Die lebende Tote

Die lebende Tote

Die lebende Tote

Story:
Der brillante Wissenschaftler Joachim wird wegen illegaler Forschungen verurteilt. Nachdem die Erde von den Menschen verlassen worden war, gelten alle damals gewonnen Kenntnisse als Pseudowissenschaft und sind ebenso verboten wie Bücher. Joachim steht nun vor dem Nichts. Doch dann wird er von einer geheimnisvollen und mächtigen Frau engagiert deren verstorbene Tochter wieder in das Leben zurückzuholen. Aber das wird Konsequenzen haben.


Meinung:

Der Frankensteinmythos ist wahrlich unsterblich. Nicht nur weil das Thema immer noch zu berühren weiß, sondern weil die Fortentwicklung der Wissenschaft und der Technik es sogar immer wahrscheinlicher gemacht hat, dass man in der Tat langsam einen Menschen „bauen“ könnte. So ist das Frankenstein-Thema schon längst nicht mehr im Gothic Horror Bereich verankert, oder einfach nur schlicht in die Moderne verlegt worden, sondern man kann auch einen Gutteil von Science-Fiction-Filmen finden die sich darauf beziehen. Wenn man nämlich den Mythos auf seinen Kern reduziert, die Schaffung eines künstlichen Wesens was sich gegen seinen Schöpfer wendet, so war es schon immer präsent. Von Fritz Langs Stummfilmklassiker Metropolis bis zu neueren Filmen wie Ex Machina. Alle diese Stoffe sind auf den Klassiker der Literatur Frankenstein oder der moderne Prometheus von Mary Wollstonecraft Shelley zurückzuführen. Auch wenn diese oder ihr Buch nicht explizit genannt werden.

Was hat dieser Exkurs  nun mit dem Comic Die lebende Tote zu tun? Dieser in einem Band abgeschlossene Comic kann man eben in diese Tradition einbeziehen. Auch wenn der Titel eher nach einer Zombiegeschichte klingt. Inhaltlich wird die Referenz an Frankenstein deutlich. Wobei auf der dramaturgischen Ebene eigentlich gar nicht sonderlich viel passiert. Ein verstorbenes Kind soll geklont werden, entwickelt sich zum Monster und wendet sich gegen seine Schöpfer. Auch sind das Experiment und die Forschungsrichtung verpönt und von der Obrigkeit nicht geduldet. Das ist die Essenz dieser Geschichte und erinnert eben auch an Frankenstein. Allerdings wird zu wenig geklärt. Der Entwurf einer zukünftigen Gesellschaft wird nur dürftig angerissen. Die Erde ist verwüstet und die letzten Menschen haben den Mars kolonisiert. Alle alten Wissenschaften wurden verdammt und Bücher sind verboten. Mehr erfährt man nicht und es wird einzig als Grund genommen warum das Experiment heimlich abläuft. Auch werden einige Nebenhandlungen nur gestreift, so etwa kommt eine zentral eingeführte Figur kaum noch vor und auch der Schmuggel wird nur ansatzweise erwähnt. Viel erheblicher ist aber gerade bei diesem Stoff das eine moralische und ethische Diskussion komplett ausfällt. Sie wird nicht mal in Bezug zu herrschenden Normen gesetzt und so entfällt auch eine Einordnung der Wissenschaft in das Gesellschaftssystem.

Hier hätte dem Band deutlich mehr Raum gut getan. Im Grunde hätte man aus ihm einen Zweiteiler machen sollen und hätte auf die bremsenden Off-Kommentare, in denen ein Großteil der Handlung stattfindet, verzichten können. So wirkt Die lebende Tote dramaturgisch so hüftsteif wie Boris Karloff in dem ersten Frankenstein-Film.

Zeichnerisch ist der Band aber hervorragend. Hier wird kongenial Science-Fiction mit Gothic Horror verbunden. So ist der Igor (der übrigens erst für die Filme erfunden wurde) hier ein Cyborg und nicht nur vom äußeren her an sich schon ein Monster „Frankensteins“. Es gibt riesige Spinnen welche  mutiert sind und das Schloss, welches sich natürlich in Transsylvanien befindet, so richtig schön zuweben. Das Schloss ist düster, dunkel und wirkt schon eher wie eine einzige Krypta. Zusätzlich gibt es eine Femme Fatale und ein Kellerlabor des verrückten Wissenschaftlers. Alles aber mit einem Hauch von Science-Fiction verbunden. Die beiden Genres ergänzen sich hier kongenial und von der zeichnerischen Seite her gibt es an dem Band absolut nichts auszusetzen und es ist eine wahre Freude ihn anzusehen. Auch wenn am Ende es noch einen Hauch von Alien gibt und das klassische Monster-Kino mit seiner Zerstörungswut zitiert wird.


Insgesamt gesehen liegt hier also ein äußerst interessanter Ansatz vor der gut anzusehen ist. Aber es fehlt die Stringenz und es wirkt wenig durchdacht. Dafür ist die Geschichte zu kurz und es verbleiben zu viele offene Fragen. Etwa ob die Tintenfische zu Anfang nun wirklich gut oder böse sind. Und dass diese, übrigens auch von Menschen gezüchteten Wesen, Kraken am Ende wohl dazu beitragen werden ihre Schöpfer auszulöschen, sich also die Kreaturen gegen ihre Schöpfer wenden, zitiert wieder Frankenstein was dann aber komplett untergeht. Nett, aber es wäre mehr drin gewesen.



Fazit:
Zeichnerisch werden die Genres Gothic Horror und Science-Fiction kongenial verbunden, was zu der Frankenstein-Thematik hervorragend passt. Aber leider holpert es dramaturgisch ordentlich und man hätte sich mehr Zeit nehmen sollen.