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Comicfrühstück: Ein Schweizer in Amerika

Er zog aus, um Comics zu zeichnen, tat das sehr erfolgreich und kehrte wieder zurück, um weiterhin Comics zu zeichnen, ebenfalls mit großem Erfolg. So könnte man den Teil der Biographie von David Boller zusammenfassen, die er in seinen autobiographischen Comic "Ewiger Himmel" erzählt. Darüber unterhielt der Künstler sich bei unserem Comicfrühstück (ja, auch in diesem Jahr sind wir nicht nur vor der Bühne vertreten) mit Bernd Glasstetter.

Von Haus aus ist David Boller Schweizer. Bereits seit seiner Kindheit waren Comics ein wichtiges Thema für ihn, denn seine Eltern waren strikte Fernsehgegner. Gewissermaßen als Ausgleich für den fehlende TV-Apparat ging es einmal pro Woche an den Kiosk, bunte Heftchen kaufen. Allerdings war die Schweiz damals, in den 1980ern, ein ziemliches Comic-Brachland. Zwar waren die ersten Ansätze bereits vorhanden, die wir heute als Edition Moderne oder Comicbörse Zürich kennen, aber viel gab es nicht. Besonders etwas gab es nicht, nach dem David suchte: Einen Mentor, der ihm bei seinen eigenen Zeichnungen und Geschichten weiterbringen konnte. Also entschloss er sich, in die USA zu gehen. Ein Stipendium der Stadt Zürich ermöglichte den Besuch der Joe Kubert School of Cartoon and Graphic Arts, heute bekant als The Kubert School, in New Jersey.

Auf was für ein Abenteuer er sich da eingelassen hatte, merkte David bereits bei der Einreise am Zoll. Er hört beim Zeichnen gerne Musik und hatte daher in einem Koffer seine umfangreiche Plattensammlung, im anderen was er sonst so brauchte. Die Beamtin des US-Zolls fand es jedoch höchst verdächtig, dass da jemand mit 500 CDs im Koffer einreisen wollte. Das muss doch ein Schmuggler sein! Aber glücklicherweise war Davids Musikgeschmack so obskur, dass die Zöllnerin schließlich überzeugt war, dass es doch seine eigenen Platten für den Privatgebrauch sind. Hätte er beispielsweise Madonna mit im Koffer gehabt, wäre er vermutlich festgenommen worden.

Auch überhaupt zur Kubert School zu kommen erwies sich als nicht ganz so einfach. Der Bus setzte ihn an einer Haltestelle irgendwo im Nirgendwo ab, und erst ein freudlicher Passant konnte ihm den Weg zur Schule zeigen. Am ersten Schultag musste David feststellen, dass viele seiner zukünftigen Klassenkameraden eigentlich kaum zeichnen konnten. In unserem Gespräch formulierte er es sinngemäß so: "Im ersten Jahr lernt man, wie man einen Bleistift hält". Es gab zwar die Möglichkeit, das erste Jahr zu überspringen, aber das machte die Schule nicht gern. Verständlich, denn sie kassierte lieber Schulgeld für drei statt nur für zwei Jahre. David musste einen regelrechten Bewerbungsprozess für den "Sprung" absolvieren, aber er schaffte es schließlich.

Mit Joe Kubert himself ist David, gelinde gesagt, nicht immer einer Meinung gewesen. Beispielsweise war Kubert der Meinung, dass David es nie zu einem guten Superheldenzeichner schaffen würde, sein Stil seit schlicht viel zu europäisch. Die Liste der Serien, an denen David später beteiligt war, spricht eine andere Sprache. Unter den fast 30 Titeln finden sich Namen wie Spider-Man, X-Men, Batman, Witchblade oder Elfquest. Am Anfang stand aber der Punisher, und eine gehörige Portion Wagemut.

Denn während eines Gesprächs mit seinem Redakteur beim Punisher musste dieser für einige Zeit das Büro verlassen. David währenddessen kurzerhand ein paar Türen weiter, wo der Redakteur von Excalibur saß. Das war eine Art britische Variante der X-Men. Dort platzte David allerdings mitten in eine Besprechung und wurde aufgefordert, doch später wiederzukommen - die höfliche Variante von, "Sieh zu, dass Du abhaust!" Beim hastigen Rückzug fiel David seine Mappe zu Boden, und er durfte seine Zeichnungen vom Boden auflesen. Als er dann schon wieder auf dem Weg hinaus war, lief ihm der Assistent des Excalibur-Redakteurs nach: Sein Chef habe die Zeichnungen gesehen und Gefallen gefunden, ob er nicht an Excalibur mitarbeiten wolle? Ab da war David "drin".

Wie es danach weiterging, warum Davids Lehrer für Malerei eine ganz besondere Rolle in seinem Leben spielen sollte, warum er wieder zurück in die Schweiz ging und womit er sich heute beschäftigt, könnt Ihr in unserem Videomitschnitt des Gesprächs erfahren.

Update: Den Videomitschnitt könnt Ihr jetzt direkt unter diesem Bericht sehen.



Der Filmmitschnitt direkt zum Anschauen
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Daten dieses Berichts
Bericht vom: 16.10.2011 - 16:06
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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