SplashpagesSplashbooksSplashcomicsSplashgamesComicforumImpressumEntertainweb


In der Datenbank befinden sich derzeit 43 Events. Alle Events anzeigen...
Specials Eventspecials

Vorgestellt: Cross Cult

2011 feierte das süddeutsche Comic- und Roman-Label Cross Cult sein 10jähriges Bestehen. 2001 wurde der Kleinverlag von Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern aus der Grafik-Agentur Amigo heraus gegründet, die sich ihre Sporen als Grafik-Dienstleisterin für Comic-Verlage wie Dino (später Panini), Carlsen und Ehapa verdient hat.

Mit dieser Expertise brachte der junge Verlag erfolgreich US-amerikanische Independent-Hits wie SIN CITY und HELLBOY nach Deutschland - als aufwändige Hardcover-Editionen im Buchformat (ein Markenzeichen Cross Cults). Zahlreiche andere Stoffe aus den USA, Frankreich und Spanien folgten. Darunter die populäre Zombie-Survival-Soap THE WALKING DEAD, die Genre-Persiflagen HACK/SLASH und THE GOON, das Comic-Debüt des MY CHEMICAL ROMANCE-Sängers Gerard Way UMBRELLA ACADEMY und die preisgekrönte All-Ages-Saga MOUSE GUARD. Neben den drei Genre-Säulen des Verlagsprogramms Horror/Mystery, Crime/Thriller und Science Fiction/Fantasy erscheinen im Cross-Cult-Verlag edle Neu-Editionen von vergriffenen Comic-Klassikern wie ROLAND, RITTER UNGESTÜM oder der Moebius-Meisterwerke ARZACH und DIE HERMETISCHE GARAGE, Jahrhundert-Graphic-Novels wie LOST GIRLS von Alan Moore und STUCK RUBBER BABY von Howard Cruse und Eigenproduktionen wie die gefeierte grafische Novelle JAKOB und die deutsche Steampunk-Saga STEAM NOIR. Seit 2008 bereichern auch Romane das Cross-Cult-Portfolio, allen voran die Romane aus dem legendären STAR TREK-Universum und ab 2012 Bücher zu der TV-Krimiserie CASTLE.

Die folgenden Fragen haben uns Andreas Mergenthaler, Verlagschef von Cross Cult und Filip Kolek, Pressesprecher des Verlags beantwortet:

Cross Cult ist aus einer Grafik-Agentur hervorgegangen. Wie kam es dazu und warum ist es nicht bei der Agentur geblieben?



Ich (Andreas) hatte schon früher zusammen mit Holger Bommer (der noch heute unter dem Label Gringo Comics schöne Comics einheimischer Zeichner veröffentlicht) Erfahrungen als Fanzine-Verleger gesammelt. Das war aber natürlich nie zum Geld verdienen gedacht. Als ich dann zusammen mit meinem jetzigen Kompagnon Hardy Hellstern eine Grafik Agentur gegründet hatte, hatte ich die Idee, es doch einmal einen Schritt "professioneller" zu probieren. Da wir vor allem für Kunden aus dem Comicbereich gearbeitet haben, z.B. Dino und Carlsen, hatten wir Einiges an Erfahrung gesammelt, was die Grafik, Druckvorstufe, Lettering etc. für Comics angeht. Zufällig war zu dieser Zeit gerade die "Hellboy"-Lizenz frei, da EEE die Reihe eingestellt hatte. Da ich ein großer Verehrer von Mike Mignola bin, haben wir versucht, an die Rechte zu kommen. Was glücklicherweise auch gelang, da Dark Horse ein Herz für enthusiastische "Anfänger" hatte. Die ersten Bände haben den Leuten bei Dark Horse so gut gefallen, dass wir dann auch "Sin City", "300" und andere schöne Lizenzen bekommen haben. Da alle drei Titel dann auch erfolgreich verfilmt wurden und sich entsprechend gut verkauft haben, war der Grundstein für einen "richtigen" Verlag gelegt. Aus dem Hobby wurde also eine richtige "Arbeit". Für die Redaktion und das Lektorat haben wir anfangs freie Mitarbeiter ins Boot geholt, mittlerweile ist Filip die "Allzweckwaffe" für Redaktion, Lektorat und Pressearbeit, er und wechselnde Praktikanten kümmern sich meist auch um's Lettering, und ich mache sozusagen "den Rest".

