Batman: König der Angst

Batman: König der Angst

Batman: König der Angst

Story:
Als Batman wieder einmal seinen Erzfeind Joker im Arkham Asylum abliefert, wird er von den Insassen angegriffen. Im Zuge des Chaos ergreift Scarecrow die Flucht. Doch er hat gar nicht vor, dem Dunklen Ritter aus dem Wege zu gehen. Stattdessen setzt er Batman seinem neuen Gas aus und will im Laufe der Nacht erfahren, was seinen Feind eigentlich antreibt. Für Batman beginnt ein einziger Psycho-Trip.

Meinung:
Der Paperback Batman: König der Angst beinhaltet die komplette sechsteilige Miniserie welche losgelöst ist von dem aktuellen Geschehen, also abseits der Kontinuität gelesen werden kann. Das klingt jetzt alles noch nicht so aufregend, aber dieser Band bedeutet die Rückkehr des Zeichners Kelley Jones in das Batman-Universum. Jones war wohl der prägendste Batman-Zeichner der 1990er. Aber polarisierte auch die Leserschaft. Wenn man die damaligen Leserbriefe als Anhaltspunkt nimmt, so konnten auch viele LeserInnen nichts mit seinem einzigartigen Stil anfangen. Ja, die Figuren sind oft verzerrt, die Muskeln zu stark ausgeprägt und alles ist eine Übertreibung, was die Illusion eines Realismus von vorneherein zerstört. Das polarisiert natürlich.

Aber Batman in seinem wallenden Umhang der schon fast ein Eigenleben zu führen scheint, die überspitzten Ohren des Kostüms, das grimmige Zähne fletschen wie bei einem Tier und die durchaus vorhandene Brutalität, passte gut zu Horror-Storys wie etwa der Batman vs. Dracula – Trilogie oder auch zu so düsteren Ereignissen wie der Niemandsland-Saga. Der vorliegende Band ist aber nun keine Horrorgeschichte. Jedenfalls wenn man das Auftreten von übernatürlichen Ereignissen als Kriterium dafür nimmt. Dennoch kann man die Geschichte großzügig dem Horror zurechnen, denn hier geht es psychologisch um das eingemachte und es gibt ein hervorragendes Spiel mit Wahn und Realität bei denen nicht nur die Figuren, sondern auch die Leserinnen und Leser nicht mehr sagen können, was wirklich geschieht oder sich im Kopf des Helden abspielt. Batman wird dem neuen Angstgas von Scarecrow ausgesetzt und im Gegensatz zu den bisherigen Substanzen die nur Angst auslösen sollten, will nun die Vogelscheuche wissen was seinen Feind eigentlich antreibt. So gerät die geschilderte Nacht für Batman zu einem einzigen Psycho-Trip und einem erschreckenden Einblick in seine Psyche. Bezeichnend für die ganze Geschichte ist die Szene in der Batman auf einer Couch liegt und Scarecrow die Rolle von Sigmund Freud übernimmt.

So wird hier die große Frage aufgeworfen ob Batman überhaupt die richtige Methode gewählt hatte, um das Verbrechen und das Böse zu bekämpfen. Oder hat er dadurch nicht alles nur noch viel schlimmer gemacht? Es werden seine Traumata aufgegriffen, seine Ängste, die Verluste und das es eigentlich keinen Sieg gibt und geben kann. Wofür gelungene Bilder aus der griechischen Mythologie gefunden und in den Batman-Kosmos überführt werden, wenn der Dunkle Ritter immer wieder seine Gegner auf einer Plattform einen Berg hochziehen muss, dabei aber immer wieder scheitert.

Man sollte jetzt aber nicht davon ausgehen, dass hier rein der Dialog dominiert und alles nur in einem Gespräch bebildert wird. Zum einen ist der Band sehr spannend da man nie weiß was Wahn und Realität ist und wie der Schurke mit seinem neuen Wissen über seinen Gegner umgehen wird.  Zum anderen stellt sich die Frage wie Bruce Wayne das alles wegstecken soll. Gegen Ende ist er jedenfalls deutlich gezeichnet. Aber für Kurzweil wird durch einiges an Witz und auch an Action gesorgt, denn gerade letzteres darf in einer Batman-Story natürlich nicht fehlen. Und die äußerst gelungenen Zeichnungen illustrieren den Psychohorror mehr als adäquat und Kelley Jones ist genau der richtige für diese Story. Er findet immer wieder überraschende, nahezu expressionistische Perspektiven und Winkel, die mimischen und körperlichen Verzerrungen passen optimal für die Wahnvorstellungen und immer wieder gibt es einige wunderbare Ideen. Insgesamt liegt hier eine sehr gute Batman-Story vor die an die Psyche geht aber die üblichen Zutaten nicht vergisst. Sehr stark.


Fazit:
Eine starke Geschichte. Für diesen Psycho-Trip ist Kelley Jones der ideale Zeichner da seine Verzerrungen, expressionistische Perspektiven und Einfälle hervorragend dazu passen ein Spiel mit Wahn und Realität zu bebildern.