen! Nachdem ich das mit WHOA COMICS #1 dann auch in vollkommener Alleinregie..."

Henning: "Auf deinem Küchentisch?"

Bouncie: "Und sooo alleine warst Du ja nun auch wieder nicht!"



Chris: "Um das mal klarzustellen... ich arbeite tatsächlich, wie Bouncie und Henning übrigens auch, von zuhause aus. Wir haben kein Verlagshaus und kein Büro. Ich wohne in Erding, Bouncie in Göttingen und Henning in Hamburg und unsere Redaktionssitzungen halten wir im Internet ab, aber ich denke für alle Autoren und Zeichner gilt irgendwann das gleiche: Man arbeitet am besten alleine, abgeschirmt von Lärm und Tageslicht am Schreibtisch und legt einfach los. Ob man nun Walt Disney heißt, Bob Kane oder Christopher Kloiber.

Wenn ich eine Story schreibe, habe ich meistens einen kleinen Film in meinen Kopf, der bis zum Ende angeschaut bzw. durchdacht wird. Also ich habe meistens eine direkte Vorstellung wie der Comic an sich ablaufen soll und mache ein grobes Storyboard, wie man es vom Film kennt. Das Storyboard zeichne ich meist auf Schmierpapier oder (wenn vorhanden) einen kleinen Notizblock. Anschließend verfeinere/ändere ich es, schreibe Texte und mache wieder ein Storyboard, welche mir als Vorlage für meine Seiten dienen!

Ich zeichne auf DIN A3 mit Bleistift und tusche die Zeichnung. Anschließend wird es gescannt und am Computer eingefärbt (falls es farbig werden soll...). Es kann natürlich auch sein, das manches beim inken daneben geht, und ich dann am PC nachbessern oder drüberzeichnen muss. Dafür habe ich mein Zeichentablet Wacom Cintig12wx, welches ich nie mehr hergeben möchte!

Meistens, wenn ich eine Idee habe für einen Comic, der etwas komplexer ist, tausche ich mich mit Henning aus, der ja unser Meister an der Schreibmaschine ist!"

Henning: "Ich denke, was Chris sagen möchte, und was auch mir am Herzen liegt... unsere Comics sind tatsächlich eine Herzenssache. Wir produzieren aus reiner Lust, die eigenen Geschichten in der Hand halten zu können. Ich war so begeistert von WHOA COMICS #1, insbesondere von dem Mut von Chris, so was auf die eigenen Beine zu stellen, dass ich mich von seiner Leidenschaft inspiriert gefühlt habe, an seinem Verlagsprogramm mitzugestalten. Ich kannte bislang tatsächlich nur die großen Verlagsprogramme und war relativ blind gegenüber Independent-Comics. Allein der Schaffensprozeß von Teenage Superfreaks zu beobachten. Von unserer ersten wagen Idee, über mein allererstes Comic-Skript bis hin zum fertigen Produkt, haben meinen eigenen Blick über den Tellerrand enorm geweitet. Ich teste seitdem viel mehr aus als Konsument, alleine um zu erfahren, was es noch so da draussen gibt an kleinen, eigenproduzierten Küchentischcomics!"

Bouncie: "Oh ja! Ich erinnere mich noch sehr gut wie Chris mich um 2008 mit seinem Pioniergeist angesteckt hat. Die Zeit rund um WHOA! Comics # 1 und unser Besuch auf dem Comicfestival München 2009 war etwas ganz besonderes. Angefangen im Panini-Forum hat sich aus unserer Arbeitsgemeinschaft eine richtige Freundschaft entwickelt. Toll ist auch die Möglichkeit mit Chris und Henning per Skype einfach mal ein Brainstorming zu halten. Denn dass die Chemie zwischen uns stimmt sieht man nicht nur an unseren Comics, sondern auch an unserem Comic-Podcast "Comic-o-Rama" (*Werbung*)"



Frage: Wie kann man am Besten Eure Comics definieren, was zeichnet sie aus?