Was waren Eure Aufgaben, als Ihr für Dino, Carlsen und Ehapa gearbeitet habt?

Andreas: Wir arbeiten ja immer noch für diese Verlage, bzw. aktuell vor allem Panini, Carlsen, Blue Ocean und Eckart Schott. Unser Team besteht aus 4 Grafikern, 2 Repro-Fachleuten, einem Setzer/Letterer, Hardy und ich. Wir layouten Kids-, Manga- & Comic-Magazine, gestalten Anzeigen, Poster und Extras, scannen, retuschieren und lettern Mangas und lettern auch normale Comics. Im Lauf der Jahre haben wir an sehr vielen Titeln gearbeitet: Unter anderem die Simpsons, die Dino DC-Superheldenhefte, Star Wars/Clone Wars, die Panini Fantasy-Titel, Beavis & Butt-Head, Daisuki, Dragon Ball, One Piece, Yakari, die Blauen Boys, Spirit, Vampirella, Hiro, Beyblade, Predator Magazin, Shaun das Schaf, Spider-Man Magazin und viele, viele mehr.

In der jüngeren Vergangenheit haben sich einige Verlage neu gegründet. Splitter ist auch aus einer Agentur hervor gegangen, Piredda beispielsweise nicht. Ist die Grundlage, die eine Grafikagentur bildet, ideal für die Gründung eines Verlages?

Andreas: Es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn man Ahnung von Grafikdesign und Marketing hat, wenn man seine Produkte, seine Anzeigen und Kataloge selbst gestalten kann. Andere (Klein-)Verlage sparen da gerne, da gestaltet dann der Verleger autodidaktisch selbst oder gibt diese Arbeit an günstige Hobby-Grafiker ab und entsprechend unprofessionell sehen die Produkte und der Auftritt als Ganzes dann oft auch aus. Dann können die Titel des Verlages noch so schön editiert und textlich bearbeitet sein - viel Erfolg werden diese Verlage nicht haben. Es kommt halt doch vor allem auf eine schöne "Verpackung" an. Und da wir und auch Splitter die "Hürde" nicht haben, diesen Teil der Arbeit teuer extern einkaufen zu müssen, können wir viel Zeit und Aufwand in diesen Aspekt des Verlagsgeschäfts stecken. "Zukaufen" müssen wir dann aber natürlich die "Textseite" des Geschäfts, also Redakteure, Lektoren, Übersetzer und evtl. auch Presseleute. Aber das lässt sich ja problemlos mit freien oder festen Mitarbeitern bewerkstelligen.

Zudem macht ein Grundwissen an Druckproduktion, Grafik, Layoutprogrammen etc. auch die Zusammenarbeit mit anderen Verlagen bei Ko-Produktion und bei der Zusammenarbeit mit Druckereien viel leichter. Andere Verlage müssen sich dafür dann einen eigenen Produktioner einstellen - das können aber die wenigsten. Also übernehmen diese Arbeit dann oft externe Grafiker. Dann läuft aber alles über zig Ecken und es ist alles unnötig kompliziert. Es hilft also, wenn man Verleger, Produktioner, Grafiker, und Marketingmann in einer Person ist. Das spart Zeit und Geld.

Ihr habt in Eurer frühen Zeit Sin City und Hellboy neu aufgelegt. Die Comics wurden davor schon von anderen Verlagen verlegt, hatten dort aber keinen Erfolg. Was habt Ihr anders gemacht, um diese Comics zu einem Megaseller zu machen?

