A Walk through Hell 1: Das verlassene Lagerhaus

A Walk through Hell 1: Das verlassene Lagerhaus

A Walk through Hell 1: Das verlassene Lagerhaus

Story:
Die FBI-Agenten Shaw und McGregor kümmern sich um die ganz normalen, alltäglichen Fälle. McGregor ist noch jung und idealistisch während Shaw kurz vor dem Burn-Out steht. Der letzte Fall mit einem Kindermörder ist beiden ziemlich nahe gegangen. Als zwei Agenten in einen Lagerhaus verschwinden, so nehmen Shaw und McGregor das nicht sonderlich ernst. Doch als sie das Lagerhaus betreten beginnt für sie ein Alptraum.


Meinung:
Die Comics von Garth Ennis waren immer schon recht redselig. Ennis konnte ganze Kapitel, also ganze US-Hefte, komplett in Dialogen oder Monologen halten. Etwa in der Serie Preacher wo Cassidy dem Prediger Jesse von seiner Vergangenheit erzählte. Aber auch in weniger übertriebenen Beispielen wurden viele Seiten nur mit Gesprächen gestaltet. Aber das macht überhaupt nichts, denn Garth Ennis ist ein Meister des Dialogs. Sein Stil wirkt realistisch und so lebensnah das man als Leserin und Leser das Gefühl hat, man sitzt gerade neben den Charakteren und trinkt mit ihnen ein Bier. Zudem kam auch hier immer der berühmte Witz von Ennis zum Tragen und es wurde nie langweilig auch wenn gerade auf der Handlungsebene nicht viel passierte. Dabei dienten die Dialoge immer auch der Aufhellung der Charaktere oder der Deutung einer Situation.

Vielleicht hätte Ennis einige seiner früheren Werke noch einmal lesen sollen bevor er A Walk through Hell geschrieben hat. Diese Mini-Serie, welche in Deutschland in zwei Bänden abgeschlossen sein wird,  lässt die Qualität der Dialoge schmerzlich vermissen. Es wird zwar wieder mal viel geredet aber die Dialoge drehen sich im Kreis, wiederholen sich, entbehren jeden Witzes und machen die Lektüre zu einer zähen Angelegenheit. Vielleicht hatte sich der Autor selber darin verstrickt. So entwirft eine der Figuren eine Theorie, welche von dem Gesprächspartner widerlegt wird. Später wird diese Theorie schon wieder aufgeworfen und zwar ausgerechnet von demjenigen der sie widerlegte, weswegen sie nun vom Gesprächspartner abgelehnt wird. Und man ahnt es schon: später kommt sie noch mal zur Sprache. Das ist sehr ermüdend und verleidet etwas die Lektüre.

Was schade ist, denn die Story ist interessant. Zwei FBI-Agenten betreten ein Lagerhaus in dem kurz zuvor zwei ihrer Kollegen verschwunden sind. Da scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Selbst das durchtrainierte SWAT-Team ist voller Furcht aus dem Lagerhaus geflüchtet. In dem Gebäude selber finden die zwei Beamten zwar recht schnell einen ihrer Kollegen, doch das ist erst der Beginn eines Alptraums. Denn das Betreten des Lagerhauses ist gleichzeitig ein Gang in das Unterbewusste der Charaktere. Quasi in das psychoanalytische „Es“. Dafür ist das Lagerhaus ein sehr deutliches Symbol da dort eben Sachen weggeschlossen, gelagert, also nicht weggeworfen im Sinne von verarbeitet werden. Aber gleichzeitig ist es dort nicht nur auf der symbolischen Ebene düster, dunkel und unübersichtlich. Sigmund hätte seine Freud und es ist schon recht geschickt konzipiert. Schließlich werden die FBI-Agenten dann auch mit ihren Sünden und ihren Ängsten konfrontiert. Da ist es besonders schade, dass einem die Charaktere nicht sonderlich näher kommen, aber die Horrorelemente funktionieren durchaus.

Dazu passen, ausnahmsweise, auch die flächigen Zeichnungen die gut zeigen wie wenig die Helden eigentlich sehen und dass das Grauen im Schatten lauert und die Horrorelemente wirken dadurch noch effektiver. Aufgrund der vielen Rückblenden, welche immer durch ausufernde Kommentare und Dialoge eingeleitet werden, stellt sich aber die Frage ob eine lineare Erzählung nicht besser gewesen wäre da sie so kompakter erscheinen würde, die Figuren näher gebracht hätte und dann nicht so viele Dialoge nötig gemacht hätte. Aber ein schwacher Band von Garth Ennis ist immer noch ein guter Band und angesichts der Story kann man die Fortsetzung und das Finale kaum erwarten.


Fazit:
Ein schwacher Band von Garth Ennis ist immer noch ein guter Comic. Leider hat der Ire diesmal seine Dialoge nicht im Griff was die Lektüre etwas zäh macht, aber dafür punktet die geheimnisvolle Story und die Atmosphäre.