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| Wer fällt am theatralischsten? Die Deutsche Cosplaymeisterschaft 2011 | ||||||||||||
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Bereits zum
fünften Mal fand gestern die DCM, die Deutsche Cosplaymeisterschaft, statt, und
zum immerhin zweiten Mal hatte ich das Vergnügen, dabei zugucken zu dürfen.
Besonders viel hat sich seit 2009 eigentlich nicht verändert. Sämtliche
anwesende Pressefotografen wuselten zu Füßen der Bühne herum und waren nach wie
vor nicht wirklich euphorisch bei dem Gedanken, die nächsten drei Stunden auf
Knien verbringen zu dürfen. Praktisch sämtliche anderen Anwesenden stürmten
beim Einlass innerhalb von 2 Minuten den Saal und waren auf den ersten Blick
der Cosplay-Fanszene zuzuordnen. Techniker und Helfer in DCM-Shirts liefen
durch die Gegend. Dieses Jahr war genau eine Frau darunter, was eigentlich
erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass ca. 90% der in Frankfurt anwesenden
Cosplayer weiblich sind. Irgendwann muss ich mal versuchen, herauszufinden, ob
die Frauen einfach lieber auf als vor der Bühne stehen, oder ob die männlichen
Helfer sich einfach lieber mit Arbeit beschäftigen, die kräftigeres Anpacken
erfordert, als Kostüme zu nähen und zu gestalten. Wer weiß. Vielleicht kann ich
nächstes Jahr mehr dazu sagen…
Auch sonst hat sich nicht viel geändert. Das Moderatorenteam Olaf von Engeln und Matthias Wieland ist das Gleiche geblieben, ich habe sogar das „Kostüm“ von einem der beiden wieder erkannt. Apropos Kostüm: Dieses Jahr war ich fest entschlossen, zumindest mit einem Satz Katzenohren dort aufzulaufen, um nicht wie eine völlig ignorante Pressetussi zu erscheinen. Leider wurde mein Plan durchkreuzt, denn trotz mehrerer Cosplaystände habe ich nirgendwo Katzenohren gefunden. Und die Ork-Ohren waren mir dann auch zu doof. Vor der
eigentlichen Veranstaltung sind die Gewinner des Japan-Quizzes vom Vormittag
bekannt gegeben worden. Zu dem Zweck waren extra mit auf die Bühne gekommen der
Direktor der Frankfurter Buchmesse, Juergen Boos, sowie der japanische
Generalkonsul Toyoei Shigeeda. Herr Boos entpuppte sich als Fan vor allem
frankobelgischer Comics, während Herr Shigeeda erzählte, dass er in seiner
Jugend selbst Mangas gezeichnet hat. Er hat übrigens den Eindruck erweckt recht
gut Deutsch sprechen zu können, aber zu der mehr oder weniger gut unterdrückten
Erheiterung des Publikums stellte sich heraus, dass er die ihm gestellten
Fragen zum Japanquiz offensichtlich nicht wirklich verstanden hat, da seine
Antworten leider nicht zu den Fragen gepasst haben. Selbst die Moderatoren
gaben irgendwann den Versuch auf, ihm die Fragen verständlich zu vermitteln.
Bei der Verlosung der Preise gab es dann noch eine Überraschung, als plötzlich
David Füleki als einer der Gewinner ausgerufen wurde, der ja schon am Samstag
bereits den Sondermann Webcomics gewonnen hat. Wenn das mal kein erfolgreicher
Messebesuch war.
Was die
eigentlichen Performances anging, war es insgesamt etwas eintöniger als vor 2
Jahren. Wie damals sind auch gestern alle Teilnehmer einzeln angetreten, aber
was 2009 mindestens drei Mal vertreten war, nämlich das fröhliche Turnbandschwenken
(bekannt aus dem Sportunterricht der frühen Mittelstufe), war diesmal gar nicht
zu sehen. Auch die Anzahl der Männer ist dramatisch eingebrochen, es gab genau
zwei männliche Teilnehmer, und somit wurde alle in der gleichen Kategorie
bewertet. Getreu meiner vor zwei Jahren aufgestellten Sparten ließen sich die
beiden Männer auch dieses Jahr wieder in
genau die selbe Gruppe einordnen: „Imposantes Kostüm, und mehr auch nicht“.