Chris: "Anders. Unsere Comics stammen meistens vom Leben, selbst unsere Parodien wie Teenage Superfreaks. Die Comics leben durch uns und auch durch den Leser.

Bouncie: Ich möchte behaupten dass wir schlicht und ergreifend niemanden kopieren sondern mit vollster Kraft "unser Ding" durchziehen.

Henning: "Herzblut. Leidenschaft. Und eine enorme Portion Pioniergeist! Wir setzen uns ins Boot und wissen nicht, wo die Reise hingeht. Das ist extrem spannend! Inhaltlich würde ich sagen, liegen uns Geschichten mit Ecken, Kanten und augenzwinkerndem Humor. Wir haben den Luxus, uns nicht ernst nehmen zu müssen und das spiegelt sich auch in Serien wie "Sanchez dem Roboter" oder eben "Teenage Superfreaks" wieder. Ein Roboter in der Pubertät, Superhelden mit Pickeln... auch wenn wir Klischees wie "Funnies" bedienen, würde ich uns doch in eine eigene Schublade packen: "Edgy Funnies"!

Bouncie: Gott sei Dank nicht "Straight Edgy Funnies" … das wäre dann doch arg lasch!

Christopher: Du hast Dich bei den großen Verlagshäusern in Deutschland als Zeichner beworben, aber keinen Erfolg gehabt. Wie schwierig ist es in Deutschland als Zeichner Fuß zu fassen?



Chris: "Ich kann eigentlich nur von mir sprechen, die häufigste Antwort die ich bekam war, das ich in kein wirkliches Konzept passte."



Henning: "... in keine gängige Schublade eben!"

Chris: "Und ich merkte es auch selber, deshalb habe ich mich auch entschlossen es selber zu machen. Ich kann ehrlich gesagt nicht sagen, wie es ist wenn man "mainstream" genug ist, um bei den Verlagshäusern genommen zu werden. Aber ich denke, es ist im allgemeinen Sinne schwierig."

Henning: "Ich war überrascht, wie viele großartige Zeichner es z.B. auf Messen gibt, als ich im letzten Jahr das erste Mal auf dem Comicfestival in München zu Gast war und mit einigen Kollegen ins Gespräch gekommen bin und mir viele Mappen angesehen habe von Leuten, die sich entweder noch komplett unentdeckt zwischen den Tischen bewegten oder sogar schon einige Seiten in Independentverlagen veröffentlicht hatten. Es gibt so einen riesigen Talentepool in Deutschland und München war ja nur ein kleiner Teil davon – ich bin schon sehr gespannt auf Erlangen dieses Jahr. Ich kann mir aber vorstellen, beim Filmemachen ist es ja ähnlich, dass eben nicht nur Talent zählt, sondern auch Anpassung, Glück, Gelegenheit, Glück, Beziehungen und Glück. Die deutsche Independent-Szene ist da zum Glück sehr weitläufig und bietet wunderbare Möglichkeiten, sich zu präsentieren, sei es in etablierten Projekten wie z.B. das wunderbare JAZAM!-Magazin oder eben in unabhängiger Eigenregie, wenn man gewillt ist, das finanzielle Risiko einzugehen!"

Bouncie: Ich möchte noch hinzufügen dass die bisherige "Ablehnung" der großen Verlage "Fluch und Segen" zugleich ist: sicher, auf der einen Seite wäre es grandios über einen starken Verlag im Rücken deutlich mehr Leute erreichen zu können. Auf der anderen Seite haben wir das Glück dass wir bis jetzt nur uns untereinander Rechenschaft schuldig sind. Es gibt niemanden der uns rein redet. Was aber nicht heißen soll dass sich keiner der "Großen" bei uns nicht melden darf, falls unsere Comics gefallen sollten. ;)

Welche Vorteile seht Ihr darin unabhängig zu sein?



Chris: "Wir können machen, was wir wollen!"

Henning: "Wir können machen, was wir wollen!"

