Kick-Ass: Frauenpower 2

Kick-Ass: Frauenpower 2

Kick-Ass: Frauenpower 2

Story:
Patience hat alls Hände voll zu tun. Nicht nur ist sie alleinerziehende Mutter, Studentin und Kellnerin, sondern auch als Kick-Ass die Anführerin einer Gangsterbande. Ihre Stellung nutzt sie um andere Banden auszuschalten und so Ordnung wieder herzustellen. Doch ihr nächstes Ziel ist sehr mächtig und hat Verbindung zu den mexikanischen Kartellen. Hat Kick-Ass sich diesmal zu viel vorgenommen? Zudem droht ihr Schwager aus dem Koma aufzuwachen. Und der weiß um Patiences Geheimnis.


Meinung:
Der erste Teil des Spin-Offs zu Kick-Ass überraschte etwas. Nicht zuletzt deswegen weil der Begriff Spin-Off hier nicht so recht passen will. Denn im Grunde ist die neue Storyline nicht in dem bekannten Kick-Ass Universum eingegliedert. Gut, der Anzug ist derselbe und man weiß von den Taten Daves in der Großstadt, aber mit den bisherigen Figuren und Ereignissen hat Kick-Ass Frauenpower eigentlich nichts zu tun.

Im Grunde wird eine völlig neue Geschichte erzählt. Das Überraschende war nun weniger das eine Frau das Kostüm anzog, sondern das sie eigentlich keine Heldin sein will und das Konzept des Superhelden lächerlich findet. Patience ist eine ehemalige Soldatin die gegen Verbrecher angeht und das Kostüm nur anzieht, damit ihre Kinder nicht in das Fadenkreuz geraten. Damit wird ein Grundtenor der ursprünglichen Kick-Ass Saga fallengelassen. Zudem überraschte man die Leserschaft indem am Ende des ersten Bandes Patience die Gang übernahm, um mit dem Bösen noch Böseres zu bekämpfen.
Man kann also gespannt sein wie es nun weitergeht. Zudem Millar den Posten des Autors an Steve Niles abgegeben hat. Niles ist beileibe kein Unbekannter mehr und hat einige hervorragende Bände geschrieben. Mit dem Zeichner Marcelo Frusin bildet er ein neues Dreamteam. Frusin ist ein wunderbarer Zeichner, der stilistisch eine Mischung aus Richard Corben, aufgrund der Plastizität der Figuren, und Eduardo Risso, aufgrund der Mimik und der gewählten Perspektiven, darstellt. Man kann nur hoffen, dass die Serie noch länger in deren Händen bleibt.

Wie schon im ersten Band fehlt hier der Metakommentar zu der Pop-Kultur welche Kick-Ass auszeichneten. Abgesehen davon das einer der Schurken etwas an Clint Eastwood erinnert, gibt es keine Zitate und Verweise und den Versuch das Superheldengenre realistisch zu erden. Stattdessen wird eine Atmosphäre des Niedergangs erschaffen was alles sehr düster aussehen lässt. Die Story spielt im Süden der USA und thematisiert im Hintergrund den wirtschaftlichen Niedergang und das sich in manchen Gegenden aufgrund der fehlenden Infrastruktur eigentlich nur noch das Verbrechen lohnt. Was ein bitterer, aber leider auch sehr realistischer Kommentar zu den Verhältnissen mancher Gegenden in den USA ist. Die Heldin Patience muss neben ihrem Studium noch kellnern gehen, da ihr Sold als ehemalige Soldatin nicht dazu ausreicht ihre zwei Kinder als alleinerziehende Mutter zu versorgen. Von dem was sie als Bandenchefin einnimmt, nimmt sie für sich aber nur einen geringen Teil. Ansonsten würde das Geld hinten und vorne nicht reichen. Der Staat spielt hier in der Serie überhaupt keine Rolle, er hat sich zurückgezogen und auch die Polizei kommt so gut wie gar nicht vor. Die Bürger werden im Stich gelassen. So entsteht eine Art Niemandsland auch in moralischer Hinsicht, was zu der Atmosphäre hier beiträgt und die Leserinnen und Leser einzufangen vermag.

Da sich hier Patience eine nächste Gang als Ziel aussucht, wird es extrem blutig da die Gangster mächtiger und klüger sind als die bisherigen Gegner und ihr Verbrechen im größeren Stil aufgezogen hatten. Zudem kommt ein Gegner aus dem ersten Band zurück. Patience gerät also in mehrerer Hinsicht in Not und das macht den Band auch sehr spannend zu lesen und auch die Action abwechslungsreich da hier im Grunde niemand sicher ist. Wo das weitere Spin-Off Hit-Girl mittlerweile in Blut und Gewaltverherrlichung versinkt und somit der Serie schadet, wird hier tatsächlich eine Story nicht vergessen und die Figuren ernst genommen. Weiter so.


Fazit:
Auch mit einem neuen Autor kann die neue eigenständige Kick-Ass Saga voll überzeugen. Niles und Frusin bilden ein neues Dreamteam. Trotz aller Action werden die Charaktere nicht vergessen und die düstere Stimmung kann einen fesseln.