Damit will ich die Männer nicht abwerten! Der eine hat eine sehr coole Rüstung
mit einer riesigen Waffe aus einem Computerspiel nachgebaut, bei dem man am
Ende diesen fetten Typen mit der fetten Waffe in der fetten Rüstung umbringen
muss, damit der Held eine Dämonenseele bekommt, oder so. (Man möge mir meine
fehlenden Szenekenntnisse verzeihen.) Unser junger Mann stand dann also in
seiner Dämonenrüstung (er hat also nicht den Helden gespielt) auf der Bühne und
schwang zwei drei mal seine Waffe, während auf der Leinwand über seinem Kopf
der Endkampf des Computerspiels ablief. Dann erstach der Held den Dämon, unser
Cosplayer sank in die Knie, und das wars. Hmm. Aber schönes Kostüm. Der andere
Mann hatte ein elfenähnliches Aussehen und wunderschöne riesige weiße Flügel, die
auch von Nahem noch toll und riesig waren. Seine Performance bestand daraus,
wortlos über der Bahre einer vermutlich toten Frau zu knien und trauern, dann
wortlos aufstehend zu anderer Musik sich, seine Arme und seine Flügel hin und
her zu wiegen, um dann weiter schweigend an der Bahre nieder zu sinken, während
auf der Leinwand immerhin selbst fotografierte Bilder von ihm und einer Frau
liefen, die offenbar bedeuten sollten, dass die tote Frau vorher seine
Partnerin gewesen war. Naja. Vielleicht ist so viel Energie in das Kostüm und
die Flügel geflossen, dass nichts übrig geblieben ist für den Rest. Aber tolle
Flügel. Kommen wir zu den Teilnehmerinnen. Diesmal konnte ich die einzelnen Vorführungen nicht mehr so gut in Kategorien einteilen, aber mir und anderen ist aufgefallen, dass dieses Mal erstaunlich viele Vorführungen damit endeten, dass sich die Teilnehmerinnen zwischendurch oder spätestens am Ende theatralisch auf den Boden sinken ließen. Wollte man fies sein, könnte man das als Versuch werten, Verzweiflung zu schauspielern, ohne die Mimik anstrengen zu müssen. Fies bin ich aber nicht, darum sage ich nur, dass es wirklich ein bisschen zu oft vorgekommen ist. Wieder mal sind beim Publikum vor allem die Vorführungen gut angekommen, die ihren Ursprungsmanga/-anime ein bisschen auf die Schippe genommen haben. Von diesen haben es auch zwei auf die ersten 5 Plätze geschafft. Zumindest soweit ich das beurteilen kann, ohne die Animes gesehen zu haben. Aber bevor es
zur Preisverleihung kam, musste sich die Jury erstmal zurückziehen. 2009 musste
ich feststellen, dass jede Menge Zeit vergehen kann, bis die Jury zu einem
Ergebnis gekommen ist. Damals wurde die Wartezeit mit Gruppentanz auf der Bühne
überbrückt. Dieses Mal schien das Publikum entschlossen, sich nicht wieder zu
langweilen, denn kaum hatten die Moderatoren verkündet, dass der letzte
Teilnehmer fertig war, sprangen wie auf Knopfdruck alle auf und strömten zum
Ausgang. Die Moderatoren hatten Mühe, noch ein paar Zuschauer dazu zu bewegen,
noch bis zur offiziellen Pause auf ihren Sitzen zu verharren, denn dieses Jahr
fand als Überraschung eine Lolita-Modenschau statt. Dazu bewegten sich eine
zuckerniedliche und eine schwarzgewandete Lolita auf die Bühne, um eine
schnelle Einführung in die Lolitamode zu geben. Sie ist kein Cosplay, wurde
direkt betont, was sicher einige der Anwesenden dazu gebracht hat darüber zu
sinnieren, warum dann überhaupt diese Modenschau stattfindet. Aber was solls,
mir war es sehr recht um die Wartezeit zu verkürzen, und so erfuhren ich und
die restlichen Cosplayer im Saal, dass die Lolitamode aus Japan stammt und sich
an europäischer Mode aus der Zeit der Rüschen, Schleifen und Petticoats
orientiert. Typisch sind demnach ein Glockenrock, Kniestrümpfe, Puffärmel,
Bluse, Haube und Rüschen, sowie Assesoires wie Handtäschchen und
Sonnenschirmchen. Wichtig dabei ist, dass sich die Lolita immer bedeckt hält.
Die Lolitas sind natürlich alle mehr oder weniger individuell und teilen sich
in diverse Untergruppen: Da gibt es die Sweet Lolitas (sie sehen ein bisschen
aus wie rosa Zuckerwatte mit rosa Zuckerperlen und rosa Schleifchen, also so
richtig süß), Gothic Lolita (die schwarze Version, auch sie hält sich bedeckt,
wenn man von den Löchern in der Strumpfhose absieht), Punk (selbsterklärend),
Steampunk (mit „mechanischen Details“, mein Favorit), Sailor (mit Kragen und
Streifen), Pirate (Dreizack?? Wirklich? Davon gab es leider keine zu
bestaunen), und dann gibt es noch die Kategorie, deren Namen ich nicht
verstanden habe (hier wird gezeigt was man drunter trägt, ohne zu viel zu
zeigen, oder so). Es gibt übrigens auch eine männliche Variante der Lolitamode,
bei der allerdings eher Hosen und Westen getragen werden – auch von diesen war
leider kein Model anwesend. 24 andere stolzierten aber in hübschen, teils
selbstgenähten Kleidchen über die Bühne, und es hat mir ganz gut gefallen. Da
die Fotos hier mehr sagen als ich mit bloßen Worten eher schlecht als recht
beschreiben kann, verweise ich hiermit also auf die Fotos unserer fleißigen
Fotografen. (Mehr Fotos gibt es hier...)
Zu den
Gewinnerinnen! Die beiden Männer haben tapfer gebastelt, konnten die Jury dann
aber letztendlich doch nicht überzeugen. Auch wenn die Flügel wirklich toll
waren…
Der 5. Platz
ging an
Das war sie also, die DCM 2011. Und ich bin schon sehr auf nächstes Jahr gespannt, da gilt es nämlich wieder mal, als Paar anzutreten. Vielleicht bekommt man damit auch wieder ein paar mehr Männer auf die Bühne gelockt? :-) |
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| Daten dieses Berichts | ||||||||||||
| Bericht vom: | 17.10.2011 - 23:46 | |||||||||||
| Kategorie: | Tagebuch | |||||||||||
| Autor dieses Berichts: | Skrollan Kannengießer | |||||||||||
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