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Habibi - ein modernes Märchen aus Tausendundeiner Nacht

Bereits mit seinem Meisterwerk "Blankets" sorgte Craig Thompson für Begeisterung. Acht Jahre später hat der Comickünstler ein weiteres Mammutprojekt vorgelegt. Und "Habibi" ist möglicherweise optisch noch opulenter, denn es ist stark von arabischer Ästhetik geprägt. Andreas Platthaus von der FAZ unterhielt sich mit Craig Thompson über sein neues Werk.

Gleich die erste Frage sorgte für Heiterkeit. Platthaus sprach den Umfang von Habibi nach dem ebenfalls seitenzahlenstarken Blankets an und fragte, ob Thompson eigentlich verrückt sei? Der antwortete, ein bisschen schon. Anschließend wandte sich das Gespräch den Themen zu, die Habibi behandelt. Man kann sich den Band als Meditationen über die abrahamischen Religionen vorstellen. Wo Blankets zwar lang, aber mit genügend "Luft" zum Atmen ausgestattet war, ist Habibi dichter und stark von arabischer Ästhetik geprägt. Das Land Wanatolien, in dem die Handlung spielt, verglich Craig Thompson mit Star Wars - eine Welt weit entfernt in Zeit und Raum, also ausdrücklich kein real existierendes Land.

Ebenfalls eine wichtige Rolle in der Graphic Novel spielt der Umweltschutz. Sein Vater brachte ihm das Bewußtsein bei, dass so etwas wie Abfall existiert und die Dinge, die wir nicht mehr brauchen, irgendwo hin müssen. Der Künstler spricht an, dass ganze Schiffsladungen leerer Plastikflaschen nach China verfrachtet werden, weil wir unserem Müll nicht mehr Herr werden.

Die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht waren oft Ausgangspunkt und Inspirationen, allerdings hat Thompson alle phantastischen Merkmale entfernt. Der fliegende Teppich etwa fliegt nicht wirklich, sondern er schliddert über ein Dach und stürzt über die Kante. Ein weiterer Aspekt von Habibi ist mit Sicherheit nicht märchenhaft: Viele Charaktere erleiden sexuelle Traumata. Thompson erforscht die dunklen Orte der Sexualität. Dabei war er selbst überrascht, wie viel Eigenleben die Figuren im Hinblick auf die Heilung solcher Verletzungen der Seele entwickelt haben.

In gewissem Sinn ist der Band und der Comic an sich eine Melange aus zwei Erzähltraditionen, aus der christlichen Tradition der Bilder und der muslimischen Tradition des Erzählens mit Texten. Damit eignet sich die Form gut dazu, sich mit beiden Religionen auseinanderzusetzen. Craig Thompson betrachtet schon die arabische Kalligraphie als eine Art von Comic. Ein Kapitel in Habibi besteht aus reinem Text. So möchte der Künstler die Macht der Kombination aus Bild und Text zeigen, indem er die beiden zunächst trennt. Interessanterweise hat Thompson für die Arbeit von Habibi nicht die Unterstützung eines Theologen oder ähnlichen Experten gesucht, sondern sich rein auf sich selbst verlassen.

Zum Abschluss kommt das Gespräch auf die Zukunft. Auch nachdem er in ein Projekt sieben Jahre Arbeit investiert hat, möchte der Autor weitere Großprojekte angehen, allerdings nicht gleich. Aktuell arbeitet er parallel an drei sehr unterschiedlichen Büchern mit jeweils rund 200 Seiten. Es freut ihn besonders, dass dabei ein Kinderbuch ist, da er zuvor lange Jahre an eher erwachsenen Stoffen wie Habibi oder Blankets gearbeitet hat.



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Daten dieses Berichts
Bericht vom: 16.10.2011 - 00:20
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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