Hellboy 1 Sin City 1



Andreas: Naja, Megaseller ist sicher etwas übertrieben. Aber speziell "Sin City" lief wirklich sehr gut. Gerade im Buchhandel. Natürlich haben vor allem die gelungenen Verfilmungen zum Erfolg beigetragen, aber auch unser spezielles Format, das zu einer Art Markenzeichen geworden ist. Früher gab es US-Comics hierzulande fast nur als schlabbrige Hefte, dünne Softcover-Alben oder schmale Tradepaperbacks. Wir haben von Anfang an auf ein kleineres Format, auf dickes, teures Papier, auf Hardcover mit Fadenheftung und auf eine schöne Gestaltung geachtet. Damit hatten die Bände zwar "Größennachteile" in Comicshops, sie gehen dort gerne zwischen den größeren Titeln unter, aber dafür passen sie viel besser in die üblichen Regalgrößen des Buchhandels. Zudem verlieren sie so den Anschein des Wegwerfprodukts, sie werden wertiger, "wertvoller" für die Käufer. Man kann sie wegen der Dicke auch gut ins Regal stellen, gut sammeln. Unsere Ausgaben von "Sin City" und "Hellboy" kamen also zur rechten Zeit und sie hatten eine passende Aufmachung. Übrigen hatten die Kollegen bei Dark Horse unser Format so gut gefunden, dass sie ihre "Sin City"-Neu-Edition, die kurz vor dem der Verfilmung erschienen ist, ebenfalls im Kleinformat (nur ohne Hardcoverumschlag) veröffentlicht haben. Aber Format ist natürlich nicht alles. "300" lief auch super - und dieser Band wurde im sperrigen Original-Querformat veröffentlicht.

Ihr habt danach The Walking Dead aufgelegt, das auch das Thema Eures Gratis Comic Tag-Heftes ist. Die Comicserie ist in der Zwischenzeit auch im Fernsehen gelandet. Konnte man auch diesen Erfolg planen, oder war hier Glück mit im Spiel?

Filip: Glück ist das sicherlich ein wichtiger Faktor, vielleicht auch das Gespür für potentiell gut verkäufliche Stoffe. Als wir THE WALKING DEAD lizenziert haben, war die Serie noch ein Geheimtipp, aber die Qualität der Erzählungen, die die Reihe über den Großteil der Horror- und Zombie-Comics gehoben hat, war schon unübersehbar. Der Mainstream-Erfolg mit TV-Serie, Romanumsetzung, Game-Adaption und all den anderen Franchise-Angeboten konnte natürlich keiner vorhersehen, und es ist umso erfreulicher, dass diesem Comic-Stoff so ein Erfolg vergönnt ist.

In der Zwischenzeit bringt Cross Cult mehr Romane als Comics. Unter anderem erscheinen bei Euch inzwischen die Star Trek-Serien und die Romane zur TV-Serie Castle. Wie kam diese Wandlung zustande?

Castle



Filip: Wie jeder Verlag im Wachstum sucht auch Cross Cult beständig nach neuen Stoffen und verlegerischen Feldern, die man selber und im Optimalfall auch niemand anders schon besetzt haben. 2008 trat Markus Rohde, mittlerweile unser viel beschäftigter Roman-Redakteur, an uns heran und schlug uns mit dem J.J.-Abrams'-Star-Trek-Film, der ein später in die Kinos kam, im Blick vor, das Star-Trek-Romanfranchise in Deutschland wieder neu zu beleben. Der Heyne-Verlag, der die Romane zu den TV-Serien traditionell viele Jahre veröffentlicht hatte, hatte sich von dieser Lizenz zurückgezogen und eine Lücke hinterlassen, die für einen Großverlag vielleicht nicht mehr attraktiv genug war, aber für uns genau richtig. So fiel dann die Entscheidung, das Portfolio des Verlags, über das Comicmedium hinaus zu erweitern, und mittlerweile machen Romane ca. die Hälfte unserer aktuellen Publikationen aus.

Zu den neuesten Comics, die Ihr heraus bringt, gehören eher klassischere Albenmaterialien, zum Teil auch aus Deutschland. Wie kam es dazu?

Roland Ritter Ungestüm



Andreas: Das sind einfach alte Lieblingscomics von mir, die ich der "Vergessenheit" entreissen möchte. Wenn man den aktuellen Ausstoß der frankobelgischen oder der US-Verlage anschaut, ist ja gut 50% uninteressante Massenware, 40% sind Schrott, vielleicht 9% lesenswerte Neuerscheinungen und 1% hat das Zeug zum Klassiker. Bevor man sich mit neuem Mittelmaß begnügt: Warum also nicht gut, alte Comics wieder einer neuen Lesergeneration zugänglich machen? In meiner Jugend haben mich Serien wie "Thomas der Trommler", "Hombre", "Roland, Ritter Ungestüm" oder "Warlord" einfach sehr beeindruckt. Diese Art Geschichten zu erzählen mag nach heutigen Maßstäben vielleicht nicht taufrisch sein, das Artwork wartet nicht mit Photoshop-Special-Effects oder tollen Farbexplosionen auf, aber sie waren einfach gut gemachte, zeitlose Unterhaltung. Man kann sie zudem noch unter dem Blickwinkel der Comicgeschichte lesen und genießen. Jedenfalls müssen die Werke von Zeichnern wie Jordi Bernet ("Andrax", "Torpedo") oder die Geschichten von Francois Craenhals ("Roland, Ritter Ungestüm") auch für zukünftige Lesergenerationen "konserviert" werden. Sie sind einfach zu gut.