Bouncie: "Wir wollen machen, was wir (am besten) können!"

Chris: "Naja, wir wollen es ja auch verkaufen, von daher testen wir neue Ideen aus. WHOA COMICS hat sich da als tolle Plattform etabliert. Das ist unsere Anthologie, wo wir Charaktere oder Konzepte ausprobieren und dann auf Feedback gespannt sind. Sanchez hatte zum Beispiel seinen ersten Auftritt in WHOA COMICS #2. Das positive Feedback zu der Figur hat mich dann ermutigt, ihm einen eigenen Comic zu widmen."



Henning: "Exakt. In WHOA COMICS #3 testen wir ebenfalls neue Figuren, wie Mr. Kill – den wir bei entsprechender Resonanz als Web-Comic ausbauen wollen und danach bei entsprechender Resonanz als eigenen Serie. Oder "Dracula beim Speeddating". Eine Kurzgeschichte, die auch im Gratis-Heft vertreten sein wird und ich habe bereits Ideen für ein Sequel!

Welche Rolle spielen aus Eurer Sicht die Kleinverleger für die Vielfalt auf dem deutschen Comicmarkt?

Chris: "Wir Kleinverleger lockern den Comicmarkt ein wenig auf der von den Mega-Wummen, Mörder-Titten und Superhelden dominiert werden. Quasi die Medichlorianer im Comicbusiness!”

Henning: "Naja, Wummen, Titten und Superhelden haben wir ja auch! Sind halt die besten Zutaten für einen Comic!"

Chris: "Du Macho!"

Henning : "Kleinverleger können mutig sein! Sie müssen nicht darauf achten, dass Onkel Ben tot bleibt, oder Spider-Mans Klon dann doch nicht der richtige Peter Parker ist. Sie können einem Kafka oder Bonnhöfer nahe bringen oder einfach auch mal bewusst Schund raushauen, nicht weil es gefallen muss, sondern weil’s Spass machen soll!"



Bouncie: "Die Independet-Verlage sind ungemein wichtig. Was zum Beispiel Superhelden angeht gibt es ja aktuell ein Monopol in Deutschland. Das Problem daran ist, dass es keine Konkurenz gibt welche den Verlag zwingt einfach mal mutig zu sein, Serien zu bringen die eventuell wie eine Bombe einschlagen könnten. Der Independet-Markt ist in dieser Hinsicht noch viel offener. Für jeden gibt es irgendwo ein Nische."

Würdet Ihr etwas anders machen, wenn Ihr noch einmal 5 Jahre zurück gehen könntet?



Chris: "In Sachen Comics: Nein. In Sachen Marketing, Planung, Finanzierung und Druck: auf alle Fälle. Wir haben in den vergangenen Jahren viel Geld falsch angelegt und hätten es besser machen können (die Erkenntnis sickert meistens danach runter..)"

Bouncie: "Das stimmt. Es sind meist nur Kleinigkeiten die man im Detail etwas anders hätte machen müssen. Aber selbst dann wären wir sicher heute nicht zu 100% zufrieden. Was ja auch nicht schlecht ist, denn man sollte seinen "Hunger nach mehr" niemals verlieren."

Welche Veröffentlichungen können wir von Euch 2012 noch erwarten?



Chris: "Ganz klar: Whoa! Comics #3, welche auch kongeniale Stories von Henning enthalten wird und auch Beiträge von deutschen Comic Größen wie Naomi Fearn, Stefan Dinter und Till Felix."

Henning: "Da freu ich mich besonders drauf. Ein sehr abwechslungsreiches Heft!"

Chris: "Und unser erstes Horror Comic feiert dieses Jahr ihr Debüt, wo wir den Sinn des Lebens enthüllen!"

Henning: "Das Heft ist unser Beitrag zum Comic-Clash 2012!"

Das Interview führte Bernd Glasstetter.

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Daten dieses Berichts
Bericht vom: 26.03.2012 - 12:39
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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