Jupiter`s Circle

Jupiter`s Circle

Jupiter`s Circle

Story:
Die Union of Justice besteht im Amerika der 1950er Jahre aus den mächtigsten Superhelden der Welt. Sie gehen gegen Superschurken und Aliens vor und genießen ihre Macht. Doch auch diese Helden werden von menschlichen Problemen nicht verschont: Eifersucht, Leidenschaft, Sucht, Midlife Crisis, Geheimnisse drohen das Team zu sprengen. Vor allem als der Direktor des FBI, J. Edgar Hoover, ein Teammitglied zu erpressen versucht. Doch die Zeiten ändern sich in den turbulenten 1960er Jahren. Aber können die Helden da Schritt halten?


Meinung:
Der dicke Band Jupiter`s Circle stellt das Prequel zu Jupiter`s Legacy dar und wie es sich für ein Prequel gehört benötigt man kein Vorwissen, um der Story folgen zu können. Wenn man nach dieser Lektüre noch einmal zu Jupiter`s Legacy greifen wird, wird man allerdings mehr verstehen und die dort vorhandenen Andeutungen und Gespräche über vergangene Konflikte werden hier erhellt. Es hilft auch enorm, dass diese Story komplett in einem Band erscheint und nicht auf mehrere Ausgaben gestreckt wird.

Dabei ist die Geschichte typisch für Mark Millar und Fans werden jetzt schon unbesorgt zugreifen, während andere ihm wohl einen kreativen Stillstand vorwerfen könnten da er schon seit vielen Jahren immer nur Variationen ein und desselben Themas abliefert. Das ist zwar richtig, aber es macht Spaß zu lesen und Millar kann in den Nuancen doch immer wieder Neues einbringen. So auch hier. Es geht mal wieder um eine realistische Erdung von Superhelden und wie sie in unserer Realität handeln würden und wie sie wahrgenommen werden. Dabei nutzt Jupiter`s Circle die Realhistorie, bettet also die Superhelden in die reale Geschichte ein und lässt auch einige Persönlichkeiten auftreten. So etwa hat der damalige FBI-Direktor J. Edgar Hoover eine wichtige Rolle, aber auch Jack Kerouac und andere treten auf. Es werden auch reale Ereignisse wie etwa der Vietnam-Krieg und die Rassenunruhen der 1960er genutzt sowie der jeweilige Zeitgeist der verschiedenen Jahrzehnte. So ist es hier von zentraler Bedeutung wie die restriktiven Normen und Wertevorstellungen der 1950er in den 1960er Jahren in das Wanken geraten.

Millar nutzt hier im Grunde einen simplen Kniff, was aber die Genialität ausmacht. Er nimmt das Silver Age der Superhelden und setzt es in Verbindung zur Realhistorie. So geht es eben darum wie die Superhelden auf diese gesellschaftlichen Änderungen reagieren. Wie geht man mit den Rassenunruhen um? Gibt es da überhaupt einen Schurken der bekämpft werden kann und ist das nicht dann Ansichtssache oder Rassismus wer als Bösewicht wahrgenommen wird? Wie soll man friedlichen Protestierenden begegnen? Wie stellt sich dann das Verhältnis zu den Behörden dar? Die Helden haben zunehmend Probleme damit, mit den Veränderungen in der Gesellschaft Schritt zu halten und die unterschiedlichen  Meinungen führen auch zu Konflikten im Team.

Dabei haben die Helden auch privat schon mit so einigem zu kämpfen und allzu menschliche Probleme. Einer ist Alkoholiker, einer durchlebt eine Midlife Crisis und verlässt seine Familie für eine deutlich jüngere Frau. Und ein anderer ist homosexuell was zu der Zeit in der die Story spielt noch strafbar war. Die scheinbar festen Moralvorstellungen brechen auch in den Helden auf. Was aber auch noch wichtig ist: wie gehen diejenigen im nächsten Umfeld mit Helden um? Wie soll man selber mit scheinbar perfekten Menschen mithalten? Abseits vom Glanz des Silver Age geht es hier um die Brüche was an sich nicht mehr neu ist und worin sich Millar durchaus wiederholt, aber man liest es gern da die Psychologie der Charaktere glaubwürdig ist und diese sich in Epochen befinden welche man geschichtlich nachvollziehen kann. Dazu passen auch die Zeichnungen die zwar sehr flächig und kantig ausgefallen sind und so mehr in den Cartoonbereich rücken. Andererseits atmen sie einen Retrostil der sehr gut zu der Story und der geschilderten Epoche passt. Zugreifen.


Fazit:
Die Verknüpfung des Flair von Superhelden aus dem Silver Age und der Realhistorie ist ein überzeugender Kniff. Neben den allzu menschlichen Abgründen der Helden geht es auch um die Reaktionen auf die gesellschaftlichen Entwicklungen was den Band herausragen lässt.