Die Arbeit an diesen Titeln ist nicht einfach, weil die Vorlagen oft sehr alt sind und teils einen enormen Bearbeitungsaufwand verlangen. Manche muss man aus produktionstechnischen Gründen Schwarz-Weiß veröffentlichen, was einigen Lesern nicht gefällt - es geht aber nicht anders. Eine besondere Freude war es für mich, mit Kauka-Urgestein Peter Wiechmann zusammen zu arbeiten. Als Jugendlicher hatte ich damals zwar von ihm gehört, meistens kritische Töne, da er z.B. während seiner Zeit bei Zack oder Yps alles mögliche umgekrempelt hat. Als ich dann mit ihm zusammengearbeitet habe, weil wir für die Kauka-Serie "Andrax" zur Bearbeitung der Texte seine Hilfe gebraucht haben (zu manchen Geschichten gab es gar keine Texte oder sie waren nicht aufzufinden), hat er sich als sehr umgänglicher und freundlicher Unruheständler herausgestellt, der uns gerne an seinen Erfahrungen teilhaben lies. Erfahrungen aus einer langen Karriere als Comicredakteur, Geschichtenerfinder, Texter, Macher - aus einer Zeit, als es in Deutschland noch eine umfangreiche Comicproduktion gab. Heute wird ja fast nur noch importiert, was einfach und risikoloser ist, als eine eigene Produktion aus dem Boden zu stampfen, so wie es damals Verlagschef Rolf Kauka und sein leitender Redakteur Peter Wiechmann gemacht haben.

Jedenfalls freut es uns, das wir einige alte Schätze heben konnten. Wenn wir natürlich auch nicht alles, was ich damals gut fand oder was noch in den Kauka- oder DC-Comics-Archiven schlummert, noch einmal neu veröffentlichen können. Denn diese Comics sind heute doch eher Liebhaberstücke und keine Comics, mit denen man Geld verdienen kann. Deshalb ist bei uns auch in der nächsten Zeit nicht Vieles aus dieser Ecke geplant. Außer den "Roland"-Fortsetzungen. Aber besser, wir haben etwas "gerettet" und wieder zugänglich gemacht, als nichts. Nun konzentrieren wir uns wieder mehr auf neuere US-Stoffe.

Was sind Eure wichtigsten Veröffentlichungen für 2012?

Hellboy 12

Wir sind gerade dabei, uns für das Herbstprogramm neue Roman-Reihen zu sichern, die uns komplett neue Leserschichten erschließen werden. Felix Mertikat, der Zeichner unseres 2011-Bestsellers "Steam Noir", drückt zeichnerisch aufs Gas, so dass wir dieses Jahr voraussichtlich zwei neue "Steam Noir"-Alben herausbringen werden. Nachdem wir mit "The Walking Dead" bereits die erfolgreichste Zombie-Comicreihe im Programm haben, haben wir uns mit "30 Days of Night" auch eine der bestverkauften und meist prämierten Vampir-Comicserien gesichert. Im Juli geht es mit dem ersten Sammelband los, der knapp 400 Seiten haben wird. Nach einer längeren Pause, geht es im Frühsommer mit "Hellboy" weiter. Darauf freuen wir uns natürlich tierisch, nicht zuletzt, weil "Hellboy" ja der ComicStoff ist, mit dem die Cross-Cult-Historie überhaupt erst angefangen hat. Weitere Überraschungen geben wir im Laufe der nächsten Monate bekannt.

Ihr wollt uns Eure Meinung zu diesem Beitrag sagen? Dann könnt Ihr das zum Beispiel im offiziellen Forum...

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 25.02.2012 - 12:43
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
«« Der vorhergehende Bericht
Vorgestellt: Comic Culture
Der nächste Bericht »»
Vorgestellt: Egmont Balloon