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Vorgestellt: Holzhof Verlag
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Der Dresdner Holzhof Verlag ging 2005 aus der Webseite www.DDR-Comics.de hervor, die sich seit 2000 der bibliografischen Aufarbeitung der DDR-Comicgeschichte widmet. Zunächst spezialisierte man sich auf den Nachdruck lang verschollener, oft nachgefragter Comics aus DDR-Kinderzeitschriften und -Illustrierten im Rahmen der Reihe Klassiker der DDR-Bildgeschichte, mit vierteljährlichen Ausgaben, künstlerbezogenen Editionen (Jürgen Günther) und unregelmäßigen Sonderbänden.

Seit einigen Jahren unterstützt der Holzhof Verlag regionale Künstler bei der Herausgabe eigener Comics, darunter die mehrfach mit Preisen bedachte Dresdner Künstlergruppe Beatcomix um Ivo Kircheis und Mamei ("Paralleluniversum", "Rocket Blues", "Dave Grigger") und den Berliner Comicmacher Hagen Flemming ("Die Virtonauten von Remory"). Auch die ziegelsteinschwere Gesamtausgabe der ersten 20 Jahre "Schweinevogel" von Schwarwel und die deutsche Luxusausgabe des einzigen Olsenbande-Comics erschienen hier.

Guido Weisshahn hat uns einige Fragen zum Verlag beantwortet:

Der Holzhof Verlag ist noch relativ neu in der deutschen Comicszene. Wie ist er entstanden?

Naja, neu ist relativ - vermutlich sind wir erst seit beim letzten Gratis Comic Tag wirklich auf dem Radar der deutschen Comicszene aufgetaucht. Es gibt uns tatsächlich schon seit 2005. Der Verlag war ursprünglich ein Schwesterprojekt der Webseite www.DDR-Comics.de, die ich seit November 2000 betreibe und auf der ich versuche, die Comicgeschichte der DDR (vor allem jenseits von MOSAIK) bibliografisch und reichlich illustriert zu dokumentieren. Es gab immer wieder Anfragen von Besuchern der Seite nach gedruckten Fassungen beliebter DDR-Comics, und ich nahm das Wiederaufleben der jährlichen MOSAIK-Börse im November 2005 in Wolfen zum Anlass, mit DDR-Comic-Nachdrucken an die Öffentlichkeit zu gehen.

Ein Schwerpunkt Eures Programms liegt bei Comics aus der damaligen DDR. Mal ketzerisch gefragt: Gibt es da überhaupt genug gutes Material, um im Prinzip einen eigenen Verlag zu füllen, oder ist da nicht auch eine gute Portion der oft zitierten "Ostalgie" im Spiel?



Sagen wir so: Es gibt viel Material, aber im Verhältnis zum westdeutschen Comic-Output der gleichen Zeitspanne ist es sehr wenig, und darunter die würdigsten und/oder bekanntesten Sachen auszusuchen, ist nicht so schwer. Es reichte, um bis letztes Jahr jährlich vier bis sechs Ausgaben der DDR-Klassiker zu verlegen. Nun dünnt das Material etwas aus, Vorlagen sind schwieriger zu bekommen und Rechteklärungen aufwändiger, deshalb kommen künftige Ausgaben, wenn es sich anbietet.

Es ist weniger "Ostalgie" im Spiel, weil es nicht den typischen DDR-Comic gab, sondern vielmehr Nostalgie, weil die Leser von damals diese Comics emotional mit ihrer Kindheit verbinden und sie deshalb attraktiv finden. Damit unterscheiden sich meine Nachdrucke hinsichtlich des Wertes für die Zielgruppe nicht von comicplus+' Winnetou oder der Barks Library - nur dass die Zielgruppe deutlich kleiner ist, da es weniger Comics und weniger Comicfans in der DDR gab (immer unter Ausnahme des MOSAIK, wohlgemerkt, das als einzige richtige Comiczeitschrift der DDR eine Sonderstellung einnahm und -nimmt).

Ob man einen "Verlag füllen" kann, hängt doch vor allem von dessen Anspruch und Funktion ab. Holzhof muss (und kann) nicht persönliche Existenzen sichern, und das Anliegen, verschollene DDR-Comics im nachgefragten Umfang wieder ans Tageslicht zu holen, hat er in den Jahren seines Bestehens erfüllt, würde ich in aller Bescheidenheit behaupten.

Was ist Eurer Meinung nach das Charakteristische am DDR-Comic? Gibt es überhaupt so etwas wie "den" DDR-Comic? Und findet Ihr diese Besonderheiten auch in den Arbeiten heutiger Künstler aus Ostdeutschland?



Nein, "den" DDR-Comic gibt es nicht - wieder abgesehen vom MOSAIK, dessen politische und ästhetische Entstehungsgeschichte von Mark Lehmstedt 2010 hervorragend dokumentiert wurde und das typisch ostdeutsche Rezeptionsgewohnheiten für Comics entstehen ließ. Die Comicmacher jenseits von MOSAIK waren Karikaturisten, Trickfilmer oder Maler, die aus Lust am Medium, als unterhaltsame Fingerübung oder auch aus Interesse an der sehr guten Bezahlung Bildgeschichten zeichneten und in Kinderzeitschriften und Illustrierten unterbrachten. Dadurch finden sich Einflüsse von Disney und aus dem Trickfilm, von frühen westdeutschen Comics und später auch frankobelgische Anleihen, aber alles in eher geringem Maße. Der Einfluß auf die gegenwärtige ostdeutsche Comicproduktion ist spürbar, aber nicht dominierend. Die Virtonauten von Remory tragen deutlicher den Geist des MOSAIK hinsichtlich Sujet und Erzähltechnik in sich als Schwarwels Schweinevogel oder die Beatcomix-Sachen.

Neben "alten" Comics bringt Ihr auch aktuelle Geschichten heraus. Nach welchen Kriterien wählt Ihr diese neuen Comics aus? Legt Ihr auch da einen Schwerpunkt auf ostdeutsche Künstler?



Es handelt sich ausnahmslos um verlegerische Tätigkeiten, die aus Freundschaften zu Künstlern und Comicfans der hiesigen Szene entstanden sind - inhaltliche Auswahlkriterien gibt es nicht. Die Alben der Beatcomix-Leute (Mamei und Ivo Kircheis) und Hagen Flemmings Virtonauten von Remory sind alle von den Machern selbst produziert und finanziert, ich biete nur ein bisschen verlegerische und vertriebsmäßige Starthilfe. Schwarwels Schweinevogel-Ziegelstein war mir ein persönliches Bedürfnis, auch der wurde aber von der Agentur Glücklicher Montag produziert.

Wer sich heute in Deutschland für Comics interessiert, kennt Namen wie Asterix, Spider-Man, Sailor Moon oder auch Werner. Die Comics aus der damaligen DDR sind im Vergleich dazu relativ unbekannt. Was aus diesem Bereich sollte man sich als Comic-Interessierter unbedingt einmal ansehen?



Da empfehle ich als Übersicht unser aktuelles Verlagsprogramm: www.holzhof-verlag.de/holzhof2012web.pdf. Unter www.DDR-Comics.de kann man in viele der Comics reinschnuppern. Für den Start empfehle ich unsere Gesamtausgabe von "Otto und Alwin" sowie den Band "Klaus und Choko" von Willy Moese, aber in der DDR-Klassiker-Reihe finden sich weitere Leckerbissen.

Welche Höhepunkte außer Eurem Heft zum Gratis-Comic-Tag können die Fans 2012 von Euch erwarten?

Im Herbst wird eine Gesamtausgabe eines der frühesten DDR-Comics erscheinen: Waputa, die Geierkralle, von Herbert Reschke. Es handelt sich um eine Polit-Parodie von 1955, in der Adenauer und McCarthy ihr Fett wegbekommen. Die Ausgabe soll als Hardcover erscheinen, angereichtert mit der raren zweiten Serienstaffel von 1968, die den Wahlkampf begleitete (mit Brandt, Strauß und Wehner als Hauptdarstellern) und die damals, obwohl in der DDR entstanden, im Westen erschien, sowie mit Vorzeichnungen und diversem Bonusmaterial aus dem Reschke-Fundus des DDR-Comicexperten Michael Scholz. Weitere Projekte sind in Planung, aber noch nicht konkret genug zum "Vorgucken".

Das Interview führte Henning Kockerbeck, Chefredakteur des Onlinemagazins Splashcomics.

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Daten dieses Berichts
Bericht vom: 14.03.2012 - 00:04